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Untitled by smallcutsensations

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Sie fahren immer Richtung Norden, Richtung Autobahn, Sirenen eingeschaltet. Meine Eltern, die mir von den Beinahe-Unfällen berichten, die ich miterlebt habe. Adrenalin auf der Autobahn, wie wir alle anfingen zu schreien, wie wir in Schweden fast in die Leitplanke gedrückt wurden.
Der Unfall, bei dem meine Schwester und ich aus dem Fenster hinter uns auf die Unfallstelle blickten und meine Eltern die Ersthelfer waren. Da sah ich den ersten Toten in meinem Leben, ich weiß nicht mehr, wie alt ich an dem Tag war. Am nächsten Tag die kleine Randnotiz in der Zeitung, Herzinfarkt, Familie schwer verletzt. Wir saßen zu Hause und aßen Abendbrot, ganz normal.
Die andere Seite, ein Ich von früher. Wie sie nie wussten, wie die Strömung in der Elbe war und wie ich nie davon erzählen konnte, dass die Hosenbeine eiskalt und meine Füße blau waren. Ich muss lachen, wenn ich heute in Gesichter blicke, die mir gerne die Kleidung von der Haut schälen würden. Ob sie wissen, dass meine Füße und Hände immer noch teilweise unangenehm kalt sind?
Ibuprofen. Entzündungshemmend, aber es zählt wohl eher der Placeboeffekt. Das wäre die Grundidee (gewesen). Menschen, die nach Alkohol riechen und Menschen, die sich plakativ äußern. Es fehlt die Grundlage, das Essen, der Alkohol frisst sich in die Gedärme, in die Knochen, alle Gefäße geflutet. Da ist kein Licht mehr drin, keine Insekten, die um Öllampen herumschwirren.

Mein Körper ein Minenfeld, Narben, festgesteckte Erklärungen. Ein Versuch. Wieso muss man das Dunkel erklären, ohne es sähe man das Licht nicht. Ohne Licht sähe man die einzelnen Nuancen der Dunkelheit nicht. Die schwarzen Klötze, die, die schwer wiegen. Und unabdingbar dann die feine Körnung, also die, die meine Dunkelheit und mein Licht aufbricht.

(Lass dir gesagt sein, dass auch die Geister irgendwann aus der Körnung herausbrechen. Du wirst sie nicht mehr finden, du wirst nicht über sie schreiben, du wirst sie nicht vermissen. Und es wird sich so gut anfühlen wie nie zuvor.)

I am the conscience clear
In pain or ecstasy
And we were all weaned my dear
Upon the same fatigue
Werbeanzeigen

081302

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Das mit Streetview sollte ich lassen, zum Selbstschutz. Sonst reißt es nur Wunden, tief, ein Leck. In Ordnung ist das trotzdem. Ebenso, wie es in Ordnung ist, dass ich über die fünfundvierzig immer noch nicht schreiben kann oder dass ich jetzt schon die Kisten anfange zu packen, obwohl es da noch keinen Ort gibt, an dem ich sie wieder auspacken kann.** Die erste Kiste hat wehgetan, die zweite brennt nur noch ein wenig.

Aber ich hoffe, dass das Verstehen nicht aufhört, dass es greifbarer wird, dass es sich so sehr anfühlt, dass man es nicht mehr überspüren kann, so ganz aus Versehen. Deshalb also all das Entfernen, Entledigen, Verwerfen, von all dem Alten, den Altlasten, all den kleinen zwiebelnden Erinnerungen. Aus dem Buchladen an der Ecke kommt immer dieser angenehme Geruch von bedrucktem Papier und den Einbänden, von Staub und der kleinen Kasse, die viel lauter ist als die, die man von den Supermarktkassen kennt. Direkt daneben Überbleibsel, eine Plakette gar: Hier trafen sich am XX.XX.XXXX A und B zum ersten Mal. Gut, man könnte es wirklich irgendwann verstehen.

**
(Liebe Leser, ich suche eine bezahlbare Unterkunft (bis 350€ warm, ab 16m²) in der Berliner A-Zone ab Oktober – wenn ihr jemanden kennt, der jemanden sucht, wäre ich für Hinweise dankbar. Vielen Dank.)

tu me dis: „cette fois c’est moi qui joue“

050213 (p)

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Eben erreichte mich eine Mail von FutureMe. Stand: Februar.

