household goods

Untitled by smallcutsensations

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Labskaus.
Oder an einem anderen Tag, Fragmentfortsetzung

Ich glaube, du hast mich aus dem Zug geworfen, dabei habe ich nur gefragt und geatmet und gewartet auf was auch immer du mir erzählen willst. Und all das in voller Fahrt.

Every where I look, I just see you, on your own
All that it took, was one call, from his phone
Forgive me if I’m wrong, but you look shit, all alone
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la ballade de jim

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Oder an einem anderen Tag, Fragmentfortsetzung


Dann kommen mir die Fragen hoch, im Kopf und auch auf meiner Haut. Du sagst, du bemerkst es, wenn es mich fröstelt und ich habe auch irgendwie nie in Abrede gestellt, dass du diese Fähigkeit hast. Womöglich konntest du das von Anfang an, vielleicht habe ich dir meinen Kern gezeigt und du konntest in meiner Maserung lesen, wie es unter den äußeren Schichten aussieht.
In deinem Schoß liegend sehe ich jede einzelne Masche deiner Strumpfhose und muss mich wundern, wie sehr sie aussehen wie echte Hautzellen. Es fehlen die blauen Flecke, von denen du mir immer erzählt hast wie von den Dingen, die du angefangen aber nie zu Ende geführt hast und dass dich das genauso verletzt hat wie mich meine Unentschlossenheit, von der ich dir zu oft berichtet habe, die du aber nie ernst genommen hast.
Kartenhäuser sind das, die in dir am einstürzen waren, meine Karten lagen schon lange auf einer Ebene, sie lagen auf einer Rüttelplatte. Der Zug fährt ruhig, Neigetechnik, ich weiß, ich wünsche mir die alten Züge zurück, in denen man die Beine langstrecken konnte und die Spiegel unter den Hutablagen hatten; Abteile und Gänge und nicht diese unbequemen Doppelsitze.

Deine Wange lehnt sich an den Vorhang, der an eine bessere Zeit erinnert, deine Augen sind geschlossen und deine Hände umrahmen mein Gesicht. Immer alles definieren wollen, du redest von kalten Brisen, die dir den Hals entlangkriechen, du sagst nicht viel, allgemein redest du kaum. Abgehackt, mit einer kleinen Portion Schuld bedeckt. Ich frage was, aber du antwortest nicht. Die Reise steckt dir in den Knochen, dein Blut höre ich durch die Kleidungsschichten rauschen.

elle était son calmant, son alcool profond
comme elle est partie, attention: Jimmy tourne pas rond

spring 1

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Oder an einem anderen Tag, Fragmentfortsetzung

Und du musst mir davon erzählen, als würde ich tatsächlich schlafen, als würde ich dir nie zuhören, hätte ich dir nie zugehört. Du setzt das Wortmesser an und schneidest tief, erzählst von all den Stunden, in denen du Bilderrahmen mit meinem Gesicht darin an die Wand geworfen hast; Glas, das sich in so viele Teile zerbrach, dass das Pech für zweihundert Jahre hätte reichen können, immer wieder dieses unbeholfene Schneiden an den Scherben und dein Versuch, um sie umherzutanzen, fast, als wären sie nicht da. Ständig diese Reminiszenzen, ständig dieser Wunsch zu vergessen, ständig irgendein Restsplitter, der sich in deine Fußsohlen bohrt. 
Der Zug wiegt uns sanft, deine Hand auf meinem Gesicht, das ist die nicht vorhandene Ohrfeige, die, die du mir nie geben konntest, weil du das schon mit so vielen Bildern von mir getan hattest, deine unbändige Wut, die du nicht in Hass verkehren kannst, weil du immer noch blutest an den Fußsohlen und weil deine Narben dir die Beine hochkriechen. Als hätte man dich mitten in einem Wald voller Dornen ausgesetzt, als hätte das alles Sinn gemacht, als hättest du den Weg nach draußen finden müssen, kein Hubschrauber mit Wärmebildkamera über dir, keiner, der nach dir sucht. Die Suchtrupps waren schon mit mir beschäftigt, und zu Hause immer noch all diese alten Bilder von mir, ich weiß nicht wieso du sie nie weggeworfen hast; dieser plötzliche Drang, dieses Bedürfnis, diese Notwendigkeit, du hast nie gewusst wonach eigentlich, vielleicht nach dem Atem aus meinen Lungen. 
Dein Erzählen, dein Vermuten, deine Hypothesen, mein unbändiges Verlangen nach Leiden und irgendwo dieser undefinierte Wunsch, doch leben zu können, aber wie nur, wie, mit all dem zerbrochenen Glas da auf den Dielen, mit all dem, was man nie wieder aus den Ritzen herausbekommen kann, weil man sich immer wieder an den Scherben verletzt? Du redest vom Meer, von dem Rundgewaschenen, von den geformten Steinen und ich weiss jetzt, dass du von deinem Schmerz redest, dem, den du nur in Ansätzen gezeigt hast in all der Wut, weil du deinen Schmerz nicht über mein Leiden stellen wolltest, nie, du hast nur immer davon gesprochen, wie viel Rücken tragen können. Du hast immer nur gesagt, dass alles gut ist, du hast gelogen, ich weiß es, ich sehe es, ich sehe es in deiner Panik, ich spüre es noch immer in dem schon längst vergangenen kräftigen Druck an meinem Handgelenk vom Bahnsteig, du wolltest nicht, dass ich noch mehr leiden muss.
Ich wiege mich immer mehr in das sanfte Nichts zwischen Halbschlaf und deinen Worten, ich denke, ich war Winter, ich konnte nichts dafür, dass Schnee so schnell schmilzt, ich war Winter und irgendein Lufthauch war für mich einfach noch viel zu warm.

