I see you rushing down

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Vielleicht kann ich dieses Lied als die Entschuldigung annehmen, die ich nie bekam. Vielleicht kann man tatsächlich irgendwann verzeihen, vielleicht ist es in der Tat notwendig, erst sich selbst zu verzeihen. Geschafft habe ich es schonmal, all die Jahre seit der großen Stadt im Nordwesten. 

Hey Jo, sorry I hurt you but
they say love is a virtue
don’t they?
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don’t kiss me goodbye

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Fotos einer alten Kollaboration mit F, halb fehlgeschlagen. C’était n’importe quoi. C’était un rendezvous. Alors, c’est vraiment fini, sans sentiment.

between the curtains
somebody’s watching
oh sail me to the moon
before it’s too late

contact / renegade

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Als ich ihn kennenlernte, war er schon groß und liebte gestreifte und karierte Hemden. Er brachte mir bei, wie das wirklich war mit dem Feuer und dem Brennen und wie es sich anfühlte, wenn die eigenen Haare zu nah an die Flamme kamen. Egal, was ich tat, es hat nie aufgehört zu zwiebeln; manchmal spüre ich den Phantomschmerz heute noch, manchmal sehe ich noch seine Fingerabdrücke auf meiner Kleidung.
An manchen Tagen liebte er mich, meist aber faltete er sich doppelt zusammen, wenn die Dinge zu viel Sinn ergaben. Unter meiner Haut konnte ich ihn dann trotzdem immer noch finden, ihn und all die Nachrichten, die er hinterlassen hatte. Ich hatte nie gelernt, wie man verstehen kann, welche Dynamik dort wütet, was bleibt, was geht; wer bleibt, wer geht.

I’m letting go to see
if you hold on to me
I’m in doubt

I want you to stay

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Das mit dem Atmen und dem Schlafen ist so eine Sache, das mit dem Herzen auch. Da vorne und um mich herum reden sie von der frühen Minne, von Roland Barthes, von Sprache. Entcodierungsversuche. Es bleiben viele Fragen übrig, am eminentesten: wieso?
Keine Erleichterung, nein, hier ein Schulterklopfen, dort ein du bist kein Spielball, du bist kein Wut-Fußabtreter, objektiv war es wohl das richtige, nur geht es mir damit absolut nicht gut.

„ok.“
Nein, nichts ist ok. Nichts davon ist jemals ok.

as time gets more compressed
you’re always my reminder

you know the way I feel

old skin

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// 1

Ich treffe dich auf der Landstraße. Dass das nichts zu bedeuten hat, weiß ich. Allgemein gesagt hat nichts, was mit dir zu tun hat, jemals irgendetwas bedeutet. Das Auto ist geliehen und riecht weder nach Politur noch nach Wunderbaum. Ein leeres Stück Mensch mitten in dir drin, du hast den nichtsaussagenden Geruch von Febrèze, nur keine Spuren hinterlassen. Ob ich dir deswegen gratulieren soll, weiß ich nicht. Du sitzt neben mir und bist diese unzählbare Masse Seele und saugst alles in dich hinein. Als würdest du selbst die Farben, die du siehst, invertieren wollen. Es fröstelt, es schüttelt mich neben dir. 
In der Luft sind Schmerzen, die Klimaanlage rauscht die Pollenluft hinein. Der Filter ist kaputt, das ist er seit Jahren, ausgetauscht hast du ihn nie. Du erzählst von irgendeinem Fest auf der anderen Seite des Landes. Mich fröstelt, du regelst die Temperatur herunter. 
Dass niemand davon wissen darf, wiederholst du immer wieder. Ich nicke, ich erzähle alles den Menschen, die durch mein Blut pulsieren. Leichter macht es nichts. Da ist ein Wurmloch zwischen dir und mir und du bist schon lange darin gefangen, nur bestreitest du das viel zu gern. 
Die Wettervorhersage im Radio, sie springt automatisch an. Regen, Nebel, Spätfrühling. Es wird immer kälter, wir fahren Richtung Land. An jeder Kreuzung ein paar Bäume mehr, die Freiflächen sind zu Ende. Brache, der Versuch einer Kommunikation, mittendrin die Hilflosigkeit. Ich hoffe, dass wir bald da sind, deine Stimme tut meinen Ohren weh. 
Genauso habe ich gehofft, dass es vorbeigeht, damals war das und das es war unbenennbar. Die Reihenfolge der Dinge ist noch immer durcheinander, es fehlen die Zusammenhänge. Ich glaube, bald platzt die Blase. Die Nadel auf dem Tacho und der aufkeimende Geruch von Menschen. Da drüben ist das Dorf, das du meinst. Dir ist nichts davon bewusst. Entlang der Felder glänzen die Abzäunungen wie Stacheldraht.

