it’s too cold for you here

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Ich glaube, ich versuche zu kartographieren, was ich nicht lieben kann – solange ich die Gelegenheit dazu habe. Vielleicht kann man dann begreifen, was aus gutem Grund nicht durch den Körper jagt, vielleicht kann man dann verstehen, wo all das herkommt und wo all das hinwill. Oder auch, weil man sagen möchte, dass das alles hier aufhört und an einem anderen Ort weitergeht.

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too insistent

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Wir machen das wieder zur Regelmäßigkeit. Alte Muster wiederherstellen, dort, wo sie gesund sind. Und trotzdem habe ich wieder ein paar Pflanzen meiner Mutter vertrocknen lassen. Sie spricht von Kollateralschäden, ich gieße weiter auf die zu trockene Erde, in der Hoffnung, es ist nicht zu spät. Im Anschluss ziehe ich alte, tote Blätter ab, die Zukunft wiegt immer so schwer in dem, was man abstoßen muss, vielleicht, weil dieses Tote mal Futur war und in allen Ritzen auf einen zu warten schien. Selbst in den Zwischenräumen im Teppich und den alten Fensterbildern, die man malte, als man zwölf Jahre alt und noch desillusioniert war. An einem beliebigen Tag hört das auf, es hört auf, weil es konserviert ist in abgestandenen Worten anderer Menschen, gefiltert durch die eigenen Fingerspitzen und Nervenbahnen. Ja, irgendwann hört das auf, weil selbst das das Nichts nicht retten kann.

should we act like people
who think they have seen it all?

your ex-lover is dead

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neununddreißig
Ort A, Ort B. A: wohlig-warm, hell, irgendwie unpersönlich, aber meins, transferierbar an alle Orte, an denen ich sein kann. B: abstoßend, wenn auch realer, hässlicher. Wir betrachten Abzüge von A und B. Was machen die Orte mit Ihnen? Ich sage ihr, dass ich mich in der Hohen Straße wohlfühle, obwohl man eigentlich denken könnte, es würde einem gerade hier schlecht gehen. All die Schmerzen von anderen Leuten, konserviert in den Dielen und dem Sofa und den Sesseln und geschrieben auf das Flipchart. Stimmt, wenn man es so bedenkt, ist das ein Zwiespalt. Und der andere Ort? Oft kommt das Wort irgendwie, ich kann ihn nicht so recht benennen. Es tut weh und er tut mir nicht gut, das ist irgendwie eine Art negative Nostalgie. Andere nennen es zu Hause oder Heimat, ich wünschte mir, der Ort würde abgerissen, abgebrannt, zu einer Wiese verwandelt. Damit das Leben in Boxen aufhört, konservierte Schmerzen, damit richtiges Leben anfangen kann und ich mich nicht mehr so lebendig daran erinnern muss.
Dieses Mal ist es mir beinahe schon peinlich und ich lache viel. Nein, peinlich ist es nicht, nur bis zum äußersten Grad unangenehm. Wie geht es Ihnen damit? Ich weiß es nicht so wirklich, ich bin verwirrt. Das kann ein gesunder Schritt in dem Abschiedsprozess sein. Was macht es mit der Wunde? Ich weiß es nicht. Mein Bauchgefühl ist wieder da und auf der anderen Seite lachen sie mich aus und dann ist da das komplette Abplatzen meiner Maske und ich habe mich so erschrocken, das Stunden später zu lesen und zu sehen, dass ich mich schon wieder so nach außen gekehrt habe, dabei wollte ich das doch nicht mehr. Dieses nach außen, dieses Offenlegen, das nie ernstgenommen wird, vielleicht, weil ich es nie richtig gelernt habe. Und es wird sowieso nichts ändern,  Finden Sie? Wie war es denn früher? Denken Sie an den Störungsbaum, an die Lebensgebote. Ich schreibe sie auf einer Karteikarte auf, fein säuberlich. Die Lebensgebote kommen mir weit entfernt vor, nur meine Schrift erkenne ich so richtig.