Dear FutureMe,
Du fragst dich immer, was das Leben für dich bereithält. Auf der einen Seite magst du es, Dinge vorherzusagen, auf der anderen Seite magst du es, Dingen aus dem Weg zu gehen. 
Aber du wirst gehen. Du hast Angst. Du hast das Gefühl, du bist immer zu spät dran: dieses Verstecken in Hoffnungen, Gefühlen, Ängsten. Du sagst immer, die Dinge werden gut, das werden sie aus deinen Augen immer für die anderen, aber werden sie es auch jemals für dich? 
Wovor hast du Angst? Was glaubst du, was noch auf dich wartet? 
Ist es Einsamkeit? Fehlender Anschluss? Überforderung? Die Konfrontation mit der eigenen Individualität?
Du hast dir immer gesagt: „auf mich wartet niemand.“ Du hast geweint, für Jahre, seit du vierzehn warst, seit du diese Hochs und Tiefs kanntest, das war normal, du wolltest dich selbst retten und wusstest doch nicht, wie genau das nun eigentlich gehen soll. Nun weißt du wie. Du hast es doch schon getan. 
Es ist okay. Okay, nicht zu wissen was wird. Ängste sind normal, vor allem die, die sich mit der Nichterfüllung der menschlichsten Ursehnsüchte beschäftigen. 
Manche Menschen liebst du auf den ersten Blick und das sind die, die du „zu Hause“ nennst, das sind die, bei denen du dir Gedanken gemacht hast, wie es für sie sein muss, dich gehen zu sehen. Du fragst dich das sehr oft. Du magst es nicht, wenn dir das Leben aus den Fingern rinnt, du magst es nicht, wenn es dir zwischen den Fingern kleben bleibt.
Du triffst Menschen, bei manchen soll es oberflächlich bleiben, aber du interessierst dich für fast alle, du willst wissen, was sie zusammenhält, was in ihnen schlägt. Aber du willst deine Armlänge Sicherheitsabstand. Früher war es ein Soll-Ist-Vergleich, heute ist es der Wunsch danach, Gedanken mit ihnen und durch sie filtern zu können.
Gerade jetzt, gerade jetzt, wo dir die Leberflecken selbst auf der Haut auf den Schlüsselbeinen wachsen. Erinnerungen an die Erzählung von dem Mann, der dir sagte, der Ellenbogen sei der härteste Punkt des menschlichen Körpers. Nicht zu vergessen: die Haut mancher Menschen ist noch härter, vor allem die von ihm.
Aber vergiss nicht: du lebst, hast Luft in den Lungen. Du wirst schreiben und du wirst fotografieren. Du atmest, du setzt gerade an zum Sprung.
Ich warte darauf, dass du mir sagst, was diese Worte in dir auslösen. Ich warte darauf, dass du mir zeigst, wie du bist.
Alles Liebe
Ein vergangenes Du

081301

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Es hat gedauert, bis ich verstanden habe, dass manche Menschen anderen wehtun müssen, weil sie glauben, ihre Gründe dafür zu haben. Ich mag es, wie man im Englischen den Fokus darauf legt, wo man momentan lebt und nicht auf den Ort, an dem man geboren wurde. London-based, German-born. Zum Beispiel.
Auch dauert es an anderer Stelle, bis man verstehen kann, dass man kein pur trauriger Mensch ist, nur weil man nicht über das Glück schreibt. Da sind wieder die Sinuskurven, die sind normal, die tun gut. Ich lösche die Duplikate, gut, das impliziert, dass ich unterscheiden kann, was die Kopie ist und was das Original; da ist wieder die hundertsiebenunddreißig und mein Kopfschütteln wegen gewisser Vorstellungen von Handlungsweisen. Das Original ist das, was in meiner Brust schlägt, die Kopie, das Duplikat das, was monatelang versucht hat, wie ein Schatten in mir zu leben und mir die Energie aus den Knochen gesaugt hat. Jetzt liegt dieser Schatten neben mir, eine Art entfernter Tumor. Es geht weiter.
Auf dem Tisch die Puddingbrezel von heute morgen und das zweite Paar Augen. Abzüge, wir hören einfach nicht auf mit dem Sticken.

Our life is not a bad movie or maybe. In der Tat. Ich habe gerade erst angefangen, zu leben, aus freien Stücken, ohne Schmerz; das lasse ich mir nie wieder nehmen.

and you know that I’ve learnt the easy way
some stupid decisions
and with that: a broken heart