balance up my indifferent mood

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∆ 7
Sie sagen, dass ich das gut kann. Ich nehme es hin, ziehe meine Energie daraus und meine Geschichten. Der Bass in den Ohren, Trommelfell, ich habe schon einmal davon geträumt, also von dem, was du gefragt hast. Déjà-vecu, ausgeprägt.
Dann berührt es mich nicht sonderlich, was man mir sagt von und über 25% Gene von mir. Das Krebsrisiko steigt. Ich möchte eher so sterben wie mein Großvater. Das sind die kleinen Wünsche.

Um die Kurve fährt die U2 mal wieder, rabiat. Der Bass in den Ohren: betäubend. Wie ich es auch meinem Vater schon sagte – Menschen mögen es, gesehen zu werden. Die schwarzen Löcher anderer sammeln sich in meinem Brustkorb, gelegentlich sind sie laut und sie scheppern wie Glaskugeln in einer Blechkiste. Da fühlt sich der Wurmfortsatz, der von meinem schwarzen Loch im Kopf übrig geblieben ist, nicht all zu allein.

So who am I, am I that kind
who will surrender and will not try
who is not worthy of the prize?
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happiness does not wait

Als würde man Leben zusammenklauben, als täte man nichts anderes. Weil es durch die Knochen geht. Metastasen im Bauchbereich, Gehirntumor, doppelter Herzinfarkt. Weil es gelegentlich nicht besser ist, zu wissen, was im Körper feststeckt. Wie die Borreliosebakterien, die wohl noch in meinem Rückenmark sitzen. Verbindungsstrang, man kappt so gerne altes, vernachlässigtes. Immer das Gefühl, man hätte etwas vergessen. Die Unruhe darüber, dass man sich nie zu zweihundert Prozent sicher sein kann. Die Komfortzone: ausgeweidet.

Leben auf einem Haufen und in blauen Müllsäcken. Darunter der Estrich, blank, nackt, kahl. Die Haut eines jeden Bodens, man kann Parallelen ziehen. Neben einem das rote Buch, in dem man täglich ankreuzt, was nicht immer in Wortform angegeben werden kann. Wenigstens blutet man sich wieder auf die Seiten. Der linke Arm schon eingeschlafen, weniger ist mehr. Kälte in den Fingern am Abend.

Zusammengefaltet wie eine Katze, auf inneren und äußeren Zuruf. Dann friert es sich nicht mehr ganz so leidenschaftlich. Am Morgen ist alles warm und brennt.

(Ólafur Arnalds – Happiness does not wait)

we see less and less all the time, dear II

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2011, 2012, 2013

∆ 6

Irgendwas geht immer kaputt. Egal wobei. Sie sagt das voller Inbrunst, mindestens einmal pro Woche. Weißt du, genau deshalb rede ich nicht mehr mit ihr. Weil sie es seit mehr als fünfzig Jahren sagt, direkt zu mir seit ich geboren wurde, indirekt zu mir seit der Geburt meiner Mutter. Du weißt schon, das Aneurysma im Kopf und der Mann, der deswegen nie zurückkam, das kann ich alles verstehen. Jetzt nichts weiter als ein Abziehbild von ihr, da im Haus in der Nähe des Waldes und der Stadt, aber ich kenne noch nicht einmal ihren Schatten. Manche Orte funktionieren nur, wenn sie leer bleiben.
Eventuell liegt es an ihr, dass ich ständig Augen hinterherrenne, denn sie stechen immer noch durch mich hindurch, auch wenn der dazugehörige Körper schon längst weg ist. Weil die von ihr so unstet in der Farbe waren wie die meiner Mutter und die von mir. Abwechselnd kalt und warm. Das muss wohl die Tagesform sein. Dann sagt man mir du verunsicherst und ich will ihnen nicht mehr sagen müssen, dass ich Angst hatte vor Menschen, dass manches davon bleibt. Dass man sich durch sich selbst lebt und die anderen, ja, das ist normal. Aber vermutlich ist jeder so. Es muss keine Angst sein. Ich lache oft, wenn mir etwas unangenehm ist. Latente Unsicherheit, ich kann das verstehen, die steckt auch mir in den Knochen.

Auch kann ich nachvollziehen, wieso die normale Orthographie so laut ist, wieso man anfängt, klein zu schreiben. Man kann alles so angenehm einkreisen, wenn man sich die Mühe macht.

don’t be so hot

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Ich finde dich in den Hauseingängen wieder. Kratze dich aus den Fugen im Durchgang und reiße dich von der Stelle, an der sonst auf dem Klingelschild mein Name steht. Sonst, ein irritierendes Wort, dessen Bedeutung sich im Kontext mit den Städten, in denen ich bin, verändert. Das ewige Semikolon in Wortform. Oder doch eher ein Aber.
In der Ubahn sucht sie in seinen Haaren nach einem Irgendetwas, es erinnert mich an Affen, die sich gegenseitig nach Läusen durchsuchen oder an Katzen, die das Fell des anderen lecken. Das Bewusstsein, dass wir Tiere in Maschinen sind und die Maschinen uns oft mehr bewegen als die anderen Menschen, die anderen Tiere, obwohl sie nur das spiegeln, was andere machen. Doppelt gefiltert, verglast. Dann ist das Abteil, der Wagen leer. Besonderes Hupen, meine Lippen sind trocken. Da fehlen wohl die anderen Tiere.

Man muss wissen wo die Orte sind. Die mit und die ohne Tiefenschärfe. Die, die nicht im Kopf sind. Die, die entweder bleiben oder reproduzierbar sind. Ich vermisse morgendliche und nachmittägliche Lichtstreifen auf meiner Wand. Hier tanzt gerade nichts, aber das ändert sich vielleicht mit den Jahreszeiten, sofern der Hinterhof nicht zu eng ist.

Und dann: fährst du mit mir ans Meer? Oder in die große Stadt, an der mein Herz immer so angenehm geblutet hat, da im Dreck der Themse?

Der wilde Schlag meines Herzens

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Und ich weiß nicht, ob es lediglich Seitenstechen ist, das in den Oberkörper strahlt oder der heilige Gral in meinem Brustkorb. Gegen 5:30 Uhr fange ich an zu rennen.

Das kann man auch aus sich herausziehen wie Saiten aus einer Gitarre. Schon bei meiner Elektrischen habe ich mich am Stahl geschnitten, da war nie genug Hornhaut auf meinen Fingerkuppen. Im Nachhinein ist das wohl auch besser so, sonst hätte ich kaum gefühlt. Oder ich hätte so wenig an meine Haut herankommen lassen wie an meine Fersen: schon oft hatte ich die Vermutung, dass ich den Bezug zur Natur verloren habe. Den mussten meine Augen und meine Lungen mühsam wieder herstellen.

Dann sagst du mir, dass du in Fragmenten schreibst. Ich muss lächeln, weil es bekannt vorkommt und eben weil ich das so sage, füge ich in Gedanken an „das ist schon in Ordnung“. Generell gesprochen: alles ist in Ordnung. Die Zeit habe ich an mir vorbeirasen sehen, ebenso wie ich den Putz an der Wand gegenüber habe in Krümeln abfallen hören. So fein, dass es wohl niemand außer mir hören konnte. Dabei haben sie um uns doch alle nur geschrien. Zumindest rede ich mir das so ein. Weil es bequemer ist vielleicht.

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frei nach De battre, mon coeur s’est arrêté 
(Dresden / Berlin; 2.10. – 26.11.)