I used to be so young, how did I get so old?

Untitled by smallcutsensations
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ich weiß noch wie ich letztes jahr im august und september mit merica durch die gegend gefahren bin, wie wir in skåne einfach irgendwo auf einer kaum befahrenen straße anhielten, weil der sonnenuntergang so schön war. der intensive geruch von wald, meer und kornfeldern, das klicken von kameras: analog und digital. und wie es dann an die sommerurlaube im thüringer wald erinnerte, das knacken heruntergefallener äste, der klang, den es nur dann gibt, wenn man von nadelbäumen umringt ist; das bauen von künstlichen dämmen am kleinen bach, pilzesuchen mit den eltern; heiße schindeln in der sonne, benzin, rückbank, fahrten an die talsperre, fahrten an der talsperre vorbei, links abbiegen zum nächste supermarkt.
pilzesuchen im wald mit merica, suche nach pfifferlingen, wieder durch den wald ziehen, steile wege nach oben und unten. und in schweden sind selbst die wälder noch eine ganze runde schöner als in deutschland, vielleicht liegt es an dem licht und den menschen, die dort sind, an der klaren luft, dem wasser, dem ganzen drumherum. dinge, die ich nicht vergessen will, dinge, an die ich mich erinnern muss, aufschreiben, aufsaugen, papier beschreiben, so wie immer, filme belichten, dann wieder in die warme decke der erinnerungen kriechen, wohlig warm, angenehm, es ist unbequem da draußen.
ich hab mich entschlossen. das alles sind meine habseligkeiten, umgewandelt und zu geschichten gemacht kann sie mir keiner mehr nehmen. teilweise in erfundenes hineingewebt, teilweise in umgewandelt echtes hereingespiegelt. ich will, dass das bald mal in gedruckter form vor mir liegt. der titel: habseligkeiten.
just a basket full of memories.
//Musik: Dan Mangan.
we are so young, we have years ahead maybe
we might fall in love, fall apart, fall apart
(Basket)
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stuck in reverse

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Ich glaube, die Reaktion war verständlich. Hätte er es nicht gemacht, hätte sie nicht lange darauf warten lassen. So wie er früher neben ihr gesessen, sie angesehen und sie verehrt hatte: man sah es sofort.
Du machst mich traurig, würde sie dann gesagt haben, egal ob es so war oder nicht, man würde es nie erfahren, jedoch bildete ich mir gerne ein, dass sie ihm diese Worte sagte. Ich hätte es getan.
Jetzt saß er wie ein kleines Häufchen Elend neben mir und umfasste das Lenkrad mit beiden Händen; er brauchte ja etwas zum Festhalten: sie war weg und ich reichte nicht aus. Es war wichtig, dass ich da war, in seiner Nähe atmete, existierte, er nicht allein war. Bei genauerer Betrachtung allerdings hätte das jeder seiner Bekannten und Freunde sein können. Das unschöne Gefühl möglicher Austauschbarkeit. Er ahnte wohl, worum meine Gedanken sich drehten.
Mache ich dich traurig, fragte er mich, ganz in dem Tonfall, in dem ich mir vorgestellt hatte, dass sie sprechen würde. Eigentlich war es noch nicht mal eine Frage, und wenn, dann eine rhetorische, vielmehr war es eine Aussage, beinahe eine Anweisung, verpackt in etwas, das nach einer Wahl klang. Falsch gehört.
Seit Jahren tust du das, wollte ich sagen, traute mich dann aber doch nicht, es hätte ihn noch mehr verletzt, unnötig, glaubte ich zumindest. Meinst du die Traurigkeit, die wehtut, äußerte ich schließlich in einem Anflug von Mitteilungsbedürfnis, oder meinst du die, die schweigt, sich aber hinter den Augen festsetzt und alles dämpft, was du siehst, auch wenn es etwas schönes sein sollte?
So ungefähr, ja, eine Mischung aus beidem vielleicht, man sieht dir irgendetwas an und ich kann es nicht genau deuten. Er krallte sich noch mehr in das Leder seines Lenkrades. Irgendwann mussten seine Fingernägel doch abbrechen oder seine Fingerkuppen anfangen zu bluten.
Meine Antwort war: ich weiß es nicht; damals wusste ich es wirklich nicht; nur irgendetwas zieht mich nach Hause, weißt du, in ein warmes Zimmer, eins ohne Tau und beschlagene Fenster, eins ohne den Geruch von Benzin.
Wir waren seit einer Woche unterwegs in einem Zick-Zack-Kurs, wir schliefen im Auto, nebeneinander, aber doch Meilen entfernt, wir machten all die Sachen, die man auf der Straße machen sollte, aber keiner von uns hatte wirkliche Freude dabei; vor allem nicht ich.
Du willst gehen, du willst mich einfach hierlassen. Aber das geht doch nicht, sagte er, das geht doch nicht. Das geht doch nicht.
Er hatte Recht. Er würde mich zurücklassen. So wie die anderen Menschen vor ihm, nicht umgedreht. Er war einer der Menschen, die andere annahmen, wenn es ihnen gerade passte, ansonsten war da nicht viel Interesse. Andere fast aussaugen, keine Symbiose, keine Wechselwirkung. Er hinterließ Abdrücke, nur lag das Problem darin, dass er behauptete, andere würden dies bei ihm tun.

