golden light

Untitled by smallcutsensations

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schlafen in einem fremden bett, das nicht einmal im ansatz nach mir riecht. angezerrte muskeln im nacken, die, die auch wochen später noch schmerzen, das gefühl, nie wieder wirklich den hals so weit zu drehen wie früher. kytta-balsam, der sich in die haut frisst, sodass es aussieht, als wäre man geschlagen worden, eine schicht sonnenbrand darüber, eine schicht, die langsam abblättert, im hintergrund bleibt, ähnlich wie die dunklen sonnenabdrücke des letzten sommers auf den füßen, dort wo die schuhe etwas licht an die haut gelassen haben. schlafen in einem fremden bett, einem, in dem es sich so unbequem liegt und das im hellen so weich aussieht, dass es einem die sprache verschlägt. vielleicht habe ich mir auch einfach nur den rücken kaputtgemacht.
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thimbleweed

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ich lese eines dieser bücher, das viele andere schon gelesen haben, eines von denen, das viele andere gerne geschrieben hätten, eines von denen, das ich viel zu lange zeit nicht lesen wollte; ich erinnere mich daran, wie ich eigentlich schreiben wollte. meine worte, abgefärbt auf ihnen ein dichtgewebter teppich aus sätzen, die andere schon vor mir geschrieben haben. das dort macht sich anders bemerkbar, vielleicht hat die bürde der leute, die „davor“ geschrieben haben, auch an den nerven der schriftsteller gezehrt, die jetzt meine vorbilder sind. sommeranfang, offiziell. ich vergesse die namen der wochentage, auf denen ich gerade verweile. falsch klingt das, garantiert ist es falsch. „juan david“ schreit die mutter neben mir, meine augen sind ganz klein. mit manchen menschen mag ich nicht so viel platz teilen, ich schiebe das auf den sog im kopf, früher dachte ich, dass das ein schlechter charakterzug sei.
mir unbekannte gesichter, daneben weint eine frau in der bahn; ich filtere alles, manches lasse ich bei den fahrten durch die stadt, die ich nicht liebe, an meinen kern. selten, zugegeben. dann ein schreiben um zu begreifen, ein festhalten an stift und papier, ich will worte bluten, die trost stiften, ein wohligwarmes gefühl um die herzgegend, dann ein mühsames abpulen der verschiedenen schichten vergangenheit. die erkenntnis: ich bin schon immer so viel mehr gewesen als nur ein gestern.

eins.
es ist merkwürdig, wieder da zu sein. ich erzähle meiner therapeutin von den letzten zehn wochen, sie sagt, dass es zum letzten termin eine schwere depressive episode war, dass sie sich sorgen gemacht hätte. wäre ihre selbstreflexion nicht so gut, wie sie ist, wäre ein stationärer aufenthalt zu empfehlen gewesen. im rückblick fällt mir erst auf, wie schlecht es mir gegangen sein muss. mittendrin ein wolkenbruch, wir starren beide aus dem fenster, diesmal ein großer raum, ich würde zu gerne fragen, ob ich von dem licht, in dem ich sitze, ein foto machen darf, zum schluss kein verschlussklicken. ich bin fest der meinung, dass es sinn macht und einen grund hat, wie die dinge in ihrem leben momentan zustande kommen. nach kurzer zeit finde ich den weg zurück zu dem schwarzen loch im kopf, wir werden im nächsten semester meinen unialltag organisieren, sie ist eine der wenigen, die mir keine vorwürfe machen wegen meiner verhaltensweisen im universitären umfeld. sie sind ein schwimmer auf hoher see, ich bin in dem rettungsboot neben ihnen und sage ihnen, wie hoch die wellen sind, die kommen, aber schwimmen müssen sie allein. ich erzähle ihr von geschichten, die mir andere über ihre begegnungen mit therapeuten geschildert haben und sehe, wie schockiert sie ist, wir wissen beide, dass ich glück habe und wir sind beide wütend wegen der anderen therapeuten. donnerstag fangen wir an, meine vergangenheit aufzurollen, von anfang an, ich weiß noch nicht genau, wie ich mich deswegen fühle, nur bin ich sehr froh, den kompletten tag ausfüllen zu können mit der bewältigung dieser sitzung. zum schluss reden wir relativ ungezwungen über den therapieverlauf, über ihre arbeit und warten das ende des wolkenbruchs ab. ich erzähle ihr von einer begebenheit, die ich sehr lustig fand und wir lachen für ein paar minuten, während es draußen zu regnen aufhört. endlich ein ort in dresden, der mich nicht verurteilt.