Es riecht nach Tod, unaufhaltsam; Schuldbewusstsein: er stört kaum, er ist lange schon erwartet. Die Manifestation der Abwesenheit einer Person. So abgebrüht bin ich nicht, Maske invertiert: durchaus.

vierzig
Ich sitze da und lache, ich glaube, ich lache schallend. Neben mir die große Tüte von IKEA, die ich mit Sachen gefüllt habe, die ich bei meinen Eltern hatte; heute gehe ich wieder zurück nachhause. Nachhause? Wo auch immer das ist. Jetzt bin ich aber erstmal hier.
Sie schaut irritiert auf die Tüte und auf mich, wie ich da in der Halbsonne sitze und lache. Ich kann es verstehen, sie kennt mein hilfloses Lachen. Jetzt ist es aber nicht hilflos. Ich lese vor, viel, sie sieht mich an und ich sehe, wie sie mich verwundert ansieht. Das macht ja alles komplett überhaupt keinen Sinn. Das sage ich ja auch, was soll das? Und wenn Sie das direkt mal fragen? Da kann ich mir noch mehr Spott abholen. Als hätte man das Recht, sich auf einen Sockel zu stellen und so zu tun, als wäre alles in Ordnung gewesen, das stört. Und als hätte ich mir alles nur eingebildet, als wäre ich die Einzige mit dem Problem. Als wäre ich, die Hilfe hat, diejenige, die Rettung braucht.
Ich erzähle ihr, was mir in der letzten Zeit aufgefallen ist. Was für eine Art von Beziehung möchten Sie eigentlich führen? Ich überlege etwas länger. Ich will eine Verbindung, die mich fordert, mich aus mir herauskitzelt, einen Menschen, mit dem ich auf den verschiedensten Ebenen gut kann, auf der künstlerischen, auf der intellektuellen Ebene. Irgendwie blute ich viel lieber intensiv als dass mich noch nicht einmal irgendetwas berührt. Und ist es bei solchen Arten von Beziehungen nicht eine Art Konsequenz, dass das Danach, das Ende, schmerzhaft und einschneidend sein kann? Treffer, versenkt. Und möchten Sie eine Beziehung haben oder führen, die Sie persönlich als unterdurchschnittlich betrachten, als „ich habe jemanden, damit ich nicht alleine bin?“ Treffer, versenkt. Nein, dazu bin ich mir wirklich zu schade. Und möchten Sie wirklich jemanden an Ihrer Seite, der Sie nicht respektiert, der Ihnen einredet, was Sie zu glauben haben, der Ihre emotionale Intelligenz permanent in Frage stellt oder sie gar versucht Ihnen auszureden? Um Gottes Willen, nein. Das ist so wie die Gespräche darüber, dass ich ja jemanden brauche, der sich finanziell um mich sorgt. Ich kann für mich selbst sorgen. Ich bin allein schon genug, ich sehe das andere als das Tüpfelchen auf dem i. Und ich erwarte Freiraum. Gut, ich könnte mir nämlich auch nicht vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein, der nicht emotional intelligent ist und ich denke, für Sie gilt dasselbe.
Wir erörtern das drumherum, ich frage nach, wie das mit anderen Störungsbildern ist. Manche müssten ein Leben lang Medikamente nehmen, um ihre verschiedenen Tendenzen im Gleichgewicht zu halten. Ich erschrecke, sage ihr, eigentlich habe ich ja fast schon Glück gehabt, sie nickt. Aber Sie haben auch genügend Einsicht, Sie arbeiten an und in sich. Ich weiß nicht, ob das viel Sinn macht, auf jeden Fall aber bin ich irritierter, als die Sitzung um ist. Und trotzdem geht es mir immer besser.

