we could stick around and see this night through

Untitled by smallcutsensations

Das habe ich nie gesagt, also das mit der Zahl. Sie steht da, mal wieder ein Klotz, mal wieder mitten im Raum, nein eigentlich unter meinen Füßen. Mein Vater hat mich dazu gezwungen, vor zwei Wochen, jetzt steht zu meinen Füßen nur noch eine fünfzig. Minus fünfzehn. Gut, dass ich das nicht ständig kontrollieren kann. Mein Vater erzählt von den Winterstürmen, dass man dagegen gerüstet sein muss, dass man in ihnen nicht wegfliegen kann. Irgendwie ist mir das ziemlich gleich, ich laufe schneller, gefangen bin ich zur Zeit gefühlt im Sibirien Ostdeutschlands.
Dafür trage ich meinen Familiennamen wieder so deutlich in den Augen, als hätte es dort nie eine andere Farbe gegeben, immer dieses merkwürdige Grün. Auf der Haut trage ich Abstufungen davon, gemischt mit Blau, woher die Hämatome dieses Mal kommen, weiß ich nicht. Aber ich habe wieder heiß geduscht, und schon ist es fast so wie vor einigen Monaten in derselben Badewanne.
Draußen der erste Schneeregen, einer, der auf den Augenlidern liegenbleibt, schwer, fast so wie Sommerregen. Nächsten Sommer stelle ich mich wieder nach draußen und lasse es einfach auf mich niederregnen.
If i told you things i did before 
told you how i used to be 



would you go along with someone like me 


if you knew my story word for word 


had all of my history 

would you go along with someone like me 

i did before and had my share 



it didn’t lead nowhere 


i would go along with someone like you 


it doesn’t matter what you did 

who you were hanging with 

we could stick around and see this night through 

dream me, oh dreamer

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

Das sind die Kerben, die in ein paar Jahren nach Charakter aussehen, die, die man auch nicht mehr wegfräsen kann, dazu müsste man die Dielen komplett austauschen, dann könnte man eigentlich gleich schon die gesamte Wohnung neu einrichten. Ich fahre durch die Schnitzer im Boden, mal mit dem Nagel, mal mit den Fingerkuppen, finde nicht, dass man diese Zwischenräume wieder ausfüllen müsste. Sie stehen so im Kontext wie die Interferenz von dir und mir und allem, was auf dich und mich einprasselt, gelegentlich ist es Regen, dann ein Blizzard, an manchen Tagen ist es die Sonne, Nebel oder direkt eine Bahn Wasser aus dem Wasserhahn.
Meine Augen drücken, das ist wohl die Ratlosigkeit, das ist wohl das Ausbleiben, die Abwesenheit, meine Hände dort, wo deine Haut die Laken gewärmt hat, die Erinnerung daran, was ich immer sagte und sage und sagen werde, neben dem Bett liegen Abzüge, der wachsende Stapel aus Büchern, die ich wohl doch nie lesen werde. Da drüben geschriebene Worte, das sind deine, sie sind Monate alt, ich hebe sie auf.
Du hast ein paar Kerben vor dir, deine Hände fahren die Widerhaken nach, du schneidest dich an altem Stacheldraht, der dabei ist, zu verrosten, er schneidet mal mehr, mal weniger, er ist noch da, aber die Tage bewirken, dass du dich immer weniger so richtig daran erinnerst. Bei dir stehen keine Blumen auf dem Fensterbrett, keine, die du so gießen musst wie die bei mir, da ist auch keine Waschmaschine, die du anstellen musst. Da ist deine Essenz, das ist das, was eigentlich immer noch auf dem Stuhl neben meinem Fenster sitzt, während ich noch deine Hände in meiner Haut spüren kann. Aus der Wochenzeitung, die ich abonniert habe, aber nie lese, würde ich mit dir gerne die unwichtigen Worte streichen, damit das, was wir uns versprochen haben, als einziges übrigbleibt.

the little things

Auf seinem Rücken tanzen die Bilder aus dem Beamer wie Sommerlaub in seicht aufkommendem Wind, an manchen Tagen prangern sie mich an, ein schöner Anblick, immer. Nacktes Stück Haut, zu sehen sind zerplatzende Unterwasserblasen, die Frage danach, ob sie damit eine Art Tiefsee wird, ich verneine, es sei denn, ich bin der Mariannengraben.

