the great escape

Untitled by smallcutsensations

Henrik ((1), 2, 3)

Katharina allerdings war dann doch mehr Katze als Schweizer Taschenmesser. Meist war sie zu bequem, sich einen anderen Ort zum Schlafen zu suchen, noch einmal durch die weite Landschaft zu fahren, die sie fast so gut kannte wie die Anzeige ihres Tachos, nämlich überhaupt nicht. Sie hatte einfach die Befürchtung, an einer weiteren Tür zu enden, einer, die der Henriks ähnlich sah: vor Jahren weiß gestrichen, blätterte die Farbe langsam schon vom Holz ab, eigentlich sah die gesamte Veranda so aus, als hätte jemand einen Eimer umgekippt, weil er zu faul war, alles per Hand zu streichen. Henrik und seine von der Erde bearbeiteten Hände, er und seine dunklen Fingernägel, der Geruch von Benzin, all die Löcher in seinem Garten: sie konnte sich, wenn sie auf Arbeit war, manchmal nicht einmal mehr daran erinnern. Sie wollte ihn aus ihrem Kopf streichen, obwohl sie kaum einen Grund hatte, er ließ sie so leben, wie sie es wollte, vorausgesetzt, sie war bei ihm, vorausgesetzt, das Leben kam ihnen beiden nicht in die Quere. Katharina war es manchmal leid, dass sie ihn nie ganz für sich hatte. Der Anspruch vom „Menschen für mich allein“ durchfuhr oft noch ihre Gedanken, auch wenn sie wusste, dass das in der Konstellation, wie sie bestand, nie passieren würde. 
Am Ende war sie nur durch die Gegend gefahren, sie hatte ihre Flucht geträumt, eine Irrfahrt weg von dem Alltag, der sie in seinem Haus umschloss, einem Alltag voller Erdhügel, Terminkalender, Chaos und Überdruss. Für den Moment schien es die einzige logische Schlussfolgerung zu sein, wieder zu klingeln, wie an dem Tag, an dem sie es das erste Mal tat, als sie auf der Suche nach einem warmen Schlafplatz war, weil das Auto ihr schlichtweg zu kalt geworden war. Er machte sie wirklich zu seiner Katze, gab ihr einen Becher Milch und ein Stück Schnitzel, das vom Abendessen übrig geblieben war.
Sie schlief ruhig neben ihm ein, eine Hand auf seinem Bauch, während er an ihren Haaren roch und den Duft des Benzins, der sich in ihnen verfangen hatte, für immer in seiner Nase behalten wollte.

//
„du musst dich auch mal fallen lassen können.“
– aber wer fängt mich denn auf?

I don’t want to know my face
I don’t want to know my name
I’ll just follow you
And I’ll find everything that you do
I don’t want to go back home
I don’t want to be my own
Werbeanzeigen

people tend to disappear

Untitled by smallcutsensations
ich zeichne wieder meine umrisse nach. versuche, die risse in der hülle mit mörtel zu füllen, fahre mit dem finger entlang der spalten im inneren meiner hülle, merke, wie der mörtel herausplatzt. notdürftige verbesserungsarbeiten, wenn eigentlich eine große pause von nöten wäre. heb dir noch etwas energie für dich auf.
//
währenddessen weiß ich nicht genau, was du meinst, was du sagen willst. ich weiß aber auch nicht, wie ich nachfragen soll, denn ich kenne dich kaum. und auch wenn dem so ist, freue ich mich über jedes wort, denn irgendwas in ihnen und ihrer kombination spricht mich im inneren an.

knives don’t have your back

Untitled by smallcutsensations

die größte hürde im leben ist doch der maßstab, den man an sich selbst setzt. meinen konnte ich noch nie erfüllen, habe es aber immer geliebt, wie ein schwamm zu sein. nur bringt das allen mehr außer mir, ich fange mich mit dem, was durch meinen kopf spuckt, ab, verhindere erfolgreich die teilnahme am leben. verliebe mich in die idee, die ich von einem menschen habe, täusche mich, irre mich, höre mir immer wieder an, dass das ja so alles nichts werden kann, muss mir selbst sagen, dass ich wohl noch nicht einmal mir vertrauen kann. aber wem denn dann? immer bin ich zur falschen zeit an den falschen orten.

