hang me up to dry

Untitled by smallcutsensations

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∆ 11
Menschen, die in Boxen wohnen, Spalten dazwischen. Das ist ein Kokon, denke ich, die Anderen fein säuberlich von sich abgetrennt. Gewollt und ungewollt. Deshalb spickt man wohl die Räume zwischen den einzelnen Gehwegplatten manchmal mit Sand, die Köpfe in Taschen voller Erwartung.
Geweint habe ich fast, da im Morgenlicht.

hot water bleeding our colours

there’s a bullet in your back / later

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Dann lese ich Bücher über Menschen, die ich hätte sein können und fahre Routen auf einer alten Karte nach. Ich fahre vor. Die große Stadt auf der Insel, Flug über die Nordsee, schließlich ein Land mit viel Wald und vielen Seen.
Aufwachen in einem Bett voller Krümel; das Licht bricht sich gelb an der Wand, neben der ich schon lange nicht mehr lag. Muster, die an Krater erinnern, tiefe Schatten, ähnlich wie die dunklen Schatten unter den Augen. Es riecht nach Kartoffeln, Hefe und Malz, ihr Geruch zieht von einer Brauerei aus durch die kleinen Ritzen zwischen Fenstern und Türen. In diesen Zwischenräumen sitzen sonst Geschichten von vor Jahren, selten kramt man sie heraus.
Die Atlanten liegen offen, wo fängt der Abschied an, frage ich mich. Es fällt auf: es fehlt das Denken in Fragezeichen.

think later, see later
that I am no good

about loving darkness

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Sommer 2013, Dresden
Agfa XRG 200-N (expired 02/2005)

∆ 10

Weil ich dich nicht beunruhigen will, erzähle ich dir nichts von meinem Tag. Ich vermeide es allgemein, dir zu viel zu sagen, weil ich weiß, dass du meine Fährte aufgenommen hast, die Flinte im Korn riechst.
Du stellst Fragen, auf die du mir auch keine Antworten gibst. Ich stelle sie dir ebenso und trotzdem. Von vielem weiß ich, aber ich sage nichts. Das wäre unfair.

Weil ich nicht im Winter aufwachen will, verschlafe ich alles, lasse die Türen und Fenster zu. An meinen Wänden taucht der Tag auf wie ein monochromer Farbverlauf, der es gerade so über meine Fensterbretter schafft, aber nicht in mein Gesicht. Ich mag es nicht, wenn es mir die Augen zu sehr blendet. Denn die Listen, mit deren Abarbeitung ich beschäftigt bin, sitzen auf und neben mir wie all die Worte, die ich zwischen den Zeilen lesen kann und wegignoriere.

Weil ich nachts immer Fieber und Schüttelfrost habe, möchte ich in der Wärme bleiben, bevor sich die Kälte, die von außen, die mancher Menschen, wieder in meine Knochen frisst. Dabei liegt es nur an den kleinen Gesten, die man selbst ebenso initiieren kann; ich denke, dass du das weißt. Dass man deshalb so viel erzählt, was eigentlich nicht von Belang ist. Dass man sich nicht traut, Dinge zu sagen, die man nicht zurücknehmen kann. Andere nennen das Angst oder Hemmung, ich habe das schon lange in alles implementiert, was ich berühre. Eventuell schließt das Andere mit ein.

Deshalb.

cavalier

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Ich vergesse immer wieder, wie schwer ein halber Liter Seele werden kann.

Meine Hände, die sagen, dass man manches nicht weggießen kann, dass man es ebenso wenig vergraben oder in Kisten packen kann. Die Maske, die ich auf der Haut trage. Die, von der niemand außer mir weiß, die, die so gepflegt wird wie die Lippen anderer gegen Hitze und Kälte. Man liest so gut in ihren Rissen, was umtreibt. Die Kruste, dann der mittelatlantische Rücken direkt in meinem Gesicht.
Eine Furche, die alles so herrlich symmetrisch macht. Wie ich habe angefangen oder ich habe begonnen. Der Neustart in den Worten im Präteritum. Der Mann, der über meine Finger streicht und der sie nie berührt hat. Eiseskälte durch den Sommer hindurch, heizen müssen wir schließlich nie.
Es dämmert alles so schön vor sich hin. Das Konzept der Einsamkeit, das dich ergriffen hat und das du perfektioniert hast, ohne, dass du etwas davon merkst. Wohl, weil man es gewohnt ist, mit sich in einer offenen Beziehung zu leben; zu erinnern, was man getan hat bis zu einem bestimmten Tag.

„Ich weiß, was du meinst.“
„Meine Schatten sind dunkler als deine.“
„Das ist nichts, für das du dich schämen musst.“
„Hast du auch mal daran gedacht, dass Menschen auf einen warten?“

Das waren nur Teststreifen, nichts war so wichtig, dass man davon Abzüge hätte machen müssen. Wir kratzen die Themen aus den Augen anderer Leute, weil wir in unseren eigenen Spiegelbildern nichts erkennen können. Es gibt keinen Alleinanspruch, der Bildschirm wird sowieso dunkel (irgendwann). Zutiefst menschliche Verhaltensmuster und Charakteristika. „Angst,“ sagst du, „und Hilflosigkeit.“
Du traust dich, in der U-Bahn nicht zu weinen. Dann beginnst du, all deine Sätze mit und zu beginnen, in einem Versuch, das zu verbinden, was deiner Meinung nach zusammengehört. Du gießt Tee aus der Thermoskanne, spülst damit den vereisten Gehweg frei. Dabei hoffe ich, dass du irgendwann weißt, wie viel mir das bedeutet, wie sehr ich durch die Winter stapfe mit Schuhwerk, das nicht an die Witterungsbedingungen angepasst ist, weil ich hoffe, dass ich mich bei dir einhaken darf.
Stattdessen versteckst du deine ständig kalten Hände in deinen viel zu dünnen Jackentaschen. Und harrst der Dinge.

pumping blood to the roots of evil to keep us young

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∆ 9
Die, die in der U-Bahn sitzen, die, mit denen man sich die Schlangen im Supermarkt teilt, die, mit denen man die Ampelphasen teilt. Der Mann, der mich in der S-Bahn so lange ansieht, bis wir beide uns angrinsen müssen.
Dann die Frage: wieso bekomme ich keine Panik? Wo kommt das her, dass man sich wohl fühlt inmitten von Menschen, die vor einem halben Jahr noch unvorstellbar weit entfernt waren?