now I can’t feel a thing

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Oder an einem anderen Tag, Fragmentfortsetzung

Ja, ich hatte es dir versprochen. Dass wir am Meer wohnen würden, dass das Meer alles wieder gut machen würde. Die Farben, die Temperaturveränderungen, die Strömung, die mich immer so an dich erinnert hat.
Auch das geht vorbei, also diese Frage danach, sage ich dir. Schlimmer ist meine Sehnsucht nach dem Ort, an dem ich nie geboren wurde, in keiner Phase meines Lebens, weder nach meiner persönlichen Katharsis noch nach meinem Zusammenbruch, nach meinem Abschluss oder der letzten Reise auf die Insel. Ob wir einander jemals davon erzählt haben? Vielleicht hat man das ein Leben lang, vielleicht ist man wirklich lebenslang krank, deckelt nur, dass die Blase aus Lava platzt.
Dein dahingehauchtes wir sollten einsteigen und die Hand am Türöffner, als wäre das hier etwas ganz großes, das niemand von uns fassen kann, als hätte nie jemand etwas tragischeres erlebt. Da habe ich das Bedürfnis, dich an die Tage zu erinnern, an denen ich neben dir eingeschlafen bin, im Handtuch, in dem, das ich immer aus deinem Schrank genommen habe, weil es so nach dir roch, aber ich habe es dir nie erzählt, ich sollte es wohl dabei belassen. Du hast mir schon gefehlt, als du mit mir im selben Zimmer geschlafen hast. Wie unsäglich übermelancholisiert das klingt, alleine schon, wenn die Stimme des Unterbewusstseins das sagt. Doch fühlt es sich so an, als wäre es das größte Beruhigungsmittel für mich gewesen, als wäre das schon in Ordnung, sich an die eigentlichen Situationen nicht mehr erinnern zu können, nur noch an das Gefühl, das sie nach sich schleifen, denn ziehen kann man das nicht mehr nennen.

Von nun an versuchst du, möglichst nicht von den schwarzen Löchern zu reden, in denen wir noch drinstecken, wobei: du weißt nichts von meinem. Deine Angst, nachzufragen, wieso ich auf einmal verschwunden bin, wieso ich auf einmal kein Wort mehr gesagt habe. Absichtliches Rollenvertauschen, wir müssen alle immer so viel Verständnis haben, für alles, oft weiß ich nicht, wo du das täglich herholst. Diese gottverdammte, unsägliche Liebe für alle außer dir, die mich in den Wahnsinn treibt, weil sie keinen Sinn macht, du bist dieses schlechte Beispiel für Selbstwert und deshalb muss ich mir so oft auf die Zunge beißen, gelegentlich auch bis es blutet. Du erfährst wieder nichts davon, wenigstens redest du wieder.

Man sollte nie Musik wie Star Guitar hören, wenn man im Zug sitzt, meine Augen halten gar nicht mehr mit.
Als würde das irgendeinen Unterschied machen.
Du packst die Kekse aus, die du am Bahnhof gekauft hast und beißt behutsam, Stück für Stück, eine Ecke ab. Als könntest du dich nicht mehr an richtiges Essen erinnern.
Vielleicht kennst du nur deinen inneren Takt nicht, ich finde schon, dass das einen Unterschied macht.
Hast du jemals richtig zugehört?
Schlaf wäre jetzt schön, es ist sowieso zu spät für mich, das Meer muss eine gute Idee sein, ich kann mir nur jetzt vorstellen, wie du aus vollen Lungen heraus wie ein Kind lachen kannst, dabei darf ich dich nicht ansehen. Dein fahriges Gesicht, die Mischung aus Spontaneität und Alarmiertsein, der unsägliche Druck, dass man am Meer viele findet, die zum letzten Mal irgendwo hinfahren wollten und dass das keiner von uns beiden will. Weil alle irgendwie ans Meer wollen, bevor sie sterben, das ist die Relativität der Dinge und Menschen und Gefühle und doch fahren wir da hin, weil wir leben wollen und temporär vergessen haben, wie das so geht. Dieses normale Leben.