einundvierzig
Mir fällt auf, dass ich es immer weniger „brauche“, dass ich immer weniger abarbeiten muss; ich denke, dass das ein gutes Zeichen ist. Man hat mich mal gefragt, inwieweit eine Therapie das eigene Leben übernimmt und ich wusste nicht genau, was ich sagen sollte, ich sagte, es wird einem nicht das leben abgenommen, wenn dann wird es vielleicht einige Zeit geleitet. Ich weiß noch nicht, wann und ob ich ihr das sagen soll, ob erst in der letzten Sitzung oder schon jetzt; für den Moment lasse ich es.
Sie lächelt, ich ziehe eine Schnute. Es war komisch, aber ich bin jetzt ein Jahr älter, immer noch so wie vorher, jetzt offiziell ohne Kindergeld, habe in Berlin mit dem Mietwagen keinen Unfall gebaut und habe mich auf der einen Seite sehr sehr wohl und auf der anderen Seite sehr angespannt gefühlt. Sie lacht, als ich ihr sage, wir hätten danach gegoogelt, wie genau das beim Mini mit dem Licht funktioniert. Und dass wir nichts gefunden hätten. Sie erzählt mir davon, dass sie eine Zeit lang das Gefühl hatte, sie sei noch fünfundzwanzig. Daran kann ich auch nichts verkehrtes finden. Der Gedanke an meinen Vater, der mir sagte, ich sehe jetzt auch erwachsen aus, passend zu meinem Inneren, das schon viel früher da war, wo mein Körper jetzt ist – deckungsgleich: Herz, Intelligenz, Körper.
Sie passen auch irgendwie besser nach Berlin, oder? Das sagte ich die ganze Zeit, ich sage ihr ebenso, dass ich mich jetzt schon darauf freue, öfter in Hamburg sein zu können, bei S, wieder auf den Landungsbrücken zu stehen und mir zumindest vorzustellen, ich wäre gleich am Meer. Auch wenn das, an dem ich stehe, mit großer Wahrscheinlichkeit auch schon durch Dresden durchgeflossen ist.
Mir sind ein paar Sachen aufgefallen bei dem Vergleich den ich ziehen sollte zwischen meinen Ansprüchen an meine Beziehung und dem, was ich erlebe und sehe und fühle. Und wie traurig mich manches gemacht hat. Wissen Sie, es ist so, dass jeder seinen eigenen Rucksack zu tragen hat, mit Steinen die leichter oder schwerer sind als die, die in Ihrem Rucksack sind. Sie müssen diesen Rucksack nicht für die anderen tragen. Das weiß ich, nur weiß ich nicht, wie ich helfen kann. Sie haben Ihren eigenen Rucksack, Ihr eigenes Päckchen, das reicht. Wichtig ist, dass Sie da sind. Ja, schließlich war ich viel zu lange nicht da, auch wenn ich physisch anwesend war. Ist es jetzt besser? Es ist besser, es geht besser, ich habe das Gefühl, dass ich lebe. Dass ich mich nicht mehr durch Stacheldraht rolle. Merkwürdig, dass ich früher dachte, eine Therapie könne mir nicht helfen, dass ich nie glücklich sein könnte. Ihre Form von Glücklichsein hat eine andere Qualität, geht die nicht viel tiefer in Sie hinein? Das ist auch wahr.

