Torben

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Torben, Dresden, Nov. 2012
Bronica SQ-Ai, Ilford Delta 400
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about loving darkness

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Sommer 2013, Dresden
Agfa XRG 200-N (expired 02/2005)

∆ 10

Weil ich dich nicht beunruhigen will, erzähle ich dir nichts von meinem Tag. Ich vermeide es allgemein, dir zu viel zu sagen, weil ich weiß, dass du meine Fährte aufgenommen hast, die Flinte im Korn riechst.
Du stellst Fragen, auf die du mir auch keine Antworten gibst. Ich stelle sie dir ebenso und trotzdem. Von vielem weiß ich, aber ich sage nichts. Das wäre unfair.

Weil ich nicht im Winter aufwachen will, verschlafe ich alles, lasse die Türen und Fenster zu. An meinen Wänden taucht der Tag auf wie ein monochromer Farbverlauf, der es gerade so über meine Fensterbretter schafft, aber nicht in mein Gesicht. Ich mag es nicht, wenn es mir die Augen zu sehr blendet. Denn die Listen, mit deren Abarbeitung ich beschäftigt bin, sitzen auf und neben mir wie all die Worte, die ich zwischen den Zeilen lesen kann und wegignoriere.

Weil ich nachts immer Fieber und Schüttelfrost habe, möchte ich in der Wärme bleiben, bevor sich die Kälte, die von außen, die mancher Menschen, wieder in meine Knochen frisst. Dabei liegt es nur an den kleinen Gesten, die man selbst ebenso initiieren kann; ich denke, dass du das weißt. Dass man deshalb so viel erzählt, was eigentlich nicht von Belang ist. Dass man sich nicht traut, Dinge zu sagen, die man nicht zurücknehmen kann. Andere nennen das Angst oder Hemmung, ich habe das schon lange in alles implementiert, was ich berühre. Eventuell schließt das Andere mit ein.

Deshalb.

fire arrow

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Selten blutet man noch in Schwarz-Weiß, das kostet Zeit.
Dann ist die Schale wärmer als der Kern, zu lernen hat man das, wenn man in seinen eigenen Innereien herumwühlt, feststellt, dass es besser wäre, sie im Körper zu belassen und sie wieder unter die Haut zurückdrängt. Zumindest sagt man mir das immer wieder.

don’t be so hot

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Ich finde dich in den Hauseingängen wieder. Kratze dich aus den Fugen im Durchgang und reiße dich von der Stelle, an der sonst auf dem Klingelschild mein Name steht. Sonst, ein irritierendes Wort, dessen Bedeutung sich im Kontext mit den Städten, in denen ich bin, verändert. Das ewige Semikolon in Wortform. Oder doch eher ein Aber.
In der Ubahn sucht sie in seinen Haaren nach einem Irgendetwas, es erinnert mich an Affen, die sich gegenseitig nach Läusen durchsuchen oder an Katzen, die das Fell des anderen lecken. Das Bewusstsein, dass wir Tiere in Maschinen sind und die Maschinen uns oft mehr bewegen als die anderen Menschen, die anderen Tiere, obwohl sie nur das spiegeln, was andere machen. Doppelt gefiltert, verglast. Dann ist das Abteil, der Wagen leer. Besonderes Hupen, meine Lippen sind trocken. Da fehlen wohl die anderen Tiere.

Man muss wissen wo die Orte sind. Die mit und die ohne Tiefenschärfe. Die, die nicht im Kopf sind. Die, die entweder bleiben oder reproduzierbar sind. Ich vermisse morgendliche und nachmittägliche Lichtstreifen auf meiner Wand. Hier tanzt gerade nichts, aber das ändert sich vielleicht mit den Jahreszeiten, sofern der Hinterhof nicht zu eng ist.

Und dann: fährst du mit mir ans Meer? Oder in die große Stadt, an der mein Herz immer so angenehm geblutet hat, da im Dreck der Themse?

yes this is my broken shield

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Das ist die Umwandlung. Vom Bewohner zum Besucher; das tut noch Monate später weh. Die letzten Male, die ersten Male. Ich bin nicht nur der Urlauber, das wird ein Experiment. Alles brennt. So schön neu. Meinst du das? Meintest du das?

Ich habe gesehen, wie du am Fenster standest und mir nachgesehen hast, das hast du sonst nie getan. Auf einmal warst du in meinen Armen so klein und ich wusste nicht, wo das herkam. Vielleicht hat es sich angedeutet, dieses kleiner werden, vielleicht werden das auch mal Menschen, die mich lieben, so sehen und fühlen. Wir werden alle immer kleiner.
Als sie mir sagte, dass das der Stachel ist, der bleiben wird, habe ich es nicht zu ernstgenommen. Im Nachhinein stimmte es, wie alles, was sie mir sagte.

Eine Stadt zu lieben ist mir immer schwer gefallen, das war in meiner Heimatstadt sogar unmöglich. In London waren es Seven Dials bei Laub und Spätherbstsonne, Merica und unsere abendlichen Spaziergänge nach Waterloo Station, um Menschen beim Leben zuzusehen. In New York waren es die Nähe zum Meer und die merkwürdige Kälte in den U-Bahnen, die Schwüle am Abend und die Lichter am Times Square.
Hier sind es die Menschen, nicht die Stadt. Letztes Jahr habe ich Dresden verflucht, ganz besonders die Zeit mit F, die Orte hier, die wehtun, die Orte hier, die ich nicht entknüpfen kann von Erinnerungen, die rütteln am Fundament, das sind die Sachen von früher, die von vor Jahren.
Es ist in Ordnung. Das Gehen ist nicht das Schlimmste, es ist das Zurücklassen. Ich habe gesehen, dass du erst das Licht ausgemacht hast, als ich links den Berg abbog und nicht mehr in Sichtweite war.

