yes this is my broken shield

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Das ist die Umwandlung. Vom Bewohner zum Besucher; das tut noch Monate später weh. Die letzten Male, die ersten Male. Ich bin nicht nur der Urlauber, das wird ein Experiment. Alles brennt. So schön neu. Meinst du das? Meintest du das?

Ich habe gesehen, wie du am Fenster standest und mir nachgesehen hast, das hast du sonst nie getan. Auf einmal warst du in meinen Armen so klein und ich wusste nicht, wo das herkam. Vielleicht hat es sich angedeutet, dieses kleiner werden, vielleicht werden das auch mal Menschen, die mich lieben, so sehen und fühlen. Wir werden alle immer kleiner.
Als sie mir sagte, dass das der Stachel ist, der bleiben wird, habe ich es nicht zu ernstgenommen. Im Nachhinein stimmte es, wie alles, was sie mir sagte.

Eine Stadt zu lieben ist mir immer schwer gefallen, das war in meiner Heimatstadt sogar unmöglich. In London waren es Seven Dials bei Laub und Spätherbstsonne, Merica und unsere abendlichen Spaziergänge nach Waterloo Station, um Menschen beim Leben zuzusehen. In New York waren es die Nähe zum Meer und die merkwürdige Kälte in den U-Bahnen, die Schwüle am Abend und die Lichter am Times Square.
Hier sind es die Menschen, nicht die Stadt. Letztes Jahr habe ich Dresden verflucht, ganz besonders die Zeit mit F, die Orte hier, die wehtun, die Orte hier, die ich nicht entknüpfen kann von Erinnerungen, die rütteln am Fundament, das sind die Sachen von früher, die von vor Jahren.
Es ist in Ordnung. Das Gehen ist nicht das Schlimmste, es ist das Zurücklassen. Ich habe gesehen, dass du erst das Licht ausgemacht hast, als ich links den Berg abbog und nicht mehr in Sichtweite war.

Das ist die Umwandlung vom Beobachter zum Veränderer. Für sich persönlich; das sind die Tage, an denen man durch die Straßen schwimmt, also die im Licht. Das „Happiness: only real when shared with you“ auf dem mittlerweile dreckigen Bettlaken. Das sind die stillen Momente, die ganz stillen, die, in denen ich kaum zu Atmen wage. Weil jede Stadt anders klingt, wenn sie leise ist. London: Hintergrundrauschen der Klimaanlagen, New York: entferntes Sirenengeheul, Dresden: das Klingeln von Fahrrädern am Sonntagmorgen oder einfach nur Nichts.

Es ist schon gut, ich werde das niemandem erzählen. Niemandem. Das bleibt unser Geheimnis. Ich weiß, dass du weinst, gelegentlich, wenn du an mich denkst. Und ich weiß, dass du mir das nie sagen würdest. Das ist in Ordnung, wichtig ist, wie es dir geht.

Ob man darüber schreiben sollte? Ob man das darf? Ob das nicht makaber ist oder beinahe ein Selbstfleddern? Alles brennt. So schön neu.

In fields of shadows you’re the flickering light
That keeps me walking towards what’s right.
And like the astronaut scared to fly
I sometimes wonder… is it all a lie?
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have no fear

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Vierundzwanzig Uhr schaltet man die Lichter aus, jedes zweite, das ganze Viertel, die ganzen Straßen entlang. Am Eck sitzen sie noch und reden, es wird langsam zu kalt nachts, weißt du, das waren auch wir so oft. Oder waren wir dort schon immer, ob unsere Handabdrücke noch auf den Fensterbrettern aus Sandstein sind? Ob wir dort etwas hinterlassen haben, was wir sonst weder finden noch so wirklich suchen können?
Es weht kalt von Norden, die freie Fläche, ich laufe immer in ihn und seine fehlende Körperspannung hinein. Die Heizung zu Hause schalte ich nicht an, weil ich frieren will. Immer alles geisterhafte oder Menschen, die nicht gut tun, aus sich herausfrieren, das hat auch gut geklappt im Januar in der Psychiatrie.
Ich fülle Bücher, weil ich genau weiß, dass sie niemand außer mir lesen wird. Hochbeschäftigung, Selbsterhaltungstrieb. Verschwindet der Atem nicht auch einfach nur im Kopf? Die Sirenen, die in jedem Land anders klingen und ihr Flackern. Achtung, Baby. Achtung.
In den TV-Sendungen beschäftigen sie sich mit den existenziellen Fragen, zumindest Glauben sie das. Währenddessen fließt mir die Zeit aus den Fingern. Trotzig, ja, beinahe wütend sage ich: ich will, ich will, ich will. In der Zwischen-, der Wartezeit das Entweder/Oder. Loslassen. Das ist beinahe so wie mit dem Koffer packen in letzter Minute. Mein Kopf schmerzt, immer alles Last Minute. Sehr selten eine Wut so groß, dass ich weinen mag; die reinigende Wirkung des Blutens auf Papier, leider seltener. Ich fasse gerne an, fühle gerne Worte. Schon seit einem halben Jahr fühlen sie sich nicht mehr an wie Schleifpapier und doch strengen mich manche Prozesse an. Das in Gang kommen, Rhythmus in den Tag bringen. Dann wieder: ich will, ich will, ich will. Der stete Tropfen, der nicht unbedingt den Stein höhlt, auf jeden Fall aber nicht meinen.
Und die Erkenntnis, dass andere in so vielem, was mir wichtig ist, so viel besser sind. Da tun Worte genau zum richtigen Zeitpunkt weh und da ist das Auge genau an dem Ort, an dem es sein soll. Es ist in Ordnung, es heißt nicht, dass das vorbei ist. Dass man aufhört. Und sei es nur, dass man es für die Kiste neben dem Bett tut oder für das große Buch mit den zu vielen leeren Seiten, die ich von Wohnung zu Wohnung mit mir herumtrage.