zweiundvierzig
Wir sind diesmal in einem anderen Raum, eigentlich nur nebenan, er ist kleiner, die Fenster ebenso. Ich muss mich erstmal sammeln, ihr sagen, was ich mir lange schon bereitgelegt habe, seit den letzten beiden Sitzungen. Dann sehe ich sie an und sage, ich habe Lust mit Liebe vermischt, womöglich sogar verwechselt, aber dass das alles keine Bedeutung mehr habe, dass es mir gut geht, vor allem ohne ihn und ich sie fragen musste, ob ich mich deswegen schuldig fühlen müsse. Sie hatten ja, finde ich, schon seit Monaten angedeutet, dass Sie diese beiden, also Lust und Liebe, durcheinander gebracht haben, aber ich finde das ganz und gar nicht schlimm. Wann und wo hätten Sie denn etwas anders gemacht? Ich nenne zwei Ansatzpunkte, aber das ist der Fehler der Retrospektive, das alles konnte ich ja nicht wissen. Ich konnte nicht wissen, wie es mich zersetzen würde und ich könnte nicht wissen, dass ich doch nicht den Kern sah sondern eine Maske. Sie sieht mich an. Ich glaube, Sie haben alles richtig gemacht und es stimmt, wenn Sie damals das Wissen von heute gehabt hätten, hätten Sie wohl schon viel eher gesagt, was Sie zuletzt mitteilten. Nur fühlt es sich ja nie so einfach an, denn selbst am Ende war ich noch viel zu vergebend. Wie meinen Sie das? Mir flattern verschiedene Begriffe durch den Kopf und dann denke ich an die Masse an Häuten aus denen ich gewachsen bin seit August und dann sage ich ihr, dass ich, hätte ich die Worte vom Mai im Dezember gelesen, nicht mehr leben würde. Sie nickt, sie hat es verstanden.
Es gibt Dinge, die werde ich nie hinterfragen, die stehen für sich da und das ist gut so. Und wenn es mal zu einer Zufallsbegegnung kommt? Daran will ich nicht denken, aus jetziger Sicht würde ich der Person vor die Füße spucken und gehen. Es gibt immer Dinge, die man nicht weiß, Dinge, die man sich erdenken muss, aber mit dem heutigen Wissen muss ich sagen: ich will gewisse Menschen nie wieder sehen, ihre Bedeutung haben sie selbst mit sich aus meinem Leben herausgerissen. Und was ziehen Sie für sich selbst daraus? Ich war stark, für einen Menschen in den verschiedensten Stadien und ich habe meine persönliche Grenze greifbar gemacht, habe meine Notbremse gezogen, weiß jetzt, was ich will, weiß, was ich wert und wie stark ich bin, weiß, dass es in Ordnung ist, sich für einen Menschen so aufzureiben, einen, bei dem man für ein paar Minuten ein zu Hause hatte, dass es in Ordnung ist, zu kapitulieren, dass es in Ordnung ist, zu trauern um einen Menschen, der weg ist.
Das ist mehr, als die meisten behaupten könnten nach so einer langanhaltenden Berg- und Talfahrt wie bei Ihnen. Das vielleicht, aber ich bin froh, dass die Grausamkeit endlich ein Ende gefunden hat, das mit den Schmerzen hat mir für ein halbes Jahr gereicht. Trotzdem wären Sie, nüchtern betrachtet, ohne diese Erlebnisse, nicht die Person mit dem Erfahrungsschatz wie Sie sie heute sind. Was sie sagt, stelle ich nicht in Abrede. Das ist das, was ich nie in Frage stellte und das ist das, wofür ich dankbar bin. Ich lebe noch oder besser gesagt, wieder und das ist das wichtigste, der Rest ist mir gleich. Indifferenz ist eine Schutzfunktion und Ausschlachten werde ich das Thema sicherlich noch auf meine eigene Art und Weise, aber es tut nichts mehr weh. Ist da etwas anderes außer Indifferenz? Wut wäre unverdient, die Energie kann ich für anderes gebrauchen, fürs Leben, fürs Genießen. Es gibt den feinen Unterschied, dass ich mit mir selbst leben kann, ohne wie ein Kartenhaus umzufallen. Aber ich will das nicht weiter thematisieren und dem Ganzen eine Wichtigkeit zuordnen, die es seit Monaten eigentlich nicht mehr hat. Ja, da ist bei allem die Crux, auch bei Sitzungen hier. Eben dass man gewissen Dingen eine Wertigkeit zuordnet, was das alles in Bewegung hält, man sich aber auf der anderen Seite davon lösen will.
Ich frage sie, wie das eigentlich bei mir damals ablief, da ich so schnell schon einen Therapieplatz bekam und es alles so schnell anfing. Neben ihr ist ein großer Stapel, meine Akte liegt ganz oben, sie ist die dickste von allen, sie blättert ganz an den Anfang. Es war zumindest nicht so akut, als dass wir Sie direkt in eine Klinik hätten weiterleiten müssen, also dass Sie alleine nicht lebensfähig gewesen wären. Irgendwie bin ich erleichtert. Aber man sieht sehr deutlich, wie schlecht es Ihnen ging. Womit sie nicht rechnet, ist, dass ich ihr danke, dass ich das Gefühl habe, ich hatte sehr viel Glück, dass ich sie als meine Therapeutin bekommen habe. Ich glaube, wir haben beide viel Glück bei unserer Mischung. Ja und ich habe das Gefühl, ich komme viel besser zurecht, ich brauche die Sitzungen nicht mehr so dringend wie früher, wo ich mir dachte, ich muss zur Therapie, wo ich immer viel zu früh kam, weil ich nicht mehr zu Hause sein wollte. Das freut mich sehr, ich denke, dass das das größte Kompliment ist und auf den Erfolg der Therapie zeigt. Mir wird es schwerfallen, nicht mehr herzukommen, aber ich weiß, wie ich mit mir leben kann. Dann sage ich ihr, dass ich mein Studium abbreche, das ist eine logische Konsequenz. Mir hätte das letzte halbe Jahr nicht passieren dürfen, mir hätte die Klinik nicht passieren dürfen und so ein paar andere Begebenheiten, eigentlich hätte das ganze letzte Jahr nicht passieren dürfen. Aber es ist keine verschenkte Zeit.
Am Ende planen wir die letzten drei Termine. Merkwürdig. Es geht mir gut.

