Porcelain

Du bist neu hier, du möchtest dich nicht mehr erklären müssen, nicht wieder, nicht weiter, nie mehr. Das geht alles vorbei, ungesehen, das ist schließlich keine Steuererklärung, kein Aufsatz, mit dem man sich beschäftigen muss. Du meidest, bis sich jegliche Regung aus deinen Knochen pult. Da ist Schlangenhaut, du hast sie abgelegt, dich aus ihr heraus befreit, sie geht dich nichts mehr an. In deinem Bauch rumort noch die letzte Mahlzeit, die du in deiner alten Form zu dir genommen hast.

Nein. 

An deinem Körper zeichnen sich die Jahreszeiten ab wie Ebbe und Flut, im Gesicht, am Hals das „zu viel“, darunter das „zu wenig“, auf dem Rücken, als wäre es ein schlechter Scherz eines Panzers, Stretchmarks. Es könnte auch Rinde sein, darunter Jahresringe, in dir drin ein Baum. 
Früher hätte ich dir vom wilden Schlag meines Herzens erzählt, mittlerweile ist dieser das wilde Klopfen meines Kopfes, deshalb gehe ich ihn zwei Mal in der Woche ausschütten, in einen Ledersessel, einen Notizblock und zwei fremde Ohren. Wo fließt du hin, wenn du überläufst? Meine, deine, diese Spuren von irgendetwas anderem, irgendjemand anderem.

we’re reflections in white washed glass
faces replaced

(Kraków Loves Adana – Porcelain)

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