hide from me but please still seek for me

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Mein Name liegt mir auf der Zunge wie ein Klotz. Die Sprache fehlt, die Sätze werden immer kürzer. Das Fahren über Worte, mit der Zunge, wie das Fahren meiner Finger über die blauen Flecke auf meiner Haut. Blaue Flecken, von denen ich nicht wollte, dass sie an diesen Stellen zu sehen sind. Blaue Flecken, die nicht von Menschen sind, nicht an den von mir gewünschten Stellen, wie ich es wollte. Zu viel gewollt, zu wenig gekonnt.
Das gab es bestimmt nie. So wie das Papier meiner Lieblingsbücher auf meinem Fensterbrett vor sich hin gilbt, schaue ich mir Notizen anderer zu Fragmenten, zu visuellen Dokumentationen von mir an. Wir sind unwirklich. Das Schreiben von Nachrichten, das komplette letzte Jahr wie ein Fiebertraum, dabei ist die Heizung heruntergedreht. Das alte Quecksilberthermometer mit der unansehnlichen Plastikkappe liegt auf meinem Schreibtisch, es sind bestimmt immer noch Viren dran, die, die sich seit neun Monaten durch meine Nasennebenhöhle ätzen.
Versprechen eines wilden Lebens im Kleinen, was auch immer davon geblieben ist, kann ich nicht mehr sehen. Ein halbes Jahr Etwas, danach ein Nichts. Du bist blind, mir hängt es immer noch im Ohr. Deshalb siehst du es nicht bei dir und denkst, ich sei schön. Das mag sein; und doch ist es so, wie ich es sagte.

Doppelbrüche, ich sehe noch das Blinken beim Liegen auf dem Rücken im Bett. Mein Laken eine zweite Haut, das Herz schnalzt mit seiner Zunge, schlägt fest. Ob man sich an diese Momente erinnern wird, das Ausatmen von Gift bei geschlossenem Fenster, ohne Pflanzen im Zimmer. Mein Kokon riecht noch nach Rauch, Fessel um mein Handgelenk, Trauern um das wilde Leben, das eine schöne Idee war.

Rekonstruktion. Rekapitulation. Reduktion.

Es fehlen ein paar Querstreben und tragende Pfeiler. Vernebelt vor Augen die große, mahnend leere blaue Wand und die Lichtkegel der Lampe im oberen Drittel; weißer Abschluss, Gardine mit modernem Muster. In meinem Elternhaus: nach Feinwaschmittel riechende weiße altmodische Gardinen, wandernde Tapetenfarben. Vielleicht riecht es in Wirklichkeit nach Staub, in beiden Räumen, das grenzenlose Zusammenfließen von Erinnerungen. Immer diese uneingeschränkt positive oder negative Begriffsvorstellung.
Katzen, die in Hausfluren sitzen, es ist so, als hätte man mir davon mal erzählt. Ich weiß nicht, vielleicht warst das sogar du.

So how can I ever find

What I’m looking for
When it’s been frozen
Stuck at the horizon

someone set fire to the place I used to call my home

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Dieses in Boxen leben, Orte, die ich nie lieben konnte auch wenn ich es wollte und die ich jetzt nicht lieben will, weil ich sie hasse. Mir fehlen die Worte bei den Gedanken an diese Gegend, es schnürt die Kehle zu; das ist Schmerz.

//

(20.3. – 04.23)

