my year in lists

Untitled by smallcutsensations
ich habe da mal etwas für mich selbst vorbereitet. resolutionen, ihr werdet vielleicht lachen. mir ist das egal. wie viel davon am ende des jahres übrigbleibt, werden wir sehen. und weil ich sprachen mag und das hier – eine runde bockigkeit sei an dieser stelle bitte zugelassen – mein blog ist, sind die nicht alle unbedingt so sehr in deutsch. und ungeordnet sind sie auch noch und zu ergänzen auch. verzeihung.
01 endlich den menschen die briefe und emails schreiben, die ich vor wochen, monaten, jahren hätte schreiben sollen
02 mich gut behandeln
03 andere gut behandeln
04 bei der institutsambulanz anrufen, einen termin für ein vorgespräch machen, hilfe holen
05 endlich mal richtig danke sagen
06 bei einer sache bleiben, die ich angefangen habe
07 in meinem job weiter das beste geben
08 versuchen, die liebe, die ich für meine studiengänge habe, in form von guten noten zu zeigen
09 endlich mal mit den menschen, mit denen ich das schon lange tun wollte, fotografieren gehen

10 prata lite mer på svenska
11 försöka hitta någon som åker på semester med mig
12 försöka förbättra min svenska

13 let you go
14 stay hungry & foolish
15 actually start playing the guitar I own
16 take more care of my health
17 write more prose – either in German or in English
18 try to tell my mother about my state of mind

19 mehr reisen
20 mehr sparen
21 weniger mist kaufen
22 weiter an meiner figur arbeiten
23 die person sein, die ich schon zweitausendelf sein wollte
24 mehr kleider anziehen

25 read all the books I bought throughout twothousandeleven but have not gotten around to read
26 continue to stay off drugs, cigarettes and (too much) booze
27 be more social
28 try and experiment a little bit more in the kitchen
29 stop building a fortress around me on my bed

30 faktiskt köpa en säng
31 försöka fotografera mer människor
32 säga ‚jag tycker om dig‘ när jag verkligen tycker om någon
33 vara inte rädd längre

34 mich von selbst angehäuftem ballast befreien
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people of no importance