(ich stürze gerade wieder ab)
when there’s nothing left to burn
you have to set yourself
on fire

reading in bed

Untitled by smallcutsensations
auf dem weg nach hause – menschen, die denen ähnlich sehen, die ich einmal kannte – wasser schießt in die augen – und ich weiß nicht, ob es die kälte ist oder etwas anderes – andere, die lachend an mir vorbeigehen – der nachhall von worten von menschen, die ich einmal kannte – du bildest dir das alles doch bloß ein – manchmal tut es mir leid – denn manche bänder kann man nicht mehr zusammenkleben – trotzdem sitzt all das wie ein mit meinem brustkorb verkeilter stachel tief in mir drin
man stellt fest – diese stadt macht mich traurig

with all the luck you’ve had
why are your songs so sad?

working keeps me sane, I know

Untitled by smallcutsensations
fredrik und linnea spuken wieder in meinem kopf herum
hören laut drum’n’bass, schreien sich an
und ich habe wieder keinen tagesrhythmus, es sei denn, ich gehe arbeiten
jetzt kann ich auch wieder nach deutschland zurückkehren
fehlen nur noch der pass und eine unzahl an filmen und ein großer koffer

ich warte auf die vereinbarung des diagnostiktermins, bis dahin versuche ich nicht darüber nachzudenken, wie es mir geht
will zwar den ganzen tag schlafen, darf und sollte es aber nicht
menschen, die sich in mein leben schleichen
ich weiß nicht wieso, der impuls dazu kam nicht von mir
auch wenn ich mich darüber freue

my warm is warm but all my blood has cooled down

Untitled by smallcutsensations
Ich lasse kaum etwas übrig, kaum etwas zurück. Ich radiere alles aus, das Menschen an mich erinnern könnte. Mein Geruch ist längst in der weißen Farbe ertränkt, die Nägel an der Wand wurden schon vor einiger Zeit herausgezogen, fast so einfach wie man mit einem scharfen Messer durch Fleisch schneidet; meine Aura ist geblieben, die, die man spürt, wenn die Sonne halbtrunken das Fenster streift oder das traurige Lied aus den Lautsprechern hallt, wenn man mit dem Rücken auf dem plattgelaufenen Teppich liegt und auf die Decke starrt – Stille, eine eingedrückte Brust, fehlendes Talent, aufgestaute Einsamkeit, die sich durch die Haut frisst wie Säure. Die Luft steht, sie ist schlecht und erwartungsschwanger, zwickt in den Lippen, zieht beinah unbemerkt durch den Raum, geht durch eine der von mir zurückgelassenen unsichtbaren Hüllen meiner selbst hindurch, so, als wäre ich nie hier gewesen. Aber ich habe hier geatmet, gelebt, bin verblieben, gestolpert und wurde verlassen, alles negative habe ich konserviert, damit es beim Einatmen in den Lungen knistert. Ich streiche hier selbst die Segel alleine, höre als einzige das Fiepen in den Ohren, spüre die Kälte, die aus dem Boden in meine Fußflächen sticht, fahre die Umrisse meiner Ideen in der Luft nach, zeichne einen Bunker aus Gefühlen, setze mich in ihn hinein und komme nur noch ungern aus ihm heraus. Noch spüre ich die Forderungen der anderen, der da draußen; um sie sehen zu können, habe ich mir ein kleines Fenster in die Wand geschlagen, ein kleines Loch: mein Ausblick; ich beobachte und inhaliere Erlebnisse anderer, bleibe dabei semifreiwillig auf halber Strecke zurück und versuche, mich wenigstens in diesem einigermaßen geschützten Raum um meine Traurigkeit zu kümmern.
Was für ein Trugschluss.

and the rooftops don’t speak to me no more