stuck in reverse

Untitled by smallcutsensations
Ich glaube, die Reaktion war verständlich. Hätte er es nicht gemacht, hätte sie nicht lange darauf warten lassen. So wie er früher neben ihr gesessen, sie angesehen und sie verehrt hatte: man sah es sofort.
Du machst mich traurig, würde sie dann gesagt haben, egal ob es so war oder nicht, man würde es nie erfahren, jedoch bildete ich mir gerne ein, dass sie ihm diese Worte sagte. Ich hätte es getan.
Jetzt saß er wie ein kleines Häufchen Elend neben mir und umfasste das Lenkrad mit beiden Händen; er brauchte ja etwas zum Festhalten: sie war weg und ich reichte nicht aus. Es war wichtig, dass ich da war, in seiner Nähe atmete, existierte, er nicht allein war. Bei genauerer Betrachtung allerdings hätte das jeder seiner Bekannten und Freunde sein können. Das unschöne Gefühl möglicher Austauschbarkeit. Er ahnte wohl, worum meine Gedanken sich drehten.
Mache ich dich traurig, fragte er mich, ganz in dem Tonfall, in dem ich mir vorgestellt hatte, dass sie sprechen würde. Eigentlich war es noch nicht mal eine Frage, und wenn, dann eine rhetorische, vielmehr war es eine Aussage, beinahe eine Anweisung, verpackt in etwas, das nach einer Wahl klang. Falsch gehört.
Seit Jahren tust du das, wollte ich sagen, traute mich dann aber doch nicht, es hätte ihn noch mehr verletzt, unnötig, glaubte ich zumindest. Meinst du die Traurigkeit, die wehtut, äußerte ich schließlich in einem Anflug von Mitteilungsbedürfnis, oder meinst du die, die schweigt, sich aber hinter den Augen festsetzt und alles dämpft, was du siehst, auch wenn es etwas schönes sein sollte?
So ungefähr, ja, eine Mischung aus beidem vielleicht, man sieht dir irgendetwas an und ich kann es nicht genau deuten. Er krallte sich noch mehr in das Leder seines Lenkrades. Irgendwann mussten seine Fingernägel doch abbrechen oder seine Fingerkuppen anfangen zu bluten.
Meine Antwort war: ich weiß es nicht; damals wusste ich es wirklich nicht; nur irgendetwas zieht mich nach Hause, weißt du, in ein warmes Zimmer, eins ohne Tau und beschlagene Fenster, eins ohne den Geruch von Benzin.
Wir waren seit einer Woche unterwegs in einem Zick-Zack-Kurs, wir schliefen im Auto, nebeneinander, aber doch Meilen entfernt, wir machten all die Sachen, die man auf der Straße machen sollte, aber keiner von uns hatte wirkliche Freude dabei; vor allem nicht ich.
Du willst gehen, du willst mich einfach hierlassen. Aber das geht doch nicht, sagte er, das geht doch nicht. Das geht doch nicht.
Er hatte Recht. Er würde mich zurücklassen. So wie die anderen Menschen vor ihm, nicht umgedreht. Er war einer der Menschen, die andere annahmen, wenn es ihnen gerade passte, ansonsten war da nicht viel Interesse. Andere fast aussaugen, keine Symbiose, keine Wechselwirkung. Er hinterließ Abdrücke, nur lag das Problem darin, dass er behauptete, andere würden dies bei ihm tun.

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das böse wort, das mit d anfängt, schlägt sich wieder in meine knochen, mit axt, motorsäge, wut. vor langer zeit abgebrannte brücken abbrechen, es nützt eben nichts, wenn man behelfsbrücken einrichten will und dann von dieser heruntergetreten wird.
der oben geschriebene text ist während konzertpausen entstanden. manchmal klappt es eben doch.

und jetzt sagen wir langsam, still und leise auf Wiedersehen. danke.

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the weight of ancient danger

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In dem Moment glaubte ich, dass es da nicht so viel „dazwischen“ gab. Die Art, wie wir miteinander sprachen, machte die Dinge für uns beide einfacher. Er hätte auch allein fahren können. Er hätte mich nach Hause fahren und sich auf seine eigene, nach seinen Vorstellungen ungeplante Reise begeben können. Seine Irrfahrt ans Meer. Wie er immer davon sprach, dass ich bei ihm sein sollte, wie er, ohne viel nachzudenken, sein Girokonto leer räumte und mir Geld anbot, damit ich ihn nicht allein ließ. Da wurde es mir schlagartig klar. Bei manchen Menschen gibt es zwischen Schwarz und Weiß keine Graustufen. Denn er musste wohl die einsamste Person auf diesem Planeten sein.

all those demons

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Zwei Stunden Badewanne, eine davon lesen, eine schreiben; wenn man seine Gedanken aufzeichnen lassen könnte – das müsste doch interessant sein, all die Worte, die ich nicht aufschreiben kann, all die Geschichten, die ich sehe, kurzzeitig erinnere und wieder vergesse; oder aber man braucht einfach nur ein bisschen Ruhe vor sich selbst. Das Treiben der Neustadt im Hintergrund, nicht meine eigene Musik, die abgespielt wird, ein Potpourri aus Stimmen, aus Gesprächsfetzen, dem schräg tiefen Gong einer alten Standuhr aus einer der Wohnungen auf unserer Straße, Klirren von Geschirr, ein bellender Hund, die vorbeifahrende Straßenbahn. Fast wie ein Traum, überhaupt nicht an einen Donnerstag erinnernd.
Wenn man dann wieder alte Geschichten aufgreifen kann.
„Das Wasser spülte ihm um die nackten Zehen, man hörte das Brechen der kleinen Wellen am flachen Steinstrand im Hintergrund; das Rauschen entfernter Laubbäume, hergetragen vom Wind, vielleicht kam es von der See, aus Dänemark, vielleicht kam es direkt vom Grün hinter den Dünen. Schilf, der Übergang von Stein zu Sand, ein malerischer Sonnenuntergang, der an unseren Nerven zehrte.
„Weißt du,“ setzte er halbschreiend an, „vielleicht muss man aus dem Ganzen einfach ein wenig Geschwindigkeit nehmen.“
Vielleicht war aber er die Person, die das Tempo bestimmte. Ich entgegnete nichts und nickte. Er wollte keine Rückschlüsse auf seine Person ziehen lassen, er wollte vage bleiben. Es kamen keine weiteren Ausführungen dazu aus seinem Mund.“
Lasst uns eine Runde gemeinsam, aber getrennt durch die Nacht kommen. Mal auf eine gute Art und Weise. Hört einfach mit mir zusammen dieses Lied an.