bug eyes

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entfernt, das dröhnen der schaufelraddampfer auf dem fluß, der oft anstrengend langsam vor sich hinfließt, richtung mitteldeutschland, richtung hamburg, richtung nordsee. so breit und dunkel die elbe gelegentlich schon hier durch die schneise zwischen altstadt und neustadt fließt, kommt die frage auf, wie viel land sie stromabwärts noch fressen kann. draußen leuchtet die sonne schal vor sich hin, die straßen zittern dann in manchen momenten wegen der bahn, die über sie hingedonnert. später dann, bedeckter himmel, das rattern der waschmaschine im hintergrund. ein sonntag.
irgendwie fallen gerade einzelteile von allem, was ich nie greifen konnte, vor meine füße, auf den richtigen platz. ich habe aufgehört, all die leberflecken auf meiner haut zu zählen, denn es gibt so vieles, das ich nicht erklären kann.
it’s been ten years strong
that’s much too long
it’s time to do something good for my health
it’s time to do something good for myself

built to fail

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ab montag fange ich wieder von vorne zu zählen an, dann hat die hohe straße mich wieder. ich habe trotz allem die gleiche angst davor, wie vor drei monaten. mein wummern, brummen, dumpfes fiepen im brustkorb und ein schales gefühl in der magengegend, wenn ich an das denke, was in meinen kopf eingekerbt worden ist. weiß nicht wirklich, wie ich meiner therapeutin von dem erzählen soll, was die letzten wochen passiert ist, weil ich nicht mehr wirklich weiß, was es nun eigentlich greifbares war außer einem scheitern in der uni.
dienstag nacht kamen meine eltern wieder aus dem urlaub zurück, mittwoch bin ich wieder nach hause gefahren. mein vater erzählte mir von einer anekdote, die typisch für meine mutter war; beim essen sah ich sie sehr lange an und wusste nicht, ob ich voll mitleid oder wut war. sie hatte mir das eine foto aus der hand genommen, das, von dem ich dachte, ich wäre zumindest teilweise drauf gewesen, gesagt, ich solle nicht in ihren fotos herumwühlen und wiederholte ihre aussage, dass ich es nicht wert genug gewesen sei, als kleinkind fotografiert zu werden, weil ich nur eine kopie meiner schwester war als kind. im nachhinein gesagt: ich war wütend. vielleicht habe ich deswegen, wegen diesem ständigen von außen verursachten umschlagen von hoffnung in enttäuschung, immer schon den standpunkt vertreten, dass nichts ewig hält. das festhalten an totgelaufenes bringt nichts, der fluch als kind – man liebt die eltern unabdingbar, auch wenn es nicht sinn macht.
den tag darauf habe ich mit meinem vater darüber gesprochen, wie das nun für mich war früher, er sagte, er hätte alles getan, damit dieses schwarze loch in meinem kopf nicht in mir rumgeistert, es hat ihn sehr traurig gemacht, das überhaupt sagen zu müssen. wie erklärt man seinen eltern, dass man deswegen nicht mehr leben wollte? ich spare großzügig aus, vieles muss niemand im detail wissen, es reicht aus, wenn ich es zu tragen habe.

