I shut doors and windows

Untitled by smallcutsensations
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Irgendwann lerne ich meine Plattentektonik auswendig. Verstehe vielleicht, wieso es in manchen Organen Sollbruchstellen gibt und manche von ihnen Rohrkrepierer sind. Eventuell erfahre ich dann, welche Prosa erwünscht ist, welche ignoriert wird. Die Antwort habe ich schon, keine ist erwünscht. Das Knacken meiner mich begrenzenden Schichten, Implosion.
Irgendwann lerne ich die Grausamkeit der Dinge zu ertragen; immer wieder tappe ich in meine eigene Altruismus-Falle. Nicht alle lieben andere Menschen, einfach so. Und denen, die das tun, unterstellen sie eine Agenda. Nie wieder einem anderen Menschen leidenschaftlich begegnen, vielleicht nur noch Dingen; aber ich lerne doch nie, ich lasse sie nur weiter meine Erfahrungswerte bestätigen. Man muss Angst davor haben, mehr als vor sich selbst.

Immer diese Erdbeben, mehr als eine neun auf der Richterskala. Zwei habe ich schon verloren, drei kommen 2014 hinzu. Nicht mehr da, verschluckt.
Alles was ich sehe, sind Ruinen. Und man trägt noch weitere große Steine ab, zerbröselt und verteilt sie in den Wüsten über die manche mit dem Flugzeug fliegen.

Implosion. Ich kann mich nicht viel kleiner machen, der Körper frisst mich schon auf.
Es gibt mich nicht. Und es hört nicht auf, wehzutun. Nicht mein Fokus, nicht mein Fokus, nicht mein Fokus. Das hier wird niemals dreißig.

helvete
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Oblivion II

Untitled by smallcutsensations

Ich sitze im Leibchen auf den Gedankenterassen dieser Welt, kaufe Bücher, die ich nie lesen, Vinyl, das ich selten hören, sehne mich nach etwas, das ich kaum bis selten sehen werde. Meine Muster und die Unvorhersehbarkeit der Hornhautbildung an den Fingerkuppen beim Schreiben, Lesen, Kreieren, beim Langfahren auf der Haut anderer Menschen. Ich denke an Frischhaltefolien, dabei ist meine eigene mit einer Art Imprägnierschicht versehen. Abgerutscht, nie gekannt, nie gefühlt.
Dabei hätte man zu gerne erzählt, was die Stille zwischen den Tönen ausmacht. So, wie ich immer den schnellsten Internetanschluss haben will, will ich immer das Absolute, keine Kopie, kein Lückenbüßer sein. Und dann verliert man Filme, verliert Originale, packt nur noch Kopien ein. Da liegt der Unterschied. Ich will ans Meer, ich will mein eigenes Manifest.

it’s hard to understand
‚cause when you’re really by yourself
it’s hard to find someone to hold your hand

Empire

Untitled by smallcutsensations

∆ 34
Ich möchte, dass du weißt, dass ich nicht mehr alles kann. Ich fühle mich nicht mehr sicher. Wenn ich das sage, ist es zu viel. Wenn ich es nicht sage, ist es zu wenig.