I’m not sorry it’s over
I’m not sorry there’s nothing to say

ding dong

Untitled by smallcutsensations

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Er würde mir das Handgelenk brechen, sagte er oft und fügte zumeist relativ schnell noch an, dass das alles reine Hypothese sei. An mir sei so vieles schmal und klein und zerbrechlich und meine Handgelenke seien wie ein Stück Seele, das zwischen seinen Daumen und seinen Zeigefinger passt. In seinen Augen sah ich die Faszination über das, was passieren würde, würde er weiter zudrücken, mindestens bis ich vor Schmerzen schrie. Wenn er auf dem Weg dorthin zu sein schien, erschrak er manchmal. Einfach so. Er erschrak und er sprach dann wieder, sorgfältig und eilig, davon, dass ich seine Wut niemals sehen dürfte.

Es fehlte schon immer das Verständnis dafür, das Glauben an den guten Ausgang. Gelegentlich erwähnte er, dass er das nie gelernt hatte. Ich dachte, es gäbe am Ende immer so etwas wie ein „das wird alles gut,“ ein verbales Streicheln der Schulterblätter. Womöglich konnten wir das alles nie, weil man selbst das richtige Berühren lernen musste. War es nicht das angemessene, war es nur ein Schlag ins Gesicht, nicht mehr, nicht weniger.
Gewisse Begriffe musste ich mir aus dem Wortschatz streichen, solche etwa, die identifizieren konnten, was sowieso nicht zu identifizieren war, unser ganz persönliches Paradoxon. Und an einigen Tagen weiß ich nicht mehr, wie es möglich war, so still zu sein, während wir uns in die Gesichter schrien und das Trommelfell zu platzen schien wegen all dieser Unsäglichkeiten, wegen all dieser unaussprechlichen Worte. Wegen all dieser schmerzhaften Abtrennungsprozesse wuchs mir wieder Betonhaut über den Körper, aus Wänden so hoch wie breit.

milk & black spiders

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Ich erinnere mich nicht mehr daran, ob es meine Haut ist, die sich weitet, der Container also, oder ob es der Inhalt ist. Viel zu viel vergessen, viel zu viele Farben verpasst, ein Leuchten im Nass, mal grün, mal blau, mal golden, als würde sich das Ich eines Du, das ich mal kannte, vor meinen Augen aufspalten. Mir nicht mehr bekannt ist, um welches Du es sich handelt. Die Anschläge auf der Schreibmaschine, sechzig lang, dreißig tief, rekonstruieren und erklären das Präteritum. Oder ist es wieder das Problem mit der Retrospektive?
In meinem Fleisch, in der Wunde, muss ich nicht mehr herumwühlen, die Wunde ist zu, schließlich habe ich immer Salbe draufgeschmiert. Und jetzt berührt mich das alles noch nicht einmal mehr. Das Hervorschieben des Filters an Stellen, an denen es gesund ist.

Es sei versprochen, alles bis zur zweiundvierzig kommt noch. Ich hatte es lediglich verwechselt mit Schmerz, dabei war der nur temporär. Zum Glück ist dieser Spuk endlich vorbei.

Green, broken glass ocean
You break me, slow motion
No map, no message
It’s the deep, blue screen I know
Cause I know you’re still with me

You my compass and my sea

hurricane

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Wie eine einzige große Wunde, eine, die heilt, eine, die nicht wehtut. Krind, das kontinuierliche Sich-Schälen bei Worten, die erbaulich fremd klingen und doch dieselbe Sprache sprechen wie man selbst. In zwei Monaten ist das alles vorbei, dann denkst du nicht mehr daran. Meine Realität und ein Teil davon, der sich zu regenerieren versucht. Das alles könnte funktionieren, denke ich mir. Wenn du richtig sauer bist, wirst du so kalt, auch in deinen Worten, das muss doch auffallen. Tut es aber nicht bei vielen.

nights like this
I become afraid
of the darkness in my heart