Das war das Haus am Meer, von dem ich mir immer erhofft hatte, es könnte meine Seele retten, es war noch nicht einmal das Meer an sich, da brauchte es keinen Ozean, keinen See, da reichte ein kleines Plätschern, ein Rauschen, das auch von den Autos und Zügen kommen konnte, die ich eigentlich nicht mehr ersehen konnte. Es musste wirklich nicht von dem kommen, aus dem alles geboren wird, da reicht das Licht aus und lange Korridore, die mit Holz belegt sind, es reicht aus, wenn sie nur zu mir sprechen, wenn sie quietschen, weil mein Geist zwei Schritte vor mir steht und ich irgendwo verlernt habe, all mein Leben mit anderen zu teilen, weil ich es hinschreiben muss, immer dahinschreiben muss, weil sonst nichts Sinn macht; da fehlt der Kontext, da sehe ich ihn aber trotzdem in dem Nichts zwischen mir und dir und mir ist dabei absolut bewusst, dass dieses du mit einem anderen Körper gefüllt werden wird, immer diese Konnotationen, immer diese Art, wie man das du ausspricht. Gefährliches du, ich habe Angst vor dir entwickelt, hilfloses du, ich weiß nicht so recht, ob ich Angst vor dir haben darf, abweisendes du, es frisst sich beinahe schon Bedauern in meine Knochen. An einer anderen Stelle Rahmen vor meinen Augen, sie kämpfen mit mir und um mich, eigentlich sollte der Lektor schon lange wieder angeschaltet sein, aber bei dir und der Konnotation, die ich dir immer gegeben habe, funktioniert er nicht.
Und eigentlich habe ich schon vor langer Zeit aufgehört, über dich zu schreiben, aber dieses Konzept gefällt mir, dieses Erinnern in Schriftform ohne dass es dieses du überhaupt noch geben muss, weil es keinen interessiert, vor allem dich nicht, es könnte auch einfach nur diese Warnung mitten in meiner Handfläche sein, das, was ich fast schon aufs Papier geblutet habe als halbe Drohung: ich gehe vorbei.

this place still looks the same
down to the drunks and homeless ones
I should be leaving

I am fine, I am fine
I shut doors and windows
and sleep for days

(September Malevolence – I Shut Doors and Windows)

until it stops

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stell dir mal vor sie schlugen eine Kerbe in meine Stadt
denke an die Möglichkeiten
man könnte sehen wie sie vor sich hinblutet
vielleicht ist es dann auch endlich mal gut
also immer wieder dieses vor sich hin weinen
so ganz allein

stell dir mal vor sie schlugen eine Kerbe in mich rein
denke an die Möglichkeiten
man könnte sehen wie das alles zusammenwächst
vielleicht wird es dann endlich mal gefährlich
also so richtig nah an der Haut
so explosiv

stell dir mal vor sie schlugen eine Kerbe in dich rein
denke an all die Möglichkeiten
man könnte sehen wie die Welt die Bruchstücke auffängt
vielleicht wird es dann endlich mal gut sein
also so richtig eindringlich
so in Frieden

wäre das nicht einen Versuch wert
aber da fällt mir auf
ich weiß nicht wann
das jemals aufgehört hat
mit den Kerben

there’s so much to lose
when my love is real

going to take you away from harm

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Den Finger auf die Wunde legen, stechender, dann pochender Schmerz – trotz allem, immer voran, ein Zurück kennen wir nicht. Und wenn ich dich nur gefragt hätte nach den Orten, an denen du aufgewachsen bist, den Orten, an die du dich noch erinnern kannst. Verstreut an die unterschiedlichsten Städte, eventuell ein Erinnern, an Orte an denen man doch nie war. Ich hätte mir gewünscht, dort aufgewachsen zu sein, wo man das Wort Nähe oder Erreichbarkeit nicht erst buchstabieren muss, damit es begreifbar wird. Ist man überhaupt jemals am richtigen Ort, gibt es ein richtig, gibt es einen Standard?
Bei mir war es ein Leben in Boxen, Gedanken an Christoph Hein, der Hausflur ein Refugium der Spießigkeit. Die unerreichbaren Jugendstilvillen, an denen ich manchmal mit der Bahn vorbeifuhr, Räume voller Aktenordner. Immer der einsame Bus nach Hause, Menschen gefangen in ihrer selbstverordneten halbherzigen Doppelhaushälfte.
Ich kenne noch die Namen der Haltestellen, die Sphären um sie herum ändern sich nicht. Was bin ich an diesen Orten aufgewachsen, was bin ich an ihnen zugrundegegangen. Jetzt gehen sie selbst zugrunde, sie verschwinden oder sind es schon. Wiesen, wo es Parkplätze gab und diese Boxen mit den Refugien der Spießigkeit. Ich halte hier nicht, ich fahre nur weiter. Orte, die mir immer noch wehtun.
Irgendwann ein aussteigen. Dritte Etage, das Fenster zur Straße, die alte Markise gibt es immer noch. Mein Unbehagen; anstatt weiterzugehen, eine Panikattacke. Was für eine kleine Sphäre, die zerrissenen Mülltüten im Geäst, ich versuche, wenigstens noch etwas poetisches finden zu können, sie lachen, weil ich auf der Wiese stehe, wo sie sonst ihre Hunde hinkacken lassen. Um uns herum immer noch Boxen, immer das, was schon lange da war, lange vor meiner Geburt. Dann Menschen, die mich anstarren, als hätte ich mich an den falschen Ort verlaufen. Der Himmel über den Boxen, ich füttere meine Kamera, sie drohen mir. Dieselben vergilbten Gardinen hinter einfachen Gläsern in dem Haus, über das sie nur schimpfen, aber nie renovieren, das erste Gymnasium. Im Gegensatz das Haus, das ich kaum noch erkenne, weil sie es renoviert haben, die alte Steintreppe steht noch. Eine der Treppen, die sie mich heruntergeworfen haben. Wieder eine Panikattacke. Hier ist nichts, was mir gut tut. Das zweite Gymnasium, ich verlaufe mich, auf einmal ist alles so alt um mich herum.

