oh, just finish me

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

Wir haben zu viel darüber geredet, nein, ich meine wir haben zu viel nicht darüber geredet. Vielleicht fühlt es sich deshalb so an, als es würden wir in einem dieser Bücher leben, wo sie die wichtigen Worte herausgeschnitten haben und nicht unterstrichen. Du weißt schon, wie bei Jonathan Safran Foer. Und genau das ist kein Missverständnis. Weil du nicht mehr von deiner Odyssee zurückkommen wirst und weil ich trotzdem eine Penelope bin, eine, die geduldig ist und wartet. Aber dann habe ich heute verlernt, an die Geschichten in den Büchern zu glauben, denn du bist nicht darin, ich ebenso wenig. Du tauchst auch sonst nicht mehr auf, das ist einfach, du hast die Sitzfläche auf meinem Stuhl desinfiziert von dir, so rein wie in einem frischen gut geputzten Operationssaal und trotzdem eitern meine Narben, sie brechen so auf, als wäre ich gerade am Zergehen. Dabei sagen sie mir es liegt noch so viel vor mir.
Ja, die Tapete wieder, Raufasertapete, dann sind da Menschen, bei denen Dinge funktionieren und dann die andere Seite. Die Menschen, für immer. So oder so rede ich mir das ein, aber sie bleiben nicht, nicht für immer zumindest. Hier reichen sie mir Limonade, dort reichen sie mir Wein. Worte von vor Monaten, denen ich nicht mehr Glauben schenken kann, ausgeschnitten aus  Briefen wie bei Foer, du weißt schon, mein sich kaputtkämpfen, umsonst, wie alles in diesem Zimmer umsonst war. Ist. Der ewige Kampf gegen das Präteritum macht meine Gegenwart kaputt.
Da drüben auf dem Fensterbrett eine neue Grünpflanze, in der Waschmaschine Kleidung, das Fenster in der Küche ist noch auf. Die Dielen sind zu splitterig, die Zukunft kam zu spät – Widerhaken: nicht im Holz, mitten in meiner Haut. Mittendrin. Du lässt mein du zu Ende gehen, unbequem, es hat zu sehr gezwiebelt in der Haut, vielleicht. Unverschlüsselte Austauschbarkeit, du machst es deutlich. Alles geht vorbei, alles von dir, du selbst gehst vorbei, falsche Prämissen. Ich kann nicht mehr von dir schreiben: du bist nicht mehr das du, das mit zitternden Beinen auf meinem Stuhl saß. Du bist nur noch ein Geist in meinem Blut, überall. Und jetzt? 

Menschen, für immer. Vielleicht, irgendwann.
„Such dir jemanden, der dir nicht wehtut“ singen alle anderen mir vor.
Ich zumindest werde nie wieder ans Telefon gehen.
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dream me, oh dreamer

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

Das sind die Kerben, die in ein paar Jahren nach Charakter aussehen, die, die man auch nicht mehr wegfräsen kann, dazu müsste man die Dielen komplett austauschen, dann könnte man eigentlich gleich schon die gesamte Wohnung neu einrichten. Ich fahre durch die Schnitzer im Boden, mal mit dem Nagel, mal mit den Fingerkuppen, finde nicht, dass man diese Zwischenräume wieder ausfüllen müsste. Sie stehen so im Kontext wie die Interferenz von dir und mir und allem, was auf dich und mich einprasselt, gelegentlich ist es Regen, dann ein Blizzard, an manchen Tagen ist es die Sonne, Nebel oder direkt eine Bahn Wasser aus dem Wasserhahn.
Meine Augen drücken, das ist wohl die Ratlosigkeit, das ist wohl das Ausbleiben, die Abwesenheit, meine Hände dort, wo deine Haut die Laken gewärmt hat, die Erinnerung daran, was ich immer sagte und sage und sagen werde, neben dem Bett liegen Abzüge, der wachsende Stapel aus Büchern, die ich wohl doch nie lesen werde. Da drüben geschriebene Worte, das sind deine, sie sind Monate alt, ich hebe sie auf.
Du hast ein paar Kerben vor dir, deine Hände fahren die Widerhaken nach, du schneidest dich an altem Stacheldraht, der dabei ist, zu verrosten, er schneidet mal mehr, mal weniger, er ist noch da, aber die Tage bewirken, dass du dich immer weniger so richtig daran erinnerst. Bei dir stehen keine Blumen auf dem Fensterbrett, keine, die du so gießen musst wie die bei mir, da ist auch keine Waschmaschine, die du anstellen musst. Da ist deine Essenz, das ist das, was eigentlich immer noch auf dem Stuhl neben meinem Fenster sitzt, während ich noch deine Hände in meiner Haut spüren kann. Aus der Wochenzeitung, die ich abonniert habe, aber nie lese, würde ich mit dir gerne die unwichtigen Worte streichen, damit das, was wir uns versprochen haben, als einziges übrigbleibt.