I watch the city as it burns at night

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die vergilbte pappkiste in der überdimensionalen schrankwand, dunkles holz, holz, das meine eltern nicht wollen. in der kiste erinnerungen der letzten fünfundfünfzig jahre und noch darüber hinaus, bilder meiner vorfahren, menschen, denen ich ähnlich sehe und denen ich nicht ähnlich sehen will. bilder meiner mutter, die früher wohl viel dokumentiert haben muss, ihr verliebter blick zu meinem vater, ihr liebevoller blick auf meine große schwester. bilder meiner großen schwester, bilder von meinem vater. ein bild vom rad des kinderwagens, in dem ich gelegen haben muss, als ich gerade geboren worden war, mehr nicht, ansonsten ein nichts. der stachel in meiner brust. ich nehme das eine oder andere foto heraus, nirgendwo bin ich zu finden, häuser, aufbau einer wohnsiedlung in der ddr, ein landeanflug auf ein irgendwo, fotos von silvester in einer plattenbausiedlung. alles andere lege ich wieder feinsäuberlich in die vergilbte pappkiste, jedes mal aufs neue, wenn ich alleine bin in diesem haus: ein gang zur schrankwand, ein erneuter versuch, bilder, die meine existenz dokumentieren, zu finden. ein scheitern. gelegentlich frage ich mich, ob sie sich deswegen schuldig fühlt oder wegen der antwort, die sie mir mal gab auf eine frage, die ich nie stellte. ich habe doch schon fotos deiner schwester, wozu brauche ich da noch fotos von dir? es gibt sätze, die ich nicht verzeihen kann.
mein tapsen die treppe herunter, krümel von brötchen noch an den fußsohlen, das knacken im holz. ich tapse, gehe, stolpere in eine etage, früher bin ich ganz oft eben jene treppe, die ich gerade nutze, heruntergefallen. all die gegenstände in meinen armen, ich gehe lieber ein mal zu wenig als zu viel, die türklinke drücke ich mit meinem ellenbogen auf. im durch-den-rahmen-rutschen noch ein blick auf das gedicht von rilke, das an meiner tür hängt. ich lasse all die sachen auf das bett fallen, das mahnend mit dem fußende zum fenster, zum licht, in der stille liegt. über meinen kopf ziehe ich das shirt aus, von dem alle sagen, es gefalle ihnen, heute fand ich es schön, manchmal ist es mir in der sonne zu dunkel; die grafik, die man darauf sehen kann, will ich auf einem meiner oberschenkel tragen, dort, wo nur menschen es sehen können, denen ich erzählen mag, wieso das, was sie sehen, sich eben an dieser stelle befindet. ich lege meine kleidung achtlos auf den stuhl, den ich nie benutzt habe, während ich hier noch permanent gewohnt habe, drehe mich langsam richtig spiegel und fahre mit meinen fingern die hämatome nach, die auf meiner haut blühen. unter dem rechten schulterblatt, über dem hüftknochen, am knie, mittig auf dem oberschenkel – direkt neben den pigmentflecken, die so aussehen wie eine miniaturversion von berlin und dresden – und an meinem brustkorb, linke seite. dieses mal kann ich sie mir nicht erklären, vielleicht bin ich ja im schlaf doch die treppe heruntergefallen oder habe mir in dem unbequemen bett in meinem zimmer beigebracht, wie ich auf keinen fall jemals wieder schlafen sollte. letztlich drückt mich die stille und die traurigkeit in diesen vier wänden noch mehr mit dem rücken in die matratze und ich brauche paulo coelhos der alchimist, um irgendwie einschlafen zu können, ohne das gefühl zu haben, ich sei einsam.

mind is a razorblade

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ich bleibe mitten auf der straße stehen wie eines dieser rehe, deren augen man auf der landstraße gelegentlich im scheinwerferlicht eines halbdunkels sieht. um mich herum ein nichts, ödnis, vielleicht das eine oder andere entfernte rauschen von bäumen.
momentan bin ich dem haus, in dem ich fast zehn jahre meines lebens verbracht habe, meine eltern sind nicht hier. ich passe auf auf einen ort, den ich fast zehn jahre meines lebens verflucht habe. weiß hier nichts mit mir anzufangen, hier bringt noch nicht einmal das schlafen ruhe. wühle mich durch alte kisten voller fotos, manche zehn jahre alt und bemerke, dass ich selbst damals schon ein wenig gesehen habe wie heute. gelegentlich denke ich, dass all mein schmerz doch etwas gutes hatte.