two weeks

Untitled by smallcutsensations

zwanzig

Ich lese ihr wieder vor, sie hört zu, ich bleibe hier und da hängen an meinen Worten, dann schaue ich hoch, sie nickt dann, ich lese weiter, dann lächelt sie. Zeige ihr meine Näh-, Fotokombination, die, von der meine Mutter nichts hält und von der ich noch nicht tausendprozentig überzeugt bin, aber die sie scheinbar sehr zu überraschen scheint, weil sie über die Fäden fährt, als hätte sie so etwas noch nie gesehen. Den Fragebogen vom letzten Mal, den mit den Fragen vom Sozialphobieteil des Instituts, habe ich vergessen, unausgefüllt liegt der noch auf meinem Schreibtisch. Wusste nicht, was ich auf manche der Fragen antworten sollte. Vermeidungstechniken, perfektioniert, unangenehme Situationen, letzte Woche ein Scherz von mir: ich trickse meine Vermeidungstaktiken aus, ich vermeide sie einfach. Da konnte noch nicht einmal ich drüber lachen. Diese Woche füllt wieder die Frage des wie geht es Ihnen den Raum wie einer dieser großen Elefanten, wir arbeiten weiter an dem Selbstwohlfühlfaktor, irgendwie immer merkwürdiger. Visualisierungen, Konzepte, die meine Wohlfühlgrenze ankratzen, weil ich sie mir absolut nicht vorstellen kann. Noah. Meine Arche. Das ist er also, diese Wohlfühlperson, konstruiert natürlich, das wird also der Gegenpol zu meinem inneren Kritiker. Die Frage danach, wie ich mit dem Spüren des eigenen Körpers zurecht komme, ja, diese Stufe überspringe ich immer noch sehr sehr gern. Schließlich erzähle ich ihr von der „Vorsätzeliste für 2012“, sage ihr, dass es da einen Punkt gibt, den diese konstruierte Wohlfühlperson mir sagen könnte und dass das mehr ist, als ich jemals hätte sagen können. Ich finde es toll, dass du gelernt hast, dich gut zu behandeln. Wir sammeln noch ein paar mehr Sätze, mir fällt das schwer, aber es fallen Sachen wie Stärke, es ist gut, an anderen festzuhalten, es ist gut, andere zu tragen, es ist gut, sich selbst zu tragen, es ist gut, andere sich tragen zu lassen. Irgendwann ist mir das zu unangenehm, bin abgelenkt, draußen diesmal diesiger Nebel, die Eichhörnchen jagen sich über die Äste. Das Warten darauf, dass eines von denen mal gegen die Scheibe springt, neben der ich sitze.
Sie redet von meiner emotionalen und kreativen Intelligenz, von meiner Intelligenz an sich, sagt, dass alles bei mir sehr ausgeprägt sei, mehr als bei den meisten Menschen, die sie bisher gesehen hat, ich denke an Gespräche zurück. Vielleicht kann ich doch meinem Bauchgefühl trauen.
Wir sehen uns wieder zur gleichen Zeit am gleichen Tag. Als ich gehe, fällt mir noch etwas ein. Ich finde es ist ein wunderbares Gefühl, keine Angst mehr vor der Angst zu haben. Sie nickt, lächelt, wir sehen uns dann nächste Woche.
just like yesterday
I told you I would stay
would you always
maybe sometimes
make it easy?
take your time