but be prepared to bleed

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

Das wird schon alles wieder vorbeigehen, das sagst du zumindest, das sage ich, das sagen wir alle, aber dann reden wir von diesem unerklärbar nach unten drückenden Stempel, diesem komischen Stück aus Last und selbstauferlegter Bürde. Das ist dieses Ding, das man Aufrichtigkeit nennt, das kann einem niemand vorwerfen, das kannst nur du selbst und dann zwiebelt es besonders hart auf und in der Haut. Es ist eine kleine Erinnerung an das, was du dir sagst, das sind Dickichte in den Luzidträumen, sie verfolgen einen gelegentlich, das ist die Starre, wenn man nicht in den eigenen Körper zurück kann, diese Lähmung, die einen an das Gefühl erinnert, beim Gedanken an etwas aufzuwachen, das man letzte Nacht fast schon vergessen hatte. Omnipräsenz in der Abbauphase, dann das Einfahren in den Körper, allein, alleine in das, wo mal zwei gewohnt hatten, zurück in die auf einmal viel zu große Hülle, die trotz allem so gut sitzt, dass man nicht aus ihr herausplatzt wie ein zu voll gestopftes Sofakissen. Das ist wohl vorrangig so etwas wie eine Murmel in einer überdimensional großen Urne, dieses Sich-Selbst-Ausfüllen, das schon vorher mal funktioniert hat, das, was man immer erst wieder erlernen muss.
Die Blumen auf meinem Fensterbrett sind mittlerweile vertrocknet, das war zu erwarten gewesen, wie soll das auch alles funktionieren, so ohne Wasser, und die Blaupause meiner Gedanken in Richtung Leben funktioniert auch nicht so wirklich. Ich habe es mir hier häuslich eingerichtet, um den Schlafplatz auf den Dielen herum all meine Nachrichten, ein Stift, immer Papier, der Drang, alles, aber auch alles restlos zu sezieren, bis ins kleinste Detail, ähnlich, eine Art MRT, bloß eben, dass die Maschine schon in mir ist. Man muss nicht mehr hinaussehen.
Und du zündest dann die Briefe an, die, die nicht kommen, du lässt es teilweise vor sich hinflackern, weil die Flamme doch noch etwas wärmt, aber was macht das schon mit dem Zwischenraum des ja und nein und nichts? Man kann nur Vermutungen aufstellen, aber das Blut pulsiert durch die Adern und Venen und Organe, fährt auch in die Schlangenbeine, zieht den Fokus vom ja und nein und nichts zurück auf das, was so vorzüglich in der Brust vor sich hinpocht.
Vor dem Fenster schreien sie in Sprachen, die unfreundlich klingen, hier und da kommen Rauchzeichen an, riecht es nach Fisch und verbrannter Kohle. Dann die Schwärme voller Krähen ein paar Meter über dem Feuer, dem Wald, sie ziehen Richtung Flughafen, so halb in einer Formation, die an das Aufklaren nach einer Schlechtwetterfront erinnert. Wie das Gefühl, das man beim Ankommen an einem weit entfernten Ort hat, auf den man sich seit Wochen freut oder die ersten Tropfen heißes Wasser, die einem unter der Dusche die Haut verbrennen.
Die kühle Luft fährt an einigen Tagen noch durch die Kleider, die zweite Haut an meinen Beinen war doch zu dünn. Aber auch wie bei mir ist deine Epidermis unversehrt, man könnte fast übersehen, was so schmerzt, aber ich kenne das, ich habe es gesehen, erinnere mich an es, weiß, wie es sich anfühlt und wie es aussieht, eine Art schwarzer Schatten direkt unter der obersten Schicht, manche verwechseln das mit einem Grauschleier. Das ist das, was heilt und noch wehtut, habe ich immer gesagt, füge für mich hinzu: dir und mir. Und auch das ist der Wachstumsschmerz, von all meinen Worten müssten dir eigentlich noch die Ohren bluten, aber obwohl ich froh bin, zu hören, dass da kein Blut auf den Boden tropft, fließt, denn hören könnte ich nur dessen Echo, bricht mir die Wehmut darüber den Brustkorb auseinander. Wenn die anderen dann noch unseren alten Fußspuren nachjagen, denen, die wie in Beton eingelassen vor sich hinprangern, nicht ruhen lassen können, kein zur Ruhe kommen für deine Haut, kein Wunder, dass manches so wundgescheuert ist.
Von draußen bringt der eine oder andere Dinge mit, die sich in meine Netzhaut einbrennen, Gegenstände, Erinnerungen, die weder meine noch deine sind, ich frage mich, ob gelegentlich dein Arm noch einschläft, ob der Berg aus »hätte«, »sollte« und »würde gern« bei dir ebenso stetig anwächst, wie bei mir; der Gedanke daran, dass ich mich hätte kurz an den Widerhaken festhalten sollen, vielleicht den einen oder anderen herausreißen sollen, damit du weißt, dass es auch ohne geht. Meine Anker, meine Karabiner hängen nur noch in meinen Füßen. Von Tag zu Tag mein Rendezvous mit dem Dielenboden, ohne geht es nicht, das Holz flüstert schon, es flüstert dasselbe wie ich, seit Monaten, es ist kaum noch zu hören, es braucht, so wie meine Haut, gelegentlich etwas Feuchtigkeit, damit es weiter sagen kann, was vor ihm schon in mein Blut übergegangen ist: ich warte, das Holz erwartet deine Schlangenbeine. Es erwartet, dass deine Widerhaken, ähnlich wie meine, Kerben in es hineinschlagen werden, Lebenszeichen, Signale, das ist der menschliche Schmerz, das ist Leben, das ist das, was seine Spuren hinterlässt.