Wenigstens war ich immer da, sagst du dann, du weißt ganz genau, wie sehr mich das trifft. Das Wittern später Rache, dabei wollte ich nichts sehnlicher als das Gegenteil. Das ist deine Mauer, das ist die, die du wegen mir aufgebaut hast.
Und als du vor ein paar Tagen vor mir gestanden hast, du wusstest nicht, dass ich die Person hinter deiner Tür war, hatte ich vermutet, dass du mich wegschlägst, als ich die Hand nach dir ausgesteckt habe. Stattdessen hast du weinend in meinen Armen gelegen, die, wegen denen du mich fragtest, ob du mich berühren darfst. Dieses Schütteln, fast wie Schüttelfrost, das kam aus dem Kern, irgendwo tief drin. Du hast mir gefehlt, das hast du immer wieder in mein Ohr geregnet. Die Angst, dass du in meinen Armen, zwischen meiner Haut kaputtgehst, so wie ich früher in deinen. Ich konnte mich nie zusammenkleben, du dich auch nicht.

Am nächsten Bahnhof reißt du mich aus der Lethargie. Ich habe Herzrasen, ich kann mich nicht mehr bewegen, sagst du und ich kann sehen, dass du das Gefühl hast, du bist in deinen Augen eingesperrt. Deine Hände krallen sich um mein Handgelenk, das ist die Panik, von der du nicht willst, dass ich sie jemals sehen muss. Ob das der schwarze Hund ist, der, der nicht anders kann als bellen?
Ich erzähle dir von dem Ort, an dem ich früher oft war, wie ich mir immer gewünscht hatte, in den nächsten Zug steigen zu können, es nie konnte und es deshalb nie versuchte. Stattdessen den anderen zusehen beim Wegfahren, Abfahren, Ankommen, also beim Leben, das war meine Panik, aber die war nicht real.
Ich konnte meine Panik nie anfassen, so wie du mein Handgelenk jetzt.
Das ist so egal.
Drück so fest du willst. Drück zu, drück zu, drück zu. Das hier ist real. Und bald sind wir zu Hause.
Die Angst davor, dass du tatsächlich zusammenbrichst, ich spüre meine Finger nicht mehr, so fest drückst du. Vielleicht spürst du dadurch endlich dein eigenes Gewicht, ich kann nicht mehr, ich lege meine andere Hand auf deine an mir verkrampfte.

Du lässt los, wir rennen nach dem Anschlusszug, wir reden nicht über das, was passiert ist. Trotzdem hast du deine Spur so hinterlassen, dass sie noch einige Stunden sichtbar sein wird wie ein enganliegender Armreif.
Das kurze Zähnefletschen deines schwarzen Hundes, dieses schwarzen Lochs in deinem Kopf und meine Hoffnung, dass du umgekehrt nie etwas sehen musst, das dich so betroffen macht wie die Angst, die in deinen Augen war.

Es riecht nach Salat und dem kaum an Kaffee erinnernden schwarzbraunen Heißgetränks aus dem Bordrestaurant, die Gespräche der Mitreisenden sind herrlich weit entfernt. Du grübelst, ich mache dasselbe, nur in eine andere Richtung. Die Denkerpose, die man nur von Vernissagen und Museumsbesuchen kennt, verfällt zunehmend in deiner Gegenwart. Mein Magen knurrt so laut, dass es die beste Entscheidung ist, zu schlafen. Ich lege meinen Kopf in deinen Schoß als wäre ich eine Katze. Bald erinnere ich mich an nichts mehr.

love will tear us apart again

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Oder an einem anderen Tag, Fragmentfortsetzung
Die Bäume sehen so aus, als wären sie Zeugen all meiner Verfehlungen gewesen, als hätte sie nichts davon erschüttert, als hätte es meine Sünden eigentlich nie gegeben. Erinnerungen an die Rinden in meiner Kindheit, sie platzen ab wie deine Worte an mir, ich kenne nichts davon.
Sie nennen es oft schwarzer Hund und ich weiß nicht, was an einem schwarzen Hund krank sein soll.
Er bellt und knurrt in deinem Kopf, das denke ich mir. Dann fährt der Zug ein, die Ansage am Gleis gab es nicht. 

and now you cannot let go, cannot let go

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Oder an einem anderen Tag, neue Fragmentfortsetzung