Es ist fast wie bei den Montagsgesprächen. Nur sitze ich bei Hedwig und nicht in der IAP. Wie geht es Ihnen? Er lächelt, ich antworte. Ich weiß es nicht. Es ist so, dass sich eigentlich nichts geändert hat im Vergleich zu vor meinem Aufenthalt. Manches ist sogar schlimmer geworden. Ich komme mit der Überforderung der Anderen nicht zurecht und ich bin dadurch sehr verletzt. Man wird schließlich nicht von einer psychiatrischen Station entlassen in einem gesunden Zustand. Bei einem gebrochenen Bein muss man auch erst noch in die Reha. Nur der Psyche gesteht man das nicht zu.
Wie sieht es mit Ihren Symptomen aus? Ich schlafe schlecht bis kaum, wache immer wieder auf. Meine Stimmung ist schlecht bis suboptimal. Ich fühle nichts mehr. Freude ist, wenn vorhanden, sehr kurzlebig. Ich ziehe mich momentan komplett zurück. Ob ich da bin oder nicht macht eh keinen Unterschied, glaube ich. Und die Suizidgedanken? Sind latent immer da. Sind sie akut? Sie sind schlimm. Und der Appetit? Ich esse nicht mehr viel, ich schätze, ich habe in der letzten Woche zwei Kilo abgenommen. Aber Sie wurden letzte Woche erst entlassen. Ja.
Der Psychologe holt meinen Stationsarzt dazu. Sie flüstern ein wenig auf dem Flur, dann kommen sie rein. So wie sie mich anschauen, fühlt es sich so an, als würden sie mich am liebsten direkt wieder dabehalten. E höre ich in der Küche lachen. Wie ist es mit der Unruhe? Es fehlen noch fünf Millimeter, dann bin ich drin. Also ist die Angst davor sehr groß. Und die Tagesverfassung? Am Morgen wache ich nicht ausgeruht auf, nachdem ich meine erste Dosis Antidepressiva genommen habe, habe ich das Gefühl, dass es besser geht. Meinen Peak habe ich zwei Stunden nach der zweiten Dosis. Gegen Abend dann laufe ich wieder gegen eine Wand.
Fühlen Sie sich bereit? Nein. Ich fühle mich wie den letzten Dreck. Aber ich möchte nicht wieder auf Station. Manchmal ist es eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Nur wenn ich halbherzig und widerwillig auf Station zurückgehe, nehme ich jemandem einen Platz weg, der es dringender braucht. Tut man das potenziell nicht immer? Ich nicke und lache ein wenig. Ich will nicht wieder zurück.

Sie versuchen einen anderen Phasenstabilisator mit mir. Ich habe Panik vor dessen Nebenwirkungen. Wenigstens muss ich für die nächsten Wochen nicht mehr zu meinem originalen Quacksalber-Psychiater gehen.

Tried to kill it all away
But I remember everything
What have I become my sweetest friend?
Everyone I know goes away in the end

haematoma diary

Untitled by smallcutsensations
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∆ 33
Und dann erinnert man sich an die Tage von vor Jahren. Wie man gelernt hat, weißt du, alles. Wie das mit dem „leise sein“ geht. Die Treppen besonders leise hochlaufen kann, ohne, dass das ganze Haus vor sich hinknarzt. Zu versuchen, keine Spuren zu hinterlassen. Nichts, gar nicht, so, als hätte es einen nie gegeben.

Die Bilder im Kopf. Du, gehend. Die Wohnungstür hinter dir zuziehend. Ich stehe noch ein paar Minuten im Flur und höre den Geräuschen zu. Stufen. Dann knallt die Haustür. Schritte. Dann die Tür zum Innenhof. Ich stehe immer noch im Flur, mir ist kalt. Nichts. Ich kann mich nicht bewegen.
Die Bilder im Kopf. Sie, auf dem Sofa sitzend, hinter der Scheibe, durch die man schauen kann, wenn man es will. Ich stehe im Flur, nahe des Treppenabsatzes. Gespräche hören. Morgen Klinik, der König aller Krankheiten hat sich in den Körper geschlagen. Ich stehe immer noch Flur, mir ist kalt. Am nächsten Tag der Zettel mit Informationen auf dem Küchentisch.
Die Bilder im Kopf. Ich, in Schweden, die Luft an der Brücke zur Ostsee ist klar. Er geht den Kai entlang, sehr weit vor mir, mit dem Rücken zu meinem Gesicht. Ich fotografiere die Schritte im Schnee. Ein paar Minuten stehe ich noch da, wie angewurzelt. Er hat nichts gemerkt, er ist fast am Strand. Mir ist kalt.

Ich habe gelernt wie das geht mit dem leisen Weinen. Da schüttelt sich nichts, nur manchmal, als würde sich etwas in einem aufbäumen, meist sitze ich dann allein im Flur.