///
das böse wort, das mit d anfängt, schlägt sich wieder in meine knochen, mit axt, motorsäge, wut. vor langer zeit abgebrannte brücken abbrechen, es nützt eben nichts, wenn man behelfsbrücken einrichten will und dann von dieser heruntergetreten wird.
der oben geschriebene text ist während konzertpausen entstanden. manchmal klappt es eben doch.

und jetzt sagen wir langsam, still und leise auf Wiedersehen. danke.

you keep me under your spell

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(London, September 2011)
Dann ist es einfach nur noch still, im Telefon steckt noch nicht einmal ein Rauschen fest. Als würde ich mich an Momente erinnern, in denen ich dich gebraucht hätte, Momente, in denen du nicht da warst. Im Hintergrund der kontinuierlich raue Klang einer lange nicht geölten Tür, sie klingt müde, beinahe wie ich, beinahe wie du.
//
Henrik hörte Katharina im Stockwerk über ihm schnarchen, so, wie er das seit Jahren jeden Morgen tat. Sie war eine schöne Frau, zumindest sagte er ihr das täglich, bevor sie schlafen gingen, manchmal aber auch, wenn ihm einfach danach war, jedoch nur, wenn der Ölpreis nicht gestiegen war. Katharina wälzte sich jetzt im Bett umher, das Knarzen hallte gelegentlich noch bis auf den Hof. In Abständen das Klingeln des Weckers, zehn Sekunden ohrenbetäubender Lärm, fünf Minuten Ruhe, zehn Sekunden Lärm, fünf Minuten Ruhe. Als wären ihre meist merkwürdigen Träume es wert, dem Tag eine Runde zu entkommen.
// Musik. Desire

all the ghosts that broke my heart

and read a written warning saying: „I’m still mourning over ghosts that broke my heart before I met you“

(1)
man nimmt an wir
haben es nicht geschafft weil
wir nie sprachen miteinander
mit uns habe ich nicht
gelebt
ohne uns genauso wenig
wo ist da der unterschied
an sich richte ich mich an
einen teil deiner selbst
wenn uns der schüttelfrost
zusammenbindet

(2)
was auch immer ich dachte
zu tun
was auch immer du dachtest
das ich sei
falsche gedanken an deinen mund
der sanft vor meinen augen weilt
unerreichbar
vom lachen verzerrt
moderner werther im frauenkörper
wer wenn nicht du
falsch hineingesteigerte erwartungen
ein bisschen abwesenheit
ich glaube du bist doch einer
der die alte sprache spricht
bedächtig
obwohl du meinst du seist ganz anders
kenne menschen wie dich
tief eingegraben in ein
trümmerfeld aus erinnerungen

„lover, please do not fall to your knees; it’s not like I believe in everlasting love“