Gasoline

19 6 15

Sie laufen durch die Straßen (blauer Lidschatten, lila Kajal) und angepasst daran ist ihre Garderobe (als ob das mit den Haaren dann nicht auffallen würde). Meine Irritation und die Anschlussfragen; so wie gestern der Mann im Taxi und wie wir uns unterhielten über Filme (wir alle mögen Léon – Der Profi). Aber dann: wieso erzählst du mir von den Löchern tief in deiner Seele drin?

Das alte Hemd aus Luxemburg, Gewohnheit ohne Emotion, grau (eigentlich H&M, made in Bangladesh) und mein Geruch, der darin seit Jahren feststeckt (zum Glück nicht der ursprüngliche, schwere After Shave lastige).
Wie man sich so spiegelt in den Oberflächen und den Ebenen und den verlorenen Gegenständen, merkt man: wir sind so sehr darauf angewiesen, dass die Dinge funktionieren, nicht nur hauttief. Als ob es sonst irgendetwas ausmachen würde, die Instrumente der anderen Leute, deren Klauen und Krähenfüße zu sehen. Als wäre es eine Option, sich nicht damit zu beschäftigen.

Doch wovor hat man in diesen Momenten Angst, weswegen schreien sie so? Ist es, weil der Takt nicht mehr so wirklich übereinstimmt mit ihren Wünschen und Vorstellungen? Oder ist es, weil die Proportionen nicht mehr stimmen, nach unten und nach oben? Das zu große Hemd (immer noch) und die Fragen, die ich deswegen beinahe gestellt hätte (die U-Bahn wird immer langsamer). Wie damals, als das Klacken der Schritte unter dir Panik auslöste.

22 6 15

Weil ich doch immer
falsch lag und man
diese alten
verdammten Muster
mir nicht einfach aus dem
Fleisch schneiden kann

Auf der Rolltreppe zum
Gedankenrichten sehe ich stehen:
Magie
Magie
Magie
(dreifach) rollt in den
Schacht hinein und verschwindet
in meinen Hinterkopf

23 6 15

So ein wenig schlafen sie dann doch ein. Magie, Haut und Text als Interface. Auf Füße treten an Haltestellen an denen der Zug nie vorbeirauscht, ich entschuldige mich für meine Anwesenheit. Warten (geduldig).
Mir gefriert das Blut in den Waden so sehr und manchmal bleibe ich auch an den Leuten hängen wie fransige Wolle an Klettverschlüssen. Je länger ich hängenbleibe, desto leichter driesle ich auf.

but there’s always nighttime 
(Alpine – Gasoline)

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I’ll soon return a hurricane

Man sagt, die Zeichen kann man sehen und ich hinterfrage die Intention. Die Hilflosigkeit steht dir ins Gesicht geschrieben und während ich mich frage, was wäre, würde ich dir mit Edding Worte auf die Haut malen, ziehst du die Augenbrauen hoch, zusammen, verquer. „Das könnte man auch gutgemeinte Kriegserklärung nennen“, Fragezeichen im Schlepptau, es wird Regen geben. Sage ich.
Die überaus vereinfachte Form der Dinge, mal ohne Barrieren, mal mit, Atombomben in der Bauchgegend, ich muss mich kurz hinsetzen. Rudern, zurück, vor, zur Seite. 

An deinen Ausgängen ist es immer frisch gestrichen.

Ich möchte zu bedenken geben:
Er begegnet mir an der Haustür / im Flur / an der U-Bahn-Station, und ich weiß ganz genau, dass wir in aufeinanderfolgender Reihe beim gleichen Menschen die Gedanken geordnet bekommen.

I’m a little bit slow
When the mind falls out
There’s nothing left but the echo

(Brasstronaut – Bounce)

Club Foot

Dann verlassen sie die Städte und die Gegenden,
die wir zusammen kannten,
sie verlegen die Mittelpunkte nach
vorn (Norden) – niemand kann es ihnen verdenken.
Wann könnte man die Angelegenheit ad acta legen?
Verschiedene Briefkästen, Briefkastensysteme nur für
meinen Abschied von deinem inneren Allerlei.
Warten,
die Leute riechen nach Schweiß und der
Ankündigung von Regen.
Verschiedene Varianten „blau“, Pacific,
West Coast, du verstehst. 
Fasziniert ob der Geschwindigkeit
der Tropfen auf passierenden Scheiben.
Mein Leben – deine Aussprache
Kontaktversuche und das „durchaus“, ohne,
dass meine Irritationen funktionieren.
Wie schwer sind 10kg Kontrollverlust
tatsächlich?

Lieblingsworte, du verstehst (zumeist nicht)
(oder: Rush Hour) – man nennt das
bevorzugt: Einatmen
– eventuell: Ruhe,
hier und da: Lachen, unruhiges
jedoch immer: ähm

I tell you I want you
(Kasabian – Club Foot)