Die Bilder im Kopf. Ich liege neben dir, es ist drei Uhr zehn, nein, deine Arme liegen um mich herum. Das ist ein Trick. Das ist ein Trick. Im Schlaf drückst du mich an dich. Das ist ein Trick. Das ist ein Trick. Ich versuche so ruhig wie möglich zu atmen, um nicht zu wecken. Das Salzwasser läuft in Strömen aus meinen Augenwinkeln auf die Kopfkissen. Mir ist kalt. Ich kann mich nicht bewegen.
Die Bilder im Kopf. Sie sitzt fast neben mir, ein paar Meter entfernt, sie spricht nicht mit mir. Sie sieht mich nicht an. In den Augen der Anderen im Raum spiegelt sich der Herrnhuther Stern, der an der Decke hängt. Ich lege zwei kleine Sachen auf den Tisch. Sie sieht mich nicht an, sie spricht nicht mit mir. Ich setze mich zurück auf den gefliesten Boden. Von draußen zieht die Luft etwas durch die geschlossene Terrassentür. Ich friere.
Das Bild im Kopf. Sie sitzt auf meinem Bett, an den Heizungsrohren, es ist früh, sie weint. Ich spüre am Oberkörper noch den Abdruck ihrer Arme vom Flur. Du bist ein toller Mensch und es geht dir gerade gar nicht gut, sagt sie, mitten in die Worte fange ich an zitternd zu weinen. Ich fühle mich schuldig. Sonst fühle ich nichts.
Die Bilder im Kopf. Der geflieste Gang, der an Hogwarts erinnert. Ich werfe meine Energie zu 150 Prozent aus meinem Körper. Du umarmst mich, du gehst. Ich kann mich nicht mehr bewegen, ich glaube, ich erfriere.
Das Bild im Kopf. Eine kleine weiße Visitenkarte zum Abschied. Sie hat vorher nie wirklich mit mir gesprochen. Wir gehen zurück nach Hause. Am Flughafen applaudieren die beiden Anderen so lange, bis ich im Sicherheitsbereich hinter dem Gate bin. Ich drehe die Visitenkarte um. Tack för att du finns. Das Flugzeug steht lange auf dem Rollfeld. Man gibt mir eine Decke, weil ich zittere.

Dann die durch die Nacht leuchtenden Worte und der gepflasterte Weg, auf dem man draußen steht. Die Buchstaben brennen, ich bin aus Holz. Du stehst ein paar Meter von mir entfernt. Schaust mich nicht an. Sprichst nicht mit mir. Ich nehme den Schal ab. Mir ist kalt. Durch die Scheibe, hinter der man etwas erkennen kann, wenn man will, stehen sie und trinken Wein. Es gibt mich nicht, ich störe. Ich möchte gerne gehen, aber ich bleibe nur stumm.

Das Bild im Kopf. Er fragt mich, wie es mir geht, ich kam gerade von zu Hause. Gut, sage ich, er nickt und geht. Ich schlucke. Zwei Minuten später kommt er wieder. Setzt sich neben mich hin. Gut, das haben wir oft genug durchexerziert. Wie geht es wirklich? Ich fange an zu weinen, es ist mir unangenehm. Er spricht von Verantwortung, sich selbst und den Nahestehenden gegenüber. Man muss sich selbst als Lehrer gegenüber Anderen sehen, so wie die Anderen Lehrer für einen selbst sind. Die Ströme in meinem Gehirn eskalieren. Meine Energie schleudere ich mit 200 Prozent ins Nichts. Und man muss es auch so sehen, sagt er, es gibt in unserem altertümlichen Gehirn drei Grundmuster: Angriff, Wegrennen, Totstellen. Der Propfen in meiner Kehle schwillt an. Man drückt bei mir oft Taste zwei und drei, sage ich. Er muss weiter. Mir ist kalt.