and all the tiny holes in your soul
beautiful soul
&

get free

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

Ich schiebe Zettel unter der Tür durch, manchmal bleiben sie an den Dielen hängen oder landen direkt im Raum zwischen ja und nein und nichts, hier muss ich mich bewegen, damit das Holz nicht noch mehr Schiefer in meine Haut reißt, dort muss ich still halten, damit ich das glauben und verstehen kann, was sich alles schon in dem Raum zwischen ja und nein und nichts befindet. Noch kann ich dich hören, sicher bin ich mir nicht mehr zu genau darüber, was du eigentlich gesagt hast. Das sind die Büchertürme um mich herum, Abbildungen von Kopien von Gedanken einiger Menschen, die Dinge gedacht haben, die ich nie denken konnte. Früher mehr erlesen als erleben, die berühmten Namen, die du bestimmt auch hast, also die für dich allein; ich frage mich, ob das freiwillige Schlafen auf kaltem Beton nicht schon in der Haut schmerzt, das muss doch selbst unter Betäubung wehtun, so ganz allein, dort im Dunkeln.
Ja, keiner der Zettel wird ankommen, das ist wie mit den Burggräben, das ist wohl wirklich der Raum im ja und nein und nichts, und weil ich das weiß, sammle ich sie alle in einer Kiste, eine, die du wohl nie sehen wirst und vielleicht weißt du das sogar und vielleicht frage ich mich deshalb, wieso dein Burggraben so tief und so unüberwindlich geworden ist, dass man noch nicht einmal von der einen Seite auf die andere Seite rufen kann, weil alles in einem Echo verhallt. Ich halte noch die Decken bereit für deine zitternden Schlangenbeine, selbst für die Widerhaken auf der Innenseite deiner Haut. Das Hoffen, dass du nicht mehr über sie stolpern wirst, sondern, dass du endlich für dich aufstehst. Das Hochgehen von Treppen, dort oben findest du dich selbst, dann die Feststellung, dass das wirklich so sehr wehgetan hat, dass man sich fragt, wie das alles auszuhalten war, da unten, da auf dem kalten Beton, da, wo es dunkel ist, da unten im eigenen Dickicht. Und womöglich bist du dann, nach dem Herausschälen aus dem Dickicht noch stärker als ohnehin schon, nicht nur womöglich sondern ganz bestimmt und vielleicht weißt du dann, was ich meinte, als ich dir sagte, dass alles, was war, dich auf das vorbereitet, was wird. 
Und du, wo bleibst du dabei, könnte man fragen, dabei weiß ich noch nicht einmal wer man ist, aber ich könnte davon erzählen, wie du ganz unverhofft vor meiner Tür gesessen hast, wie ich selbst keinerlei Kraft hatte, wie ich noch nicht einmal die Waschmaschine anstellen oder mich selbst zudecken konnte, einfach, weil ich erfrieren wollte, weil mir nicht bewusst war, wo alle meine Reserven hin verschwunden waren. Und ich könnte davon erzählen, wie du nicht weggegangen bist, obwohl ich nicht wusste, wer du bist und wieso du mir warme Suppen reichst, ich glaube, ich wäre sonst verhungert.
Dann könntest du mich fragen, wieso ich nichts mehr gesagt habe, wieso ich dich scheinbar vergessen habe, ob ich dir wehtun wollte, wieso ich nicht vor deiner Tür stand, so wie du es für mich getan hattest. Ich würde dir jetzt antworten, aber ich wüsste nicht, ob du es verstehen würdest, denn ich würde dir dazu zu gern eine Geschichte erzählen, weil es eine ist, die vom Finden und gefunden werden erzählt, sie mich warm hält und weil sie nicht vom Vergessen handelt. Letztlich aber würde ich dir vorerst sagen, dass man manchmal, wenn man wegradiert wird, erstmal das sein muss, was der andere sich wünscht. Damit man sich irgendwann wieder kennenlernen kann.