Untitled by smallcutsensations
Man hat mir immer gesagt das verwächst sich schon noch, so, wie man Kindern sagt, dass sie nicht weinen müssen, weil alle Wunden verheilt sind, bis man heiratet. Merkwürdig, bei mir hat sich da nie etwas getan; und morgen? Morgen soll ich, will ich, darf ich, muss ich ein ja sagen, dass mir wohl erst leicht und dann schwerfallen wird. Nur hoffe ich, dass ich es nie vergessen lassen muss. Darauf vorbereitet hat man mich nie, dabei kennen wir uns noch gar nicht allzu lange, kennen einander kaum, haben die Eltern des anderen entweder gar nicht oder nur ein mal gesehen. Wir wissen noch nicht so viel voneinander, wie es andere tun, die sich kennen, seit sie zusammen auf die Schule gingen, die sich jahrelang aufeinander vorbereitet und es dann doch nie ganz geschafft haben.
Wir werden das auch nie so wie die anderen, also wieso versuchen wir es nicht jetzt, hat er mich vor ein paar Wochen gefragt. Und weil ich von Liebe nicht so viel verstehe wie die anderen mit ihren jahrelangen geteilten Vergangenheiten, habe ich ihm zugestimmt. Vielleicht aber auch, weil seine Augen dabei sanft in meine Richtung sahen, oder eben einfach nur, weil er recht hat.
Wenn wir einander traurig machen, dann können wir ja damit auch schon jetzt anfangen, flüsterte ich schließlich in sein Ohr, und ich glaube bis heute, dass er verstand, was ich meinte. Dann strich er sanft über mein Haar, winkelte seine Beine an, schloss seine großen müden Augen wieder und schlief in der Sonne neben mir ein. Damals schlief er wirklich viel.
Heute ist es nicht großartig anders, aber ich weiß, woher seine Müdigkeit kommt. Es ist schöner, solch kleine Dinge mit anderen zu teilen und ebenso, wie man Gerüche, die einem in der Wohnung vorher böse aufstießen, mit der Zeit nicht mehr wahrnimmt, bemerkt man irgendwann kaum noch den Schlafgeruch eines anderen. Stattdessen riecht man die Überreste dessen Parfums, Waschmittels oder Lieblingszigarettenmarke. Es ist bequem und es macht das ganze noch komplizierter, als es eigentlich ist, schließlich kriegt man diesen Geruch nie wieder aus dem Gedächtnis raus. Und wenn das alles schiefgeht mit uns, dann wird er jedes mal, wenn er Waschmittel kaufen muss, an mich denken, wenn seine Finger an Ariel Color entlangstreifen. Er weiß es noch nicht und ich traue mich auch nicht, es ihm zu sagen, aber er wird sich zeitlebens an mich erinnern. Vor allem jetzt. Vor allem ab morgen. Und ich hoffe, dass ihm das bewusst ist.
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Sie macht sich immer so viele Gedanken. Gut, manchmal denken wir auch im gleichen Tempo, sprechen und schreiben im gleichen Duktus, übersetzen einander mit der gleichen Sorgfalt. Aber eingespielt sind wir noch lange nicht. Manchmal ist sie mir sogar ziemlich unheimlich.
Eines Tages wirst du mich hassen sagt sie oft, manchmal ist es so, als wäre sie von diesem Satz besessen. So wie ich von meinem manchmal, aber bei mir ist das in Ordnung, denn manchmal ist ein schönes Wort. Es ist viel melodischer als gelegentlich und im Vergleich zu gelegentlich muss man sich auch nicht vorkommen wie ein Idiot, wenn man es anderen langsam vorspricht. Ich komme mir aber auch dumm vor, wenn sie der Meinung ist, dass wir uns hassen werden. Ich sage dann so schlaue Dinge wie ich weiß, das nichts ewig andauern kann, aber ich glaube nicht, dass wir uns so schnell die Köpfe einschlagen werden. Dann lacht sie, manchmal lacht sie dann auch sehr unbekümmert, nicht so kontrolliert wie bei ihren Freunden, da geht es oft wie auf Knopfdruck, da lachen ihre Augen nicht mit und da ist sie eigentlich immer deprimiert danach. Sie erinnert mich dann an irgendein trauriges Lied, dessen Name mir jetzt nicht mehr einfällt, das aber bestimmt jeder kennt, und ihre Aura malt alles um sie herum in diesen grau-tristen Ton, den man so schwer wieder aus dem Herzen bekommt. Es geht mir nicht gut, aber nach einer Weile ist alles wieder ok, denke ich, sagt sie dann und lächelt gequält. Vor mir musst du das nicht tun, setze ich dann ein, ich weiß schließlich, wie du aussiehst, wenn du wirklich lachst.

die leute in unseren köpfen riefen ihr kriegt uns hier nicht raus

Untitled by smallcutsensations

da liege ich nun. habe mich festgekrallt. komme noch nicht vor und nicht zurück. manchmal denke ich noch an dich, meist aber streifst du noch nicht einmal meine erinnerung. wie das heizkissen, dessen wärme sich in das metall meiner unterwäsche und dann in meine haut brennt. vielleicht muss das so, meist will ich aber nicht, dass es so ist. ich baue wieder meine schutz- und trutzburg, fühle mich ganz wohl da in dem turm, der andere abhält davon, zu mir zu kommen. habe nicht nur folie um mich herumgewickelt sondern auch stacheldraht. für den extraschutz vor anderen und vor mir selbst. problem: davon kommt die kraft in mir auch nicht zurück.
habe mir das schöne schwarze kleid bestellt, bei dem mein körper mich überrascht und mich von sich selbst überzeugt hat. zumindest teilweise. das werde ich einfach ausprobieren. zweitausendzwölf will ich der mensch sein, der endlich das macht, was ich mir von zweitausendelf versprochen hatte. dank hilfe weiß ich jetzt, an wen ich mich wegen meiner depressionen wenden kann. ich will ehrlich zu mir sein. vielleicht muss das mit den neujahrsresolutionen so sein. wartet nur, bis ihr meine liste seht.