Ich halte mich immer wieder von neuem an Worten fest, die sich selbst wegbrennen, stehe am Ende in der Asche. Alles andere wäre bestimmt nur ein Trick. Dann gehe ich ins Bad. Ich verbrenne mir mit Absicht die Hände in heißem Wasser.

and you don’t even feel a thing

Fold

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Sie können nicht damit umgehen, wenn Menschen, die Sie lieben, adäquat auf Ihre Situation vom Sonntag vor Ihrer Aufnahme hier reagieren.
– B., vor zwei Wochen.

Ich arbeite daran und ich bin immer noch nicht ganz schlüssig, wie viel ich sagen will. Hier. Das meine ich. Sonst bin ich immer sehr offen, sonst habe ich kein Problem damit, mich auszubluten, sonst habe ich kein Problem damit, dass man über mich Dinge weiß. Zuerst möchte ich mehr lernen, den Menschen, die ich liebe, gegenüber offener zu sein in der Hinsicht wie es mir geht. Leben ohne eine Fassade haben zu müssen.

Ich weiß nicht, wann ich wie viel mit Anderen teilen will oder werde. Nur so viel: Dinge bewegen sich, über Dinge wird geschrieben, Dinge werden bearbeitet. Dinge werden konzeptionell bedacht. Lernen, wie man über etwas, was für einen selbst unaussprechlich ist, sprechen kann. Oder schreiben. Je nachdem.
Ohne sich schuldig zu fühlen. Ohne sich klein zu fühlen. Ohne sich als nie genug oder immer zu viel zu fühlen. Ohne sich wie ein Nichts zu fühlen. Ohne sich alleingelassen zu fühlen. Ohne im schwarzen Loch im Kopf zu versinken.

please don’t let me down this time
I’ve come a long way to just fall back into line

I am more than dark water

Untitled by smallcutsensations
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Ich halte den Nacken hin. Nicht nur für das Messer sondern auch für den Biss.

Auf der Straße die Reste einer Nacht, irgendeiner, an manchen Häuserfronten in der Nähe trotzdem noch: Einschlusslöcher. Ein paar Meter weiter: verkohlte Schmetterlinge (auch wenn ich nicht weiß, wo diese herkommen).

An der Wand meines Zimmers, noch nicht aufgehängt, Werbung für eine Serie. Danger lies in losing control. Wasser, Rauschen. Die Gefahr liegt nicht nur im Kontrollverlust, die Gefahr liegt darin, zu kontrolliert zu sein, des Öfteren. Sie sagen es mir hier sehr deutlich.
Als wäre man versteinert und im Inneren dann die Einschusslöcher von was auch immer. Dabei möchte ich Dinge erleben und Freude an ihnen haben. Dabei möchte ich das auch kommunizieren. Ausgewählten Menschen. Die Angst vorm Kontrollverlust, die Angst vor den Möglichkeiten.

Ich halte also den Nacken hin. Nicht nur für das Messer, auch für den Biss.

even if we don’t know how to swim

hospital beds

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Hedwig.

I
wir liegen in den Betten
die Köpfe voller schwarzer Löcher
auf der Straße vor dem Haus
betrinken sich die Touristen

II
sie zeigen sich Bilder
ihrer Nahestehenden, so,
als wären es Panini-Sammelbilder,
tauschen will aber niemand
von ihnen, denn sie sind alles,
was bei ihnen geblieben ist

III
über uns
donnern donnern donnern
die Flugzeuge Richtung Tegel
in mir
donnern donnern donnern
die Ängste Richtung Kern

IV
gib mir Douglasien
und ich mache selbst ein
Nichts zu Kunst
stell mir die Bananen in
die Seiten, pass auf
auf mich. die Tunnelenden sind
sehr weit entfernt
wir: ungefähr mittig
andere: ziemlich außen vor
warten,
Gitter fehlen vor den Fenstern
der Kopf ist kein Verlies, nur
ist der Himmel etwas klein geworden

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