Trotzdem höre ich dich von Zeit zu Zeit schlottern, dann denke ich an deine warme Haut und hoffe, dass du genug wärmende Kleidung hast, damit deine Haut warm bleibt. Und nicht nur das.

I wept when we parted
And wept when we united
In poverty, my love
we have everything

//

all the fears you hold so dear

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

nachdenken über den begriff alltag, sezieren in einzelteilchen, zusammensetzen, die meinung im kleinen oder eben die im großen. alle tage, jeder tag von neuem, neuer anfang, beginn, gar kein trott, nichts alltäglich, weil alles immer neu, ich du wir, der herzschlag. jeden tag etwas neues, jeden tag die möglichkeit, dass etwas zu ende gehen könnte, intensiver leben, bewusster, ich schaue dir in die augen, du brennst dich weiter in meine netzhaut ein, meine worte in dein gedächtnis, unsere gegenwart in unsere blutkreisläufe.
wir brechen alles herunter, bis zu den protonen, vielleicht sogar bis zu den quarks, ich weiß nicht, was das ist, du wahrscheinlich auch nicht, wir haben es irgendwo in der zeitung gelesen, meine deine unsere haut wieder so altertümlich glänzend im schreibtischlampenlicht. selbst das ist nicht das ende, nervenstränge, nervenbahnen, feuerwerkskörper im gehirn, du ich wir.
ich sammle teile von mir, von dir, halte sie an einem platz fest, einem platz in mir, einem, den du nicht kennst. ich kann mich dank all dieser kleinen teile, einige von ihnen kleiner als konfetti, immer wieder zusammensetzen. ich weiß, dass du das auch kannst. wenn dann dein platz unausgefüllt bleibt, ein loch an meinem schreibtisch, licht dort, wo du gerade sitzt: fahre schon deinen schatten nach, den auf den dielen, den um dich herum. fahre die erinnerungen nach, das kleingeschnittene, das großgeratene, das warme, sehe all die vorherigen versionen eines ‚du‘, während du selbst mir nichts anderes als deinen nackten rücken hinstreckst, konstatiere, nichts von all dem ist falsch. da ist er wieder, der im schock schnell herumgedrehte kopf, der zweifelnde blick. ein falsch kann für den moment sogar richtig sein, sage ich, man muss nur wissen, wann das ich auf dem weg zum meer ist und wann auf den weg in einen bunker. die reaktion abrupt, das knarzen meines stuhls, als du dich erhebst, du gehst ein paar schritte durch mein zimmer, bleibst immer wieder stehen, hängen, deine widerhaken halten dich selbst beim gehen auf.
du bist das meer, deine gischt schlägt dir und mir ins gesicht; raue see, verbunden mit all dem anderen wasser, meine augen grüngrau, du regnest mir auf den körper, nein, das ist dicker, nasser schnee, der zwiebelt noch nicht einmal so richtig auf der haut. an meiner weichen oberfläche prallt alles ab, du wirkst überrascht. das ist nicht der stolz, der greift, das ist etwas anderes. der stolz ist das, was mich mittlerweile aufrecht stehen lässt. 
der platz auf den dielen hinter der tür ist mir noch vertraut, bekannt, das holz dort hält noch etwas restwärme in sich fest, vielleicht sind das aber auch nur die leitungen, die zu den heizkörpern in der wohnung führen, mein ohr auf dem boden, mein körper wieder zur katze zusammengerollt. ich liege wieder hinter der tür, du auf einer anderen seite, auf kaltem beton.