Wir zählen die Tage herunter, zumindest sagen wir das. Um mich herum alles allein, aber nicht einsam.

//

Genau das ist es ja – es muss nicht immer mit Schmerzen unterlegt sein. Zwar läuft mir das Blut die Beine herunter, das hat man bestimmt schon mal gesehen, aber es zwiebelt nicht mehr zu arg.
Der Mann, der mir in der Buchhandlung gegenüber sitzt, er wartet auf irgendwen und deshalb brennen seine Augen durch den Raum. Ja, vielleicht sollte man mal wieder mit der Bahn zur Endhaltestelle fahren und einfach nur zuhören; man könnte all die Bücher lesen, die man sich voller Begeisterung gekauft, auf den Stapel auf dem Fensterbrett gelegt und danach nicht weiter angesehen hat. Die Ideen anderer Menschen.
Man könnte über ihn schreiben und seine Kerben oder über ihn und die Schatten, die auf dem einen Foto auf seinem Gesicht liegen. All diese Spiegel vor Augen, einfach schreiben, sich selbst in dem Prozess schreiben, sagen: ich will doch nur nach Hause.

shadow people

Ich wollte all das einfach nur fotografieren, ich wollte nicht, dass es weggeht. Das Verweigern gegenüber der Grausamkeit der Zeit, mein Flehen nach einem langgezogenen Atmen, einem Einatmen, einem Innehalten, der Idee davon, dass es kein Kohlenmonoxid gibt, dass Altes, unausgestoßen, nicht töten muss. Abramovic und Ulay und das Sterben aneinander, das Aufbauen aus dem Nichts, das Kratzen und Scharren durch die Erde, durch den Dreck mit den bloßen Fingern, das ist es, das Atmen; einfach, weil nichts in den Schoß fällt, weil alles trotzdem leichter werden kann, weil man sich selbst die Luft aussucht, in der man atmet, hat man sich einmal freigemacht von seinen Ankern oder seinem Namen, bei mir drücken zwei nach unten, laut und heftig. Da frisst links die Stille ins Fleisch, rechts nagt der Erwartungsdruck und in der Mitte klafft das schwarze Loch, das nicht mehr alles in sich hineinsaugt, mich aber lebenslang an seinem Abgrund tanzen lässt. Oder geht davon eventuell das Bluten vorbei, also das innere, das, was nie aufhört, solange es noch rot ist, solange es noch relativ warm ist, solange ich es durch mich pulsieren spüre, wenn mir mal wieder der Arm oder das Bein eingeschlafen ist?
Erinnert sich womöglich sogar noch jemand an den Abdruck des Lichts in meinem Zimmer auf der Netzhaut, die Art, wie das Abendrot nie das beleuchtete, was es sollte?

where did all the shadow people go?

oblivion

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Du darfst das schon sagen. Ich will nicht, dass du gehst. Und ja, ich weiß, es wirkt manchmal antiquiert, also diese Wehmut beim Weggehen, beim Verlassen. Oder sind das einfach nur Fetzen, da auf der linken Spur, ist das einfach nur ein zerfahrenes Stop-Schild? Über Berlin hängt dichter Nebel, in Dresden regnet es, in die Wälder soll es gehen, die mit den Nadelbäumen. Und die Kleidung soll aufbrechen und es soll sich die Haut in einer Linie befinden mit den Baumstämmen:
Die Jahre schieben sie nach außen, selbst schiebt man sie nach innen, außen ist es ähnlich hart.
„Du, wir sind in Brandenburg.“
Der Bus wiegt sanft nach links und rechts, das sind all die Kilometer zwischen hier und dem Ort, von dem man sich gewünscht hätte, er würde sich irgendwann anfühlen wie zu Hause. Wald und Felder und kaum Menschen; der Ort, an dem mein Vater aufgewachsen ist. Gegenübergestellt: Plattenbau, sanierter Altbau, Doppelhaushälfte.
Die weißen Strähnen entfernen, an jedem Ort der Verlust eines Teils des Körpers, Rückstände in Zellform. An jedem Ort, an dem ich war, habe ich mich begraben. Wie war das gleich nochmal mit der Unschuldsvermutung? Und wie ist das mit der Unschuldsvermutung gegen sich selbst?

‚Cause when you’re running by yourself
It’s hard to find someone to hold your hand

Nulllinie

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Manchmal fallen die Dinge auseinander, manchmal fallen die Dinge zusammen. Das Verständnis, das man gelegentlich nicht aufbringen kann, wenn man sich die verschiedensten Formen von Erklärungen und Ausreden ansieht.

Ich glaube, ich kann das alles hier nicht. Ich kann nicht mehr schreiben, ich muss es erst wieder lernen. Oder überhaupt erst so richtig.

this will all make sense in good time