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I want to travel. Feel the roughness and the beauty of a city I do not know, breathe it all in and out. All the smog and the dust and the fog that is going to stick to the insides of my lungs, leaving a distinct fingerprint of the places I have been to. Taste and smell and take everything in that I cannot bear on first sight without this strange pain in my chest. The touch of something I will not forget, the gazes of strangers I never talked to, the bits and pieces of conversations with people I have barely spoken to but made me smile and feel at home. Cities I do not know, moments I had never encountered before, sights I had never thought I would see. The sound of traffic, special to each city, the way its citizens breathe in and out, the way they talk and see and feel, the way they make you feel. Like the mornings, like delving into another person’s skin. Like the shivers that travel down your spine, like the way you look upon leaving. All you do is take the city’s imprints with you, spreading them in your heart, where they stay with you forever. 
I need to travel, you see. I need to do it so that I can fill up the emptiness in my heart.

du var solskenet, jag var ensam

Untitled by smallcutsensations
Manchmal erzählen meine Großeltern noch am Küchentisch von den guten alten Zeiten. Aber in dem luftleeren Raum zwischen ihren Erinnerungen wabert ein großes Stück Ernüchterung. Verlebte Traditionen. Ich treibe durch die Memoiren meiner Vorfahren wie ein Embryo durch Fruchtwasser. Da mache ich mir Dinge zu eigen, dort ergänze ich großzügig und ohne Scham. An manchen Tagen wüsste ich gerne, wie viel Prozent meines Gedächtnisses mit destillierten Lügen gefüllt sind. Aber ich kann mir nicht helfen. Ich dichte immer noch hinzu, abhängig von meiner Tagesform. Und dann stellen mir meine Eltern wieder diese Fragen. Wann denn mit Enkeln zu rechnen sei. Warum ich denn so ein Lotterleben führe. Meine Antwort ist abweisend, aber freundlich und bescheiden.
(Reptilienhaut, 2009.)