in these hands I’ll hide

get drenched in the neon light

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Als hätten wir nichts anderes gelernt als feinsäuberlich den eigenen Stuck nach außen zu kehren, als hätten wir nichts anderes gelernt als ihn in die Gesichter von Menschen zu werfen, die wir gerne kennengelernt hätten, wenn wir anders gewesen wären. Anders, das Wort, das sich so wunderbar rundgelutscht hat im Mund, das Wort, das wie eine Entschuldigung klingt, das Wort, das ähnlich explosiv ist wie Mentos in Verbindung mit Cola.

Ein Schnitt.

Anders, denke ich und habe den Spiegelsaal von Clärchens Ballhaus vor Augen; Licht, das durch die großen Fenster fällt und angenehm den Staub aufwirbelt. Dann das Glas hinaus Richtung Norden. Ein paar hundert Kilometer weiter die Fassaden, die eingehüllt sind, als wären sie verletzt. Links leuchtet es blau, in Quadraten, so, als hätte man Pappkarton mit riesigen Nadeln malträtiert. Wieder etwas weiter, rechte Seite. Piccadilly Circus, denke ich und bade im Licht der Reklametafel, deren Reklame ich nicht mag. Die bengalischen Feuer und das Hochbeschleunigen im ersten Gang, sie tanzen auf den Straßen. Links leuchtet es blau, mittig rot, rechts flackert es immer noch.
Stuck und Kerzenleuchter, denke ich und dann ist es so, als würde ein paar hundert Kilometer weiter südlich die Essenz aus einem herausgesogen; hier jedoch findet das Licht den Eingang in den Körper, schleicht sich durch die Haut und lässt noch nicht einmal Sonnenbrand zurück. Da unten versucht mein Körper die Löcher mit Leberflecken zu stopfen und die Frage, ob man auch schreckliche Orte schön finden darf. Ein genüssliches Abziehen der Rinde, der Kruste, der Fassade, das geht in Etappen – hier sind die Schichten viel zu hoch aufgehäuft, dort sind sie fingernageltief und erwarten Berührung.
Bass, denke ich und höre es in meinen Ohren klingeln, das sind die Bäume und die Menschen im Hintergrund, das ist ihr Stuck, das ist der Kern, der in den Körpern umherwandert, der an Wände schlägt, der immer größer wird. Die Sirenen und die Blaulichter, Beschleunigung auf der Autobahn. Das Licht, das sich immer neue Stellen sucht, um an den Kern zu kommen.

Wir müssen los.
Ich will hier nicht weg, antworte ich.
Du musst aber.
Ich weiß, sage ich, noch.

Das Licht und die Nacht interessieren sich nicht für Stuck, sie haben den Weg an den Kern schon längst gefunden.

you will find out about all my secrets
and I will find you
if you can bear the pain, it won’t be long

supermassive black hole / so cruel and kind

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Oft habe ich in letzter Zeit die Frage gestellt bekommen, was nun eigentlich dieses ominöse schwarze Loch in meinem Kopf sei, wie es sich manifestiere, wie es tatsächlich aussieht, wie es sich anfühlt. Um es ganz klar zu sagen: es ist wie Treibsand und es tut weh. Bei mir manifestiert es sich in einer ganz deutlich nach unten gerichteten Gedankenspirale, körperlich in stillem Schmerz und dann in Problemen beim Luft holen, es ist so, als würde man gleich anfangen zu hyperventilieren. Oftmals ist es nur ein minimaler Reiz, der diese heftigen Reaktionen auslöst. Man kann es auch vergleichen damit, dass man auf einmal diesen unheimlichen Drang danach hat, im Wald spazieren zu gehen. Es dämmert schon, aber man bemerkt es nicht, bemerkt es kaum, läuft immer weiter ins Dunkel  hinein und dann, wenn es schon lange zu spät dazu ist, umzukehren, stellt man fest, dass man auch keine Taschenlampe mitgenommen hat. Also harrt man aus im Dunkel und ergibt sich. Mittlerweile lasse ich mich kaum bis selten bis gar nicht mehr auf diesen Spaziergang ein, wenn, dann nehme ich eine Taschenlampe mit und bin mir bewusst, dass es garantiert auch wieder Tag wird. Ich blute mich nur noch aus auf Papier, sei es Fotopapier oder das Papier meines Notizbuchs.
Aber weil die Fragen nicht nachlassen, eher im Gegenteil, und ihr teilweise auf den Seiten hier einzelne Elemente des Dings in meinem Kopf finden könnt, habe ich mich seit langem mal komplett darauf eingelassen und es aufgeschrieben. Partiell ist es mir unangenehm, ja, fast schon peinlich, was hier gelesen werden kann, meine Schutzmechanismen, meine angelernten und antrainierten Selbstverteidigungsmechanismen haben schließlich nicht funktioniert. Auslöser hier war ein Gespräch bzw Nicht-Gespräch mit meiner Mutter sowie ihr Verhalten bzw Nicht-Verhalten.