Das ist die Umwandlung vom Beobachter zum Veränderer. Für sich persönlich; das sind die Tage, an denen man durch die Straßen schwimmt, also die im Licht. Das „Happiness: only real when shared with you“ auf dem mittlerweile dreckigen Bettlaken. Das sind die stillen Momente, die ganz stillen, die, in denen ich kaum zu Atmen wage. Weil jede Stadt anders klingt, wenn sie leise ist. London: Hintergrundrauschen der Klimaanlagen, New York: entferntes Sirenengeheul, Dresden: das Klingeln von Fahrrädern am Sonntagmorgen oder einfach nur Nichts.

Es ist schon gut, ich werde das niemandem erzählen. Niemandem. Das bleibt unser Geheimnis. Ich weiß, dass du weinst, gelegentlich, wenn du an mich denkst. Und ich weiß, dass du mir das nie sagen würdest. Das ist in Ordnung, wichtig ist, wie es dir geht.

Ob man darüber schreiben sollte? Ob man das darf? Ob das nicht makaber ist oder beinahe ein Selbstfleddern? Alles brennt. So schön neu.

In fields of shadows you’re the flickering light
That keeps me walking towards what’s right.
And like the astronaut scared to fly
I sometimes wonder… is it all a lie?

someone set fire to the place I used to call my home

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Dieses in Boxen leben, Orte, die ich nie lieben konnte auch wenn ich es wollte und die ich jetzt nicht lieben will, weil ich sie hasse. Mir fehlen die Worte bei den Gedanken an diese Gegend, es schnürt die Kehle zu; das ist Schmerz.

//

(20.3. – 04.23)

Das war das Haus am Meer, von dem ich mir immer erhofft hatte, es könnte meine Seele retten, es war noch nicht einmal das Meer an sich, da brauchte es keinen Ozean, keinen See, da reichte ein kleines Plätschern, ein Rauschen, das auch von den Autos und Zügen kommen konnte, die ich eigentlich nicht mehr ersehen konnte. Es musste wirklich nicht von dem kommen, aus dem alles geboren wird, da reicht das Licht aus und lange Korridore, die mit Holz belegt sind, es reicht aus, wenn sie nur zu mir sprechen, wenn sie quietschen, weil mein Geist zwei Schritte vor mir steht und ich irgendwo verlernt habe, all mein Leben mit anderen zu teilen, weil ich es hinschreiben muss, immer dahinschreiben muss, weil sonst nichts Sinn macht; da fehlt der Kontext, da sehe ich ihn aber trotzdem in dem Nichts zwischen mir und dir und mir ist dabei absolut bewusst, dass dieses du mit einem anderen Körper gefüllt werden wird, immer diese Konnotationen, immer diese Art, wie man das du ausspricht. Gefährliches du, ich habe Angst vor dir entwickelt, hilfloses du, ich weiß nicht so recht, ob ich Angst vor dir haben darf, abweisendes du, es frisst sich beinahe schon Bedauern in meine Knochen. An einer anderen Stelle Rahmen vor meinen Augen, sie kämpfen mit mir und um mich, eigentlich sollte der Lektor schon lange wieder angeschaltet sein, aber bei dir und der Konnotation, die ich dir immer gegeben habe, funktioniert er nicht.
Und eigentlich habe ich schon vor langer Zeit aufgehört, über dich zu schreiben, aber dieses Konzept gefällt mir, dieses Erinnern in Schriftform ohne dass es dieses du überhaupt noch geben muss, weil es keinen interessiert, vor allem dich nicht, es könnte auch einfach nur diese Warnung mitten in meiner Handfläche sein, das, was ich fast schon aufs Papier geblutet habe als halbe Drohung: ich gehe vorbei.

this place still looks the same
down to the drunks and homeless ones
I should be leaving

I am fine, I am fine
I shut doors and windows
and sleep for days

(September Malevolence – I Shut Doors and Windows)

and everyone knows you’re trouble

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Das mit dem Licht habe ich gemerkt, auch das mit den Orten, an denen ich war, eigentlich habe ich mir das alles schon denken können, aber das ist an mancher Stelle sehr schwer. Als gäbe es diese unausgesprochenen Worte an Orten, an denen man einmal war, die man seit der Kindheit jedoch vergessen wollte. Die Hände der Großmutter, die sich in die Schultern fraßen, als wären sie Säure, Jahre später die großen Hände, die sich in meine Haut brannten und heute noch in meinem Blutkreislauf sind. Das war dann der Tag, an dem die Stadt still stand, vor sich hinruhte wie das, was sie eigentlich ist – Provinz; wie es also vor sich darniederlag, die schweren Züge in alle Richtungen, auch ich würde hier am liebsten nur durchfahren, das Gleis drei am Hauptbahnhof, das nicht mehr wehtut, die Planen, die es dort gab, sind auch fast schon alle weg.
Unter meiner Haut wuchert gerade ein neues Jahr, fast schon wie ein bösartiger Tumor, es reißt mich mit und ich weiß noch nicht genau, ob mir das gefällt oder nicht. Wie bei Malte Laurids Brigge sticht alles noch tiefer in mich hinein: ich will gar keinen dezidierten Fokus, ich will all das, alle Impulse um mich herum und noch weniger Filter.

you’re never running from this town
and to think you said
you’ll never get anything better than this
cause you’re going round in circles