people of no importance

Untitled by smallcutsensations
Man hat mir immer gesagt das verwächst sich schon noch, so, wie man Kindern sagt, dass sie nicht weinen müssen, weil alle Wunden verheilt sind, bis man heiratet. Merkwürdig, bei mir hat sich da nie etwas getan; und morgen? Morgen soll ich, will ich, darf ich, muss ich ein ja sagen, dass mir wohl erst leicht und dann schwerfallen wird. Nur hoffe ich, dass ich es nie vergessen lassen muss. Darauf vorbereitet hat man mich nie, dabei kennen wir uns noch gar nicht allzu lange, kennen einander kaum, haben die Eltern des anderen entweder gar nicht oder nur ein mal gesehen. Wir wissen noch nicht so viel voneinander, wie es andere tun, die sich kennen, seit sie zusammen auf die Schule gingen, die sich jahrelang aufeinander vorbereitet und es dann doch nie ganz geschafft haben.
Wir werden das auch nie so wie die anderen, also wieso versuchen wir es nicht jetzt, hat er mich vor ein paar Wochen gefragt. Und weil ich von Liebe nicht so viel verstehe wie die anderen mit ihren jahrelangen geteilten Vergangenheiten, habe ich ihm zugestimmt. Vielleicht aber auch, weil seine Augen dabei sanft in meine Richtung sahen, oder eben einfach nur, weil er recht hat.
Wenn wir einander traurig machen, dann können wir ja damit auch schon jetzt anfangen, flüsterte ich schließlich in sein Ohr, und ich glaube bis heute, dass er verstand, was ich meinte. Dann strich er sanft über mein Haar, winkelte seine Beine an, schloss seine großen müden Augen wieder und schlief in der Sonne neben mir ein. Damals schlief er wirklich viel.
Heute ist es nicht großartig anders, aber ich weiß, woher seine Müdigkeit kommt. Es ist schöner, solch kleine Dinge mit anderen zu teilen und ebenso, wie man Gerüche, die einem in der Wohnung vorher böse aufstießen, mit der Zeit nicht mehr wahrnimmt, bemerkt man irgendwann kaum noch den Schlafgeruch eines anderen. Stattdessen riecht man die Überreste dessen Parfums, Waschmittels oder Lieblingszigarettenmarke. Es ist bequem und es macht das ganze noch komplizierter, als es eigentlich ist, schließlich kriegt man diesen Geruch nie wieder aus dem Gedächtnis raus. Und wenn das alles schiefgeht mit uns, dann wird er jedes mal, wenn er Waschmittel kaufen muss, an mich denken, wenn seine Finger an Ariel Color entlangstreifen. Er weiß es noch nicht und ich traue mich auch nicht, es ihm zu sagen, aber er wird sich zeitlebens an mich erinnern. Vor allem jetzt. Vor allem ab morgen. Und ich hoffe, dass ihm das bewusst ist.
//
Sie macht sich immer so viele Gedanken. Gut, manchmal denken wir auch im gleichen Tempo, sprechen und schreiben im gleichen Duktus, übersetzen einander mit der gleichen Sorgfalt. Aber eingespielt sind wir noch lange nicht. Manchmal ist sie mir sogar ziemlich unheimlich.
Eines Tages wirst du mich hassen sagt sie oft, manchmal ist es so, als wäre sie von diesem Satz besessen. So wie ich von meinem manchmal, aber bei mir ist das in Ordnung, denn manchmal ist ein schönes Wort. Es ist viel melodischer als gelegentlich und im Vergleich zu gelegentlich muss man sich auch nicht vorkommen wie ein Idiot, wenn man es anderen langsam vorspricht. Ich komme mir aber auch dumm vor, wenn sie der Meinung ist, dass wir uns hassen werden. Ich sage dann so schlaue Dinge wie ich weiß, das nichts ewig andauern kann, aber ich glaube nicht, dass wir uns so schnell die Köpfe einschlagen werden. Dann lacht sie, manchmal lacht sie dann auch sehr unbekümmert, nicht so kontrolliert wie bei ihren Freunden, da geht es oft wie auf Knopfdruck, da lachen ihre Augen nicht mit und da ist sie eigentlich immer deprimiert danach. Sie erinnert mich dann an irgendein trauriges Lied, dessen Name mir jetzt nicht mehr einfällt, das aber bestimmt jeder kennt, und ihre Aura malt alles um sie herum in diesen grau-tristen Ton, den man so schwer wieder aus dem Herzen bekommt. Es geht mir nicht gut, aber nach einer Weile ist alles wieder ok, denke ich, sagt sie dann und lächelt gequält. Vor mir musst du das nicht tun, setze ich dann ein, ich weiß schließlich, wie du aussiehst, wenn du wirklich lachst.
Werbeanzeigen