Ich warne, es wird dunkel. Stockfinster, um genau zu sein.

„Ich habe viel gelernt, aber ich werde nie gesund sein. Oder normal wie die anderen. Ich werde das mit der Liebe nie verkraften und ich werde daran vergehen; bis ich irgendwann unter einem Zug liege oder mich nochmal ertränken will.
Ich lerne nicht dazu, ich lerne nie dazu. Meine Worte bedeuten nichts, das haben sie nie; sie sind unterdurchschnittlich und mir einzureden, ich wäre etwas besonderes hat fast etwas von einer Farce. Ich bin es nicht wert, dass man sich um mich bemüht oder kümmert. Ich bin ein egoistisches Arschloch und ich nehme mehr als ich gebe, immer.
Ich habe Angst und die lähmt mich, ich habe Angst davor, dass das, was meine Mutter über mich sagt, stimmt. Dass F recht behält, dass alle hinter meine Geschichte sehen können und nur den Haufen Elend sehen, also das, was ich eigentlich bin. Was ich wirklich bin, diese dunkle hässliche Fratze mit dem suboptimalen Genpool. Nicht mehr.
Ich sauge und lauge die Menschen aus, ich bin toxisch. Ich will nicht mehr leben.

Ich war immer nie genug. Denkst du echt, da wartet irgendwo irgendwer auf dich? Du bist echt dümmer als ich dachte.
Ich beweise mir immer das negative Gegenteil. Wollen Sie wirklich diese selbsterfüllende Prophezeiung sein?
Ich weiß nicht, wieso ich eigentlich noch hier bin. Niemand verbietet dir, dass du fühlst.
Ich werde nie ein normales Leben führen. Ich werde keine Kinder gebären. Ich werde nicht geliebt werden: weder auf unabdingbare Art und Weise noch auf romantische Art und Weise. Auf jeden Fall aber nicht so, wie ich es mir wünschte. Ich werde nicht viel verdienen, ich werde mich nicht weiterentwickeln. Ich werde stehenbleiben, ich werde alle anderen an mir vorbeiziehen sehen mit Familie, Haus, Hof und Hund und dem alljährlichen Sommerurlaub am Meer. Ich war bisher unwichtig und ich werde es weiterhin sein.
Ich bin nicht genug und ich weiß nicht, wieso sie so an mir festhalten, wenn ich mich selbst nicht mehr halten kann.
Ich werde im freien Fall nur mich herunterreißen, niemand anderen. Ich kann es verstehen, wenn F sagt, ich sei ein Klotz. Ich bin ein Klotz, ich bin zu schwer, ich habe es nicht anders verdient. Klötze muss man loswerden.
Ich darf wirklich niemandem sagen, wie ich mich fühle. Ich darf niemandem sagen, dass ich nicht mehr will.“

Ich kann den kompletten Text auseinandernehmen. Ich kann die Aussagen umwerfen. Ich kann einen Gegentext schreiben, der eine Ode auf das Leben ist. Klar ist aber auch: in der dreistündigen Episode, in der diese Worte aus meinen Fingerspitzen geblutet sind, hat sich alles davon echt angefühlt.
Mit dem schwarzen Loch im Kopf zu leben heißt Selbstbeherrschung, heißt Impulskontrolle, heißt lernen, wie man richtig mit sich umgeht, heißt lernen, wie man mit sich umgehen lassen kann, heißt Akzeptanz. Wer mir sagt, ich sei nicht stark, hat nichts davon verstanden.

Abschließend hierzu sei zu sagen – auch wenn ich schrieb, es sei mir partiell unangenehm; das hier zu veröffentlichen tut weh. Und ich fühle mich dabei nicht zu wohl.

and you no longer seem to cope
with what you ask for
but if you haven’t gone back
how can you start again