but be prepared to bleed

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

Das wird schon alles wieder vorbeigehen, das sagst du zumindest, das sage ich, das sagen wir alle, aber dann reden wir von diesem unerklärbar nach unten drückenden Stempel, diesem komischen Stück aus Last und selbstauferlegter Bürde. Das ist dieses Ding, das man Aufrichtigkeit nennt, das kann einem niemand vorwerfen, das kannst nur du selbst und dann zwiebelt es besonders hart auf und in der Haut. Es ist eine kleine Erinnerung an das, was du dir sagst, das sind Dickichte in den Luzidträumen, sie verfolgen einen gelegentlich, das ist die Starre, wenn man nicht in den eigenen Körper zurück kann, diese Lähmung, die einen an das Gefühl erinnert, beim Gedanken an etwas aufzuwachen, das man letzte Nacht fast schon vergessen hatte. Omnipräsenz in der Abbauphase, dann das Einfahren in den Körper, allein, alleine in das, wo mal zwei gewohnt hatten, zurück in die auf einmal viel zu große Hülle, die trotz allem so gut sitzt, dass man nicht aus ihr herausplatzt wie ein zu voll gestopftes Sofakissen. Das ist wohl vorrangig so etwas wie eine Murmel in einer überdimensional großen Urne, dieses Sich-Selbst-Ausfüllen, das schon vorher mal funktioniert hat, das, was man immer erst wieder erlernen muss.
Die Blumen auf meinem Fensterbrett sind mittlerweile vertrocknet, das war zu erwarten gewesen, wie soll das auch alles funktionieren, so ohne Wasser, und die Blaupause meiner Gedanken in Richtung Leben funktioniert auch nicht so wirklich. Ich habe es mir hier häuslich eingerichtet, um den Schlafplatz auf den Dielen herum all meine Nachrichten, ein Stift, immer Papier, der Drang, alles, aber auch alles restlos zu sezieren, bis ins kleinste Detail, ähnlich, eine Art MRT, bloß eben, dass die Maschine schon in mir ist. Man muss nicht mehr hinaussehen.
Und du zündest dann die Briefe an, die, die nicht kommen, du lässt es teilweise vor sich hinflackern, weil die Flamme doch noch etwas wärmt, aber was macht das schon mit dem Zwischenraum des ja und nein und nichts? Man kann nur Vermutungen aufstellen, aber das Blut pulsiert durch die Adern und Venen und Organe, fährt auch in die Schlangenbeine, zieht den Fokus vom ja und nein und nichts zurück auf das, was so vorzüglich in der Brust vor sich hinpocht.
Vor dem Fenster schreien sie in Sprachen, die unfreundlich klingen, hier und da kommen Rauchzeichen an, riecht es nach Fisch und verbrannter Kohle. Dann die Schwärme voller Krähen ein paar Meter über dem Feuer, dem Wald, sie ziehen Richtung Flughafen, so halb in einer Formation, die an das Aufklaren nach einer Schlechtwetterfront erinnert. Wie das Gefühl, das man beim Ankommen an einem weit entfernten Ort hat, auf den man sich seit Wochen freut oder die ersten Tropfen heißes Wasser, die einem unter der Dusche die Haut verbrennen.
Die kühle Luft fährt an einigen Tagen noch durch die Kleider, die zweite Haut an meinen Beinen war doch zu dünn. Aber auch wie bei mir ist deine Epidermis unversehrt, man könnte fast übersehen, was so schmerzt, aber ich kenne das, ich habe es gesehen, erinnere mich an es, weiß, wie es sich anfühlt und wie es aussieht, eine Art schwarzer Schatten direkt unter der obersten Schicht, manche verwechseln das mit einem Grauschleier. Das ist das, was heilt und noch wehtut, habe ich immer gesagt, füge für mich hinzu: dir und mir. Und auch das ist der Wachstumsschmerz, von all meinen Worten müssten dir eigentlich noch die Ohren bluten, aber obwohl ich froh bin, zu hören, dass da kein Blut auf den Boden tropft, fließt, denn hören könnte ich nur dessen Echo, bricht mir die Wehmut darüber den Brustkorb auseinander. Wenn die anderen dann noch unseren alten Fußspuren nachjagen, denen, die wie in Beton eingelassen vor sich hinprangern, nicht ruhen lassen können, kein zur Ruhe kommen für deine Haut, kein Wunder, dass manches so wundgescheuert ist.
Von draußen bringt der eine oder andere Dinge mit, die sich in meine Netzhaut einbrennen, Gegenstände, Erinnerungen, die weder meine noch deine sind, ich frage mich, ob gelegentlich dein Arm noch einschläft, ob der Berg aus »hätte«, »sollte« und »würde gern« bei dir ebenso stetig anwächst, wie bei mir; der Gedanke daran, dass ich mich hätte kurz an den Widerhaken festhalten sollen, vielleicht den einen oder anderen herausreißen sollen, damit du weißt, dass es auch ohne geht. Meine Anker, meine Karabiner hängen nur noch in meinen Füßen. Von Tag zu Tag mein Rendezvous mit dem Dielenboden, ohne geht es nicht, das Holz flüstert schon, es flüstert dasselbe wie ich, seit Monaten, es ist kaum noch zu hören, es braucht, so wie meine Haut, gelegentlich etwas Feuchtigkeit, damit es weiter sagen kann, was vor ihm schon in mein Blut übergegangen ist: ich warte, das Holz erwartet deine Schlangenbeine. Es erwartet, dass deine Widerhaken, ähnlich wie meine, Kerben in es hineinschlagen werden, Lebenszeichen, Signale, das ist der menschliche Schmerz, das ist Leben, das ist das, was seine Spuren hinterlässt.

and all the tiny holes in your soul
beautiful soul
&

let go / château

Das ist kein Abschied. Das ist meine Art und Weise mit der Situation umzugehen. Vielleicht lebt man sich wieder irgendwann, vermutlich ist das das jeweils schmerzhafteste am Menschsein, braucht all das hier, um die guten Zeiten zu relativieren, sie sogar erst erleben zu können. Ich blute lieber aus, als alles immer bereuen zu müssen; mein Herz auf einem Silbertablett, da ist kein Fehler daran, Herzen, wohl noch größer als Elefanten im Porzellanladen. Fragil wuchtig, ganz simpel gesagt. Am eigenen überhebt man sich am meisten, die Kunst, erst sich selbst tragen zu können, ein Wummern, ein Brummen, der Kolibri, den man immer beruhigen muss. Such dir jemanden, der dir nicht wehtut. Und dann das Schizophrene daran, ich atme Dinge aus, auf die ich gerne zurückblicke, dokumentiere Verfall. Es könnte Trost geben, den es gilt zu sehen, zu erkennen, zu buchstabieren.
haben sie mal
darüber
nachgedacht wo
das hinführt
mir wird das herz
ganz schwer
You said hello
You passed me by


You said your heart was lost


You left your world exposed, long gone

You left your voice inside

And you’re far away

She’s got it