Du hast mir dann gesagt, dass wir den nächsten Zug nehmen werden, den Richtung Westen, also nicht in Richtung des Westens, der irreparabel wehgetan hat, sondern näher an das heran, was gut tut, obwohl es schmerzt. Wir haben die Schienen betrachtet, deine Bemühungen, mir deutlich zu machen, dass all das wieder in Ordnung sein wird, was nun notdürftig mit Kompressen bedeckt ist. 
Das ist eine Fleischwunde in der Seele, das sagst du immer wieder und ich frage mich dann, wie genau das funktioniert und ich würde dich das gerne fragen, aber ich weiß nicht wie, sodass ich zuguterletzt entscheide, dass ich es nicht kann. Dein nachdenklicher Blick, während du deine Tasche in der Hand hälst, wir sinken nicht mehr die Stuhllehnen herunter, bis wir nur noch mit den Rücken auf der Sitzfläche liegen, früher hätten wir das vielleicht getan, früher, also eher damals, als wir klein waren und uns nicht kannten. Heute beobachten wir uns scharf, trotz all der unsichtbaren Denkmäler für die Dinge, die wir früher benennen konnten; deswegen stehen wir hier, es hätte die Autobahn sein sollen, die uns wegrauscht von hier, aber wir verlieren nicht gerne die Kontrolle. Wir lieben es, uns in geordneten Bahnen bewegen zu lassen, trotz der unregelmäßigen Anwesenheit eines Sinns hinter dem, was umtreibt.
Angst, das spüre ich, als auf den anderen Gleisen die anderen Züge in andere Richtungen abfahren, niemand ist mehr übrig außer uns. Du siehst so aus, als würde es gleich losregnen, aber deine Traurigkeit darüber bleibt aus. Ich will die wegen der hohen Luftfeuchtigkeit beschlagenen Fensterscheiben in den antiquiert wirkenden Abteilen freiwischen, weißt du, was ich meine? Sehen, um verstehen zu können, man vermutet Abschied hinter dem nächsten Atemzug, eigentlich müssten wir darüber lachen. Aber wir können es nicht, weil unser Zielort verspricht, dass das Meer vor Eis ächzen wird. 
Ich versuche, dich zu beruhigen, mein Reden über Gräser an Sommertagen, auf der Wiese, an der du nie vorbeigekommen bist. Der Versuch, eine Farbe zu beschreiben, die du nicht kennst, da fehlen die Referenzpunkte, wir beschwichtigen einander, dass das schon nicht so schlimm sei, aber im Hintergrund kommt ein anderes Rauschen als das der Autobahn hoch, das sind die Fussschritte anderer Menschen.
So funktioniert das nicht, sagst du, wieso muss in alles immer diese Geschwindigkeit rein?
Irgendwie fehlen die Antworten, eigentlich war das beinahe eine rhetorische Frage. Das Entschleunigen haben wir nie gelernt, abruptes Bremsen verursacht ein größeres Unwohlsein als das angenehme Gefühl, wenn etwas anrollt. Vielleicht hat man uns aber auch nie etwas anderes, etwas gesünderes, beigebracht. Vor einiger Zeit hast du viel über Ideale geredet, über das Kleine, was dir ständig im Größen über den Weg läuft. Da habe ich dir immer davon erzählt, dass ich es bemerkenswert finde, dass die Weisheitszähne so genannt werden, wie sie genannt werden, denn wenn sie kommen, kommt der Schmerz. Womöglich muss das mit der Weisheit so sein, deshalb tut das Älterwerden so weh. 
– Ich will den Schmerz spüren, sonst kann ich nicht wachsen, also wieso ihn von Anfang an herausoperieren wollen?
– Kannst du mir das näher erklären? Vor allem, wenn alles viel zu schnell für dich zu sein scheint?
– Das kann ich nicht. Manches kann man sich nicht aussuchen.
Ich schüttele mit dem Kopf, weil ich nicht weiß, was du meinst. Zeit haben wir noch, die Tasche in deiner Hand sinkt immer weiter deine Fingerglieder herunter, bald muss sie doch aus deinen Fingerspitzen fallen. Und wenn, wie bei den Weisheitszähnen, im Körper kein Platz für den Schmerz ist?
Du lachst, nicht amüsiert, nicht arrogant, du lachst so herrlich hilflos vor dich hin, weil das dein wunder Punkt ist. Ich muss tief getroffen haben, denn das erst leise Lachen schüttelt nun auch deinen Oberkörper nach vorn, wie prophezeit: deine Tasche fällt zu Boden. Gegen das Leben kann man auch nicht einfach eine Aspirin nehmen, es reicht schon zu, dass man immer etwas wegen der Kopfschmerzen nehmen soll, bringst du schließlich heraus. Und da fehlen mir die Referenzpunkte.