and all the fears you hold so dear
will turn to whisper in your ear

you are a storm, you are my little storm

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

ich gestehe dir, dass ich vergessen habe, wie es ist, gerade zu stehen; schlichtweg, weil das sich abstützen, das gebeugte sitzen, so viel mehr sinn macht und ich verrate dir, dass ich mich gerade wieder aufrichte und dass es mich schmerzt, gelegentlich, nicht immer. du sagst dann etwas in richtung dir komme das bekannt vor. die blaue stunde halte ich dir in meinen handflächen vor die nase, du schaust mich fragend an. das kommt aus mir, das ist in mir, das ist melancholie, damit lebst du, damit lebe ich, damit zu leben ist gelegentlich schwer, aber wieso muss man alles immer an seine angst koppeln? du weißt nicht, was du mir dazu sagen sollst, ich lege eine hand auf deine brust, eine hand auf deine lenden und schiebe deinen rücken gerade, es strengt an, findest du, ich nicke, ich kenne dieses gefühl. ich richte mich ebenso auf, es tut mir weh. das ist nötig, sage ich, erinnere mich dabei wieder an meinen anfangswunsch, meine hoffnung, dass du bei mir nach dem rechten schauen würdest, verwerfe sie, krame sie dann letztendlich doch wieder permanent heraus, lasse sie wie einen immer warmen becher voller heißer schokolade neben mir stehen und denke an den geruch deiner haut, den ich immer noch in meiner nase habe.
ich weiß nicht, wo du sie auf einmal hergeholt hast, aber du schaust dir mit leidenschaft bilder von einem gestern, einem damals, einem vergangen an, einem, das seine spuren an dir hinterlassen hat, spuren, die ich kenne und in mir selbst trage; all die widerhaken, von denen wir schon vor einiger zeit geredet hatten, halten mich nicht auf, ich trage sie selber in mir, wie ich es dir schon so oft gesagt habe; die vermutung, dass du dich an diese gespräche nicht mehr erinnern kannst und dann meine angst, dass mir alles durch die finger gleitet, ähnlich wie fließendes wasser oder wie der sand in einer sanduhr, wie alle konstrukte. wie zeit, wie epochen, wie raum, wie kultur, wie meine worte, überhaupt meine sprache. wie ich alles hinterfragen muss, weil ich sonst keinerlei greifbaren anhaltspunkt mehr habe für das, was tatsächlich existiert. es ist alles nur im kopf entstanden, könntest du mir sagen, eine leidenschaft für vergangenes voraussetzend. und dann meine bestimmtheit, meine etwas forsch klingende stimme, wenn ich sage ich habe nicht jahrelang auf dich gewartet, um dich an deine vergangenheit und deine ängste zu verlieren und dein erst gleichgültiges, dann berührtes, dann verstörtes, dann nachdenkendes herz.
du sitzt im kalten, ich habe hinter mir die badezimmertür zugezogen, aber nicht abgeschlossen und dusche so heiß, dass mir vor hitze eine gänsehaut den körper hochsteigt, dann fängt es an zu brennen. rote stellen, striemen in haarform, meine haut so weich wie du es vorher von niemandem kanntest, nicht wundgelebt, nicht vergangen an dem gestern, vorgestern, vorvorgestern. neu aufgeblüht, gestärkt, nur für deine hände und schlangenbeine durchlässig, durchsichtig, sie dampft, als ich wieder in mein zimmer trete, um deine gegenwart wissend, und ihr geruch zieht, ähnlich wie du, wie ein liebevoller sturm, der sich schon lange nicht mehr aufhalten lässt, in deine richtung.

