to you

Untitled by smallcutsensations

In eigener Sache:
Da mir seit meinem Umzug nach Berlin vermehrt etwas zu Ohren gekommen ist, sehe ich mich diesmal in der Situation, ein paar Dinge klarzustellen. Ich äußere mich auf diesem Blog nicht gern über die Außenwirkung, die das, was ich an Output generiere, erzeugt – bisher war ich immer der Meinung, dass es dem Betrachter/Leser selbst überlassen sein soll, aus dem, was gesehen/gelesen wird, seine Schlüsse zu ziehen. Die Grundlage für meine Annahme war und ist der Glaube daran, dass für sämtliche Rezipienten klar ist, dass Fotografie und Texte, die sich auf diesen Seiten befinden, meine Form der Dokumentation meiner verschiedenen Stadien darstellt. Man möge sich hierbei ein Wort vor Augen führen: meine.
Es gibt Gründe, weswegen ich mich bisher nicht dazu geäußert habe – auf der einen Seite, weil ich, wie gesagt, keinerlei Grund sah, dies auf eine öffentliche Art und Weise zu tun, auf der anderen Seite, weil ich mit Fotos und Texten schon immer zu einem Dialog eingeladen habe. Wenn man mich nicht kennt, mit mir den Dialog nicht sucht und lediglich meine „normale“, „fremde“ Person der Person gegenüberstellt, die sich der Rezipient durch meine Fotos / Texte zusammenstellt, kann ich verstehen, dass eine gewisse Diskrepanz zwischen der einen und der anderen Person entsteht. Nur: es hilft niemandem, wenn man meine „normale“ Person als bieder / prüde proklamiert und das, was online von mir rezipiert werden kann, als anstößig oder sonst wie sexuell erregend darstellt. Ich bin weder bieder noch verbreite ich anstößiges Material. Diese Meinung kann ich ebenso wenig nachvollziehen wie die Unterstellung, die in dieser Meinung mitschwingt. Und: ich spiele mit der vorher angesprochenen Diskrepanz – wie jeder andere Mensch auch habe ich verschiedene Facetten, ich spiele nur offener und ehrlicher mit ihnen als es andere tun. Dies bedeutet nicht, dass ich allen auch immer alle Facetten zeigen will. Ich entscheide, wer welchen Anteil von mir zu Gesicht bekommt. Dies ist mit Erfahrungswerten zu begründen.

Wieso ich, vor allem in der Zeit 2012/13 einen großen Fokus auf meinen Körper bzw die Haut, in der ich lebe, gelegt habe, lässt sich für Leute, die mich auch nur einen Funken kennen, sehr leicht nachvollziehen. Ich habe, seit ich 14 war, bis auf eine kurze Unterbrechung an Depression und Sozialphobie gelitten. 2012 habe ich eine Therapie begonnen, die mich dazu gebracht hat, mich mehr mit mir selbst und meinem Körper sowie meiner Selbstwahrnehmung auseinanderzusetzen. Mir wurde jahrelang eingeredet, mit mir würde etwas nicht stimmen – mit meinem Inneren und meinem Äußeren. In Folge der einzelnen Sitzungen dieser Therapie habe ich begonnen, mich von alten Mustern, die mich krank gemacht haben, zu entfernen. Da ich schon immer sehr dünn war und es einen Verdacht auf eine (leichte) Essstörung gab, war es mir auch wichtig, meinen Körper im Detail zu dokumentieren. Vor allem aber, weil mir aufgrund verschiedener Vorkommnisse mehrere Jahre meines Lebens fehlen, in denen ich mir nicht dabei zusehen konnte, wie sich meine Hülle verändert. Man kann also sagen, dass ich seitdem versuche, mich anhand meiner Fotos und meiner Texte zu (re)konstruieren.
Von Anfang an bin ich offen mit meiner Diagnose, meinen Erfahrungen dank und mit der Therapie und meinen Abstürzen innerhalb der Therapie und davor – sowie danach – umgegangen (hier zu lesen unter dem Tag Scherbengewitter). Vor allem, weil ich gegen das Stigma ankämpfen wollte, das Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden bzw gelitten haben, begleitet. Durch den Umgang mancher mit meiner Kunst fühle ich mich jetzt auf eine andere Art stigmatisiert. Dies hat nichts damit zu tun, dass ich nicht mit Kritik umgehen kann – im Gegenteil.

Fakt ist: meine Form der Fotografie ist intim, das ist sie jedoch auch, wenn ich andere Motive als mich selbst habe. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso Haut / nackte Rücken / Körperteile, die man im Schwimmbad expliziter präsentiert bekommt, bei manchem solch merkwürdige Reaktionen auslöst oder Angst hervorruft. Mir ist bewusst, dass man sich mit jeder Aufnahme, die man von sich anfertigt, zu einem Objekt macht. Des Weiteren: meine Prosatexte und tagebuchartigen Fragmente auf diesem Blog sind viel intimer, als es meine Fotografie jemals sein kann und wird – wenn man sie richtig lesen kann.
Fakt ist ebenso: niemand wird gezwungen, meinen Output zu rezipieren – in erster Linie produziere ich sämtliche Inhalte für mich, freue mich aber über jede Form eines konstruktiven Dialogs, über jede Form der Zusammenarbeit und über jede Form von Anregung, die ich eventuell in meine Arbeit mit einfließen lassen kann – denn mein Anspruch ist es, an mir selbst und mit anderen zu wachsen. Und lebt man nicht immer erst durch den Dialog mit anderen Menschen?

Was eventuelle Fragen beantworten kann, ist ein Interview, das ich Anfang letzten Jahres mit Shooting Film führen durfte. Ansonsten bitte ich, direkte Gespräche mit mir zu suchen, wenn Diskussionsbedarf besteht. Ich werde mich nicht in meiner Ausdrucksform einschränken (lassen), nur weil einzelne Personen nicht d’accord damit sind.
Sollten einige Aussagen in diesem Beitrag nicht so stringent sein, wie sie es in meinem Kopf sind, bitte ich um Nachsicht. Kunst ist immer eine Einladung zum Dialog, Kunst ist immer etwas, das 50% der Rezipienten