Am liebsten wäre ich dort nicht allein gewesen. (Ein Abschied war das wohl noch nicht. Beim nächsten Mal ohne Panikattacken bitte.)
Pochender Schmerz, der Finger ist schon aus der Wunde heraus. Und du, wie geht es dir?

is this darkness of the dawn

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Wie sie dann immer davon erzählen, man hätte sich sein Leben wohl besser einteilen sollen, eine Art Häppchen für unterwegs – aber das funktioniert doch nie. Gespräche über das Alter, in dem man Kinder in die Welt setzen sollte und mein Weisheitszahn, der schmerzt und drückt und schiebt, dass ich halbschreiend im Badezimmer kauere und mein Mitbewohner mir währenddessen ein paar Anekdoten erzählt. Das muss wohl dieses Alter sein, was man frühes Erwachsenenalter nennt, aber ich wollte nie so schrecklich erwachsen sein und ich wollte nie ohne Perspektive durchs Leben gehen müssen, ich wollte erstmal ein Leben leben, von dem ich auch stolz erzählen kann, ich wollte erstmal gesund werden und meine Psyche kontrollieren können, bevor ich mich auf etwas einlasse, das andere Lebewesen an mich koppelt. Weil ich mir nicht Gedanken darüber machen möchte, wann und ob sie gehen und wie schnell sie das tun, wenn sie wissen, was ich bin, meine Essenz viel mehr. Weil ich nicht möchte, dass sie nur in meiner Dunkelheit leben müssen sondern dass sie auch in meinem Licht baden können. Momentan benötige ich das für mich selbst und gebe das nur ausgewählt weiter. Vielleicht strahlt es ja in das Dunkel hinein, aber das konnte ich ja noch nie so wirklich einschätzen.

