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Untitled by smallcutsensations

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Formaldehyd.

Du bist fünf Jahre alt. Unter deinen Stiefeln sammeln sich Rollsplitt und festgetretener Schnee. Es ist glatt und du kannst die Spuren sehen, die du ins Eis unter deinen Füßen kratzt. Sie formen Muster, die an Bilder erinnern, die du vor zwei Leben schon einmal gesehen hast. Du glaubst, in die Arme deiner Eltern rutschen zu können, bevor du hinfällst.

Du bist fünfundzwanzig Jahre alt und hast das Gefühl, immer schneller laufen zu müssen, damit du Schritt halten kannst mit dem Bass in deinen Ohren. Es zwiebelt, es hält dich, dein Brustkorb flattert unruhig vor sich hin. Der Drang, etwas zu tun. Du beginnst zu rennen.

Deine Eltern haben dich nicht aufgefangen. Du sitzt nicht im Wartezimmer eines Krankenhauses mit einem gebrochenen Bein. Unter deinen Fußsohlen kannst du das Glatteis spüren, aber die Sprachlosigkeit am Esstisch wiegt viel schwerer als die Angst vorm Fallen.

Alles ist gut, das schwarze Loch ist noch immer im Karton, der neben deinem Bett liegt. Manches hälst du aus Gewohnheit in der Nähe, das machst du gern und oft, bevor du dich entschließt, doch nicht zu rennen. Das macht Sinn, das zieht dir nur noch mehr Farbe aus der Haut. Du zitterst vor dich hin, bis du es nach außen tragen kannst. Gelegentlich sprichst du noch in einer alten Sprache, die niemand außer dir versteht. Weil schreiben immer leiden bedeutet hat.

Du versuchst, dich daran zu erinnern, woran es eigentlich lag. Ob es die Angst war vor der stark befahrenen Hauptstraße vor dir oder ob es nur dein Gleichgewicht war, das sich hat austricksen lassen. Du lässt es sich in deine Knochen einfräsen. Etwas anderes hast du nicht gelernt, abgestellt in diesem schönen Leben. Du musst nicht schlittern, du kannst laufen.

Du wohnst in altmodischen Namen, du hast vergessen, wann das angefangen hat und wo das hinführen wird. Die Sonne wärmt deinen Rücken durch die Fenster hindurch, du sitzt und wartest, hast wieder diesen unförmigen Bass in deinen Adern, hörst andere über dich reden und ihre Angst. Nach innen zittern kannst du gut, auch wenn du nichts deutlich artikulierst. Das Glück der kleinen Momente. Dann ruft man deinen eigenen altmodischen Namen auf. Im Wartezimmer husten sie schon.

let’s go walk in the rain, love
know our pleasures from pain