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vor ewigkeiten habe ich schon damit angefangen. ich baue mir ein kleines haus. eins, das fast schon so gross und rund und manchmal so schön ist, wie das, was schnecken auf ihren rücken tragen. der unterschied: ich bin – gefühlt – noch nicht einmal so gross wie ein wurm. meist versuche ich aber aufrecht durch das leben zu gehen, gelegentlich mit dem gefühl, ich hätte einen stock als rücken. vielleicht mag das auf andere so wirken, als wäre ich verrückt, für mich aber ist es normal.
deine alten tagebücher lese ich mir manchmal durch, oft tut es aber einfach nur weh. du hast mir einen kleinen karton vor die haustür gestellt, hast geklingelt und bist dann einfach ins leere gelaufen. niemand weiß, wo du bist, ich nehme an, du selbst noch weniger, und niemand hat von dir gehört, da nehme ich wiederum an, dass du nicht wolltest, dass irgendjemand etwas von dir weiß. du tust gut daran, deine spuren hinter dir zu verwischen. du denkst bestimmt nicht allzu oft an uns oder an das, was du uns hast spüren lassen. du hast mich allein gelassen, vor allem aber hast du mich verletzt. hast immer gepredigt, wie sehr du es verachtest, wenn andere verletzend durch die weltgeschichte ziehen, warst selber aber nie besser. du konntest gut mit zweierlei maß messen, aber das heißt trotzdem nicht, dass du nicht zu einer mir wichtigen person geworden bist. einschleichen in köpfe konntest du dich schon immer gut.
dieses schneckenhaus ist oft zu schwer für meinen kerzengeraden rücken, es biegt sich ihn kugelrund. irgendwann werde ich wohl in der mitte durchbrechen, vielleicht früher, vielleicht später. dieses haus, das mir kokon und last zugleich ist, bestimmt meinen alltag. ich kann ganz einfach in es hineingleiten, so, als wäre es nie anders gewesen. das herauskriechen wird immer schwieriger; je länger ich diese schale trage, die ich nicht wie schlangenhaut einfach abstreifen kann, desto enger sitzt sie. schneidet mir die luft ab. sticht mir in die seite, kneift und kratzt und wird im allgemeinen immer unbequemer. und doch scheint sie so elastisch zu sein, dass sie nicht reißen wird.
du hast es dir bestimmt nicht einfach gemacht. all die ausflüchte, das nicht antworten, all das zögern. das muss doch kraft kosten. dir ist das bestimmt im grund egal, aber mich würde es schlauchen, innerlich einen marathon laufen zu müssen, jeden tag. dabei hast du dich doch noch nicht einmal trainiert. du weißt nicht, wie weit du gehen kannst im gericht mit dir selbst. du hast nicht den blassesten schimmer, wer du eigentlich bist. du scheust dich davor, mit anderen zu kommunizieren, du wartest, bis sie auf dich zugehen und schlägst dir dann selber dadurch ein bein ab. vor allem dann, wenn niemand den ersten schritt macht.
und dann auch noch der herzschlag, der sich in meine ohren hineinbohrt, überhören kann ich ihn nicht mehr, das kleine herz in der großen schale schlägt und rotiert und macht und tut und kommt doch im allgemeinen gegen nichts an, was mein verstand sagt. die beiden jagen sich im kreis und irgendwie gewinnt immer nur der krieg zwischen ihnen, nie die guten worte anderer. sätze von leuten, die mich zu sehen scheinen, trotz meines schönen großen, manchmal in der sonne schillernden hauses.



(für elisa. Tbc)

the trick is to keep breathing

when you see me sit by myself you’ll think that I’m waiting for someone else
but I’m wishing for somewhere else

manchmal bekomme ich panik, wenn ich an vergangenes denke. oder besser: wenn sich vergangenes in meine gedanken bohrt. dann rege ich mich auf, leise, im hals wächst der knoten und ich drehe mich wieder im kreis. eigentlich kann mir jetzt niemand mehr etwas tun. und doch erzähle ich von selbst erlebtem so, als wären es eigentlich jemand anderem passiert und nicht mir. ich höre mir beim reden zu, ich stehe neben mir und nicke.
im hintergrund läuft der fernseher, damit ich mich nicht ganz so alleine fühlen muss. hektische bilder, die merkwürdigen nachrichtenzeilen von n24, kronzuckers kosmos, eigentlich wichtig jedoch nur: irgendeine stimme im off. schon lange höre ich nicht mehr wirklich zu. wenn ich dann aber die augen am nächsten morgen wieder aufschlage, fühle ich nichts. rein gar nichts. weder mich, noch irgendetwas anderes. vielleicht höre ich dann der stille zwischen den worten zu. starre auf den gelben klebezettel, der am spiegel im bad klebt. fahre den wasserhahn entlang und verfolge spuren, die ich mit acrylfarbe auf ihm hinterlassen habe. 
auf der anderen seite der straße stehen sie auf, sie schalten das licht an, sie ziehen die vorhänge auf. sie schauen mir dabei zu, wie ich in shorts und hemd in der küche stehe und kakao koche. wie ich irgendwelche bilder mache. ich sehe, wie sie fotos machen und manchmal mit dem finger in meine richtung zeigen.
dann sehe ich dich nach ein paar tagen mal wieder. und du und deine augen sehen genauso müde aus wie ich, so ermattet und ohne feuer. ich hoffe, dass das irgendwann mal besser wird.