vierunddreißig
Ich hatte ihr ein paar Tage vor der Sitzung eine Nachricht geschickt und sie nickte mich deswegen an, als wir beide Platz genommen hatten. Früher war das das verlorene Sitzen auf dem großen Sofa und meine Wiederholungen, im Nacken die Hausarbeit, ihr Blick, als ich sage, ich habe alles nochmal verworfen und schreibe neu, Abgabe Mittwoch.
Wir reden über Abnabelungsprozesse, die sind wohl wirklich unumkehrbar, der therapeutische Brief an meine Mutter ist immer noch auf keinen Papier, ich erzähle ihr über unsere Art der Kommunikation, ob man das Liebe nennen kann, frage ich, ob man das jemals Liebe nennen konnte, das will ich wissen, aber es wird darauf nie eine Antwort geben. Welche Reaktion hätten Sie sich denn gewünscht? Eine ernstgemeinte Nachfrage, vielleicht eine Frage, wie es mir geht, vielleicht auch mal Interesse, selbst wenn es nur geheuchelt ist, so wie bisher. Und wenn sie das gemacht hätte? Wäre ich misstrauisch gewesen, so wie bei allen, die einfach so auf mich zukommen und freundlich zu mir sind. Wieso bei ihrer Mutter? Weil das bisher immer ein Trick zu sein schien. Weil es mir danach immer schlechter ging als vorher.
Dann ein Reden über eine meiner Phobien. Eine Konfrontationstherapie machen Sie also, das ist gut. Alles in Schritten, alles in meinem persönlichen Tempo. Vor allem bei erlernten Phobien ist das wichtig, aber Sie stellen sich, das ist gut. Die Frage, wie viele es nun eigentlich sind. Wie stark anerlernt sie sind, wie tiefgreifend die Erlebnisse sind, wegen denen sie überhaupt erst entstehen konnten.
Vor dem Fenster heute keine Krähen, es war am Vormittag sonnig, wir sprachen über einen Vogel, der immer merkwürdige Geräusche macht, wie sie deswegen das Flügelfenster schloss. In meinen Augen: Komposition, Lichtspiele in meiner Iris, Jalousien, eigentlich hässlich – hier passend. Wir lachen ein wenig, dann lachen wir viel. Und am Ende komme ich an beim Erzählen über dieses Projekt, das seit mehr als einem Jahr in meinen Venen schwillt. Die Abwesenheit der Dinge also. Ein skizziertes Hören, Sprechen, sie sieht interessiert aus. Ich rekonstruiere ein paar Menschen und ich glaube, meine Mutter dürfte diesen Text, wann auch immer er fertig ist, nie lesen, nie. Wieso? Weil er sich damit beschäftigt, ob erst mit dem Tod eine Art Abwesenheit entsteht oder ob man schon im Leben abwesend sein kann, ob und wann man je da war und wieso man sich entschließt, zu gehen. Ob man jemals eigentlich sein kann. Sie klingt sehr fasziniert, ich bin auch ein bisschen begeistert, rede mich in positive Rage, bekomme Lust, weiterzuschreiben oder besser gesagt, wieder anzufangen. Womöglich kann ich erst richtig abschließen mit zweitausendelf, wenn ich diesen Text fertig habe. Oder aber, ich kann erst mit mir weitermachen, wenn das alles aus mir herausgesprudelt ist.
(Anfangen wäre gut. Oder wieder anfangen.)

Am Ende schütteln wir die Hände, wie jedes Mal, fester Händedruck, gelegentlich weiß ich nicht, wann ich loslassen soll. Wir reden vor der kommenden Sitzung nochmal, vielleicht ist dann gutes Wetter für meine Lichtstudien. Vielleicht.

P.S.: Apropos Blog
Google Reader und Google Friend Connect werden sterben, wie wir wissen. Eine Möglichkeit, auf dem Laufenden zu bleiben ist bloglovin. Folgen könnt ihr dort. (Oder mit einem RSS Reader eurer Wahl.)

I’ll wait
so show my why you’re strong
ignore everybody else
we’re alone now

by the morning I will have grown back

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Ich hatte vergessen, wo ich das Bild von dir hingelegt hatte; vor Jahren hatte ich es gezeichnet und ich liebte es so sehr, weil es überhaupt nicht aussah wie du. Trotz allem war es das schönste, das ich besaß, es war ein Stück von dir, die Haare wild und zerzaust, es war ein Stück deines Lebens. Die Tage, an denen ich dir das Teppichmesser aus der Hand nahm, weil ich Angst um dich hatte, das war damals, als es niemandem gut ging, das war damals, als sie schrieb, weil manches sich nicht gehört und weil die Wände so dünn waren. Gelegentlich fragte ich mich, ob sie nicht eigentlich wollten, dass es alle hören konnten. Irgendwann gab es dickere Wände und ebenso härtere Worte aus unseren Mündern. Sie hätten sich wohl nie vorstellen können, dass man jegliche Form von Bande brechen kann.
Dazwischen bist du verloren gegangen; die Erinnerung, die ich an dich habe, oh, mein Kloß im Hals, ich habe immer versucht, mich zu erinnern, das war irgendetwas zwischen Traurigkeit und Lebensfreude, nein, eigentlich war ich das, immer konnte ich mich in dir spiegeln, so wie man sich in allen anderen spiegeln konnte, wenn man seine eigenen Bruchstücke aus deren Gesichtern herausnahm. Immer dieser Druck, den ich eigentlich auf mich selbst auslöste. Das Vergessen des Abdrehens der Heizung, man sollte auch mal meine Venen entlüften, immer diese alten Herzen an den Stellen, an denen es zwickt; ich dachte, du seist ähnlich alt, aber nein, du bist hineingebrannt in meinen Körper, du warst schon immer da, du warst dort vor meiner Geburt. Ob es wirklich so war, wie ich es mir vorgestellt hatte, ob ich mir wirklich etwas vorstellen konnte, dort im Mutterleib?