if I am alive this time next year

Untitled by smallcutsensations

für immer die menschen, eine fragmentfortsetzung.

du sagst nichts, dann sprichst du, du sagst damit alles und nichts. wir sind mit dem boden verwachsen, alles, was du verloren hast, sind etwas zeit und ein paar meiner nerven, sage ich, und ich für den moment meine worte.
sie knallen mit den wuchtigen altbautüren, die wände wackeln bis vor unsere füße, unter mittlerweile warmen decken ist das alles aber nur noch halb so schlimm. und wieso warst du nie wütend oder rasend? auf meinen lippen noch etwas restwärme, wütend war ich, enttäuscht war ich, gewartet vor meiner wohnungstür auf dich habe ich, tagelang, aber vielleicht war es einfach noch nicht die richtige zeit für dich, zu mir zu kommen. ich hätte dir noch so gerne ein paar andere worte gesagt, aber ich hebe sie mir auf für ein später, eins von der sorte, auf das es sich zu warten lohnt. dein steifer nacken, herbstliche spiegellichtspiele auf den dielen und auf deiner haut, ich muss schmunzeln, beinahe hätte ich von dem holz geredet, aus dem du geschnitzt bist, von den holzträgern, die dich halten, von meinem geäst, das schon seit einiger zeit in dich hineingewachsen zu sein scheint.
sagen kann ich kaum etwas davon, du schmeckst nach orangensaft und pizza und den hoffnungen dieser welt, ich kann nicht reden, weil sie mir den atem nehmen, sie haben es schon immer getan. ich konstatiere, das fieberthermometer wieder zwischen meiner haut: das ist keine krankheit, das ist eine wahl, die ich getroffen habe, deine augen sind etwas störrisch, du fragst, fragst nach, aus, vor und zurück. ich habe es dir doch immer gesagt. es geht um ruhe, entgegne ich dann, das ist dieses ganz ruhig zwischen den stoffbahnen liegen und deine gedanken anfassen können. ich sehe deine schlangenbeine unter all den schichten stoff, die du aufgetürmt hast, fast so, als könnten sie zu einer mauer werden, die ich nicht durchdringen kann. hinter manchen deiner fragen wittere ich etwas, den feinen stechend-süßlich beunruhigenden geruch der ungläubigkeit etwa, halbgesundes misstrauen, das ich von mir kenne, wenn jemand menschen, die ich liebe, zu nahekommt, ohne mir etwas davon zu erzählen.
erlebnisse aus deinem mund, du erzählst mir von ihnen, als wären sie vor jahren passiert, als würde es einen unterschied machen, wann ich von ihnen erfahre, du bewertest, ohne, dass du auch wirklich eine bewertung unternehmen willst. du sagst mir, ich sähe müde aus und krank, ich solle schlafen. seit tagen schon wüten die bakterien in mir, du bist schon durch den sturm gegangen. die dicken decken, dein atem, eigentlich sind wir gesund, es geht uns gut, manchmal ging es uns schon besser, aber weil alles, was gut ist, nicht so leicht in den fingern zu behalten ist, zwiebelt es immer noch sehr auf den alten narben. ich habe ein paar stunden geschlafen, ich liege auf dem bett, in noch mehr stoffbahnen, auf dem kleinen tisch neben mir eine fast nicht mehr dampfende suppe. die augen muss ich zusammenkneifen, ich sehe deinen nackten rücken mir zugewandt wieder auf dem stuhl sitzen, ohne zittern, ganz ruhig, das fieber hat mir die haare an die stirn geklebt. manche sachen muss ich nicht überdenken, einmal angestoßen, laufen sie ganz natürlich durch die adern, die schilddrüse, die nieren. bleiben im blut, halten warm.
because you know, my dear,
it’s only fear
that keeps you locked in here