Irgendwann hört man auf, sich zu wünschen, man wäre nie in die Welt getreten, irgendwann hört man auf, sich selbst zu zensieren, dann schreibt man einfach, weil es leichter ist, temporär in den Worten zu krepieren, als sich in den eigenen Handlungen weiterhin zu Grabe zu tragen. All das hört irgendwann auf, noch lange, bevor da ein weiteres Paar wackeliger Beine neben einem sitzt und am Essenstisch die Suppe mit einem auslöffelt, die man nie eingefädelt hat.

Und dabei ist nichts von dem hier irgendwie stringent. Vielleicht ist es sogar alles obsolet, alles hier, so wie das Nichts im Kopf beim Gedanken an das Leben im Jetzt, an all die Nichtse zwischen mir und dem, aus dem sich das Universum immer mehr auseinandertreibt. Vielleicht ist das alles hier überflüssig.

I’ll escape with him
show him all my skin
then I’ll go
I’ll go home

all my gold

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Der Mann mit den Schlangenlinien, die Straße neben ihm herlaufend und hinter uns der Mann mit den Mülltüten, die ihm niemand abnehmen wird, weil sie zu schwer sind. Schneeflocken, die um Lampen tanzen als wären sie Schlaflieder.
Alles, was ich jemals wollte, aus meinen Armen herausgespült, du erkennst mich nicht wieder, ich erkenne dich nicht wieder. Als hättest du meinen Namen vergessen, dann der Mann, der zwischen anderen und mir sich so nah an meinem Gesicht vorbeidrängt, dass ich mich frage, was in meinem Gesicht zu lesen ist. Da muss es die Fragezeichen geben, die ich in den Augen anderer immer wieder sehe, ob das ein Fluch ist, wieso schaut man so. Das muss wohl die Angst sein oder die Unwissenheit und bei mir ist es die Hilflosigkeit und der Drang zu schreiben. Ich schaue ihnen nicht mehr in die Augen, weil ich Angst habe vor ihrer Lust und List und vor meiner eigenen Lust, ich habe keine Zeit für soetwas. Ich mag es nicht, wenn man mir ständig die Zeit raubt mit unwichtigen Dingen, die in der Gegenwart verpuffen.
Dann bestelle ich mir etwas für mich, damit ich noch weniger habe als ohnehin schon. Für nichts davon habe ich Zeit, ich weiß das mehr als alle anderen. Es sollten Bücher da stehen, ich sehe immer C.H. und C.W. Bücher vor mir, die Titel lösen in meiner Brust schon einen Knoten aus, da schnürt sich alles zu, das ist immer so endgültig und so treffend.
Vielleicht, weil ich selbst so endgültig und so treffend schreiben will. Aber ich werde nie ein C.H. oder eine C.W., ich werde eine A.G. bleiben, der zweite Buchstabe ändert sich maximal irgendwann in einem Paralleluniversum. Bring mich bitte nach Hause, zeige mir bitte mein zu Hause, zeige mir, wo deine Haut anfängt und meine aufhört, zeig mir, wer du bist und wo du bist, ich glaube nämlich, ich weiß es nicht. Der Versuch, sich freizuspielen, freizuschreiben, freizuschwimmen mit jeden einzelnen Buchstaben, jedem Zeichen, selbst den Leerzeichen, aber da ist schon lange nichts mehr übrig. Meine Warnungen, immer verpufft im Nichts keiner Reaktion.

Da war nichts, um mich ein Raum aus Fliesen, da ist nichts, um mich ein Raum aus Raufasertapetenputz, leer. Da wird nichts sein, um mich ein Raum aus undefinierbarer Masse mit undefinierbaren Menschen.

Aber da sind wieder meine Augen so stechend grün im Rahmen des Spiegels, darüber Licht in unangenehmem Gelb und selbst hier war das alles. Vielleicht war es aber auch nur der Alkohol.

Wieso weiß ich nicht.

Ich verbrenne. Und das in Lichtgeschwindigkeit.

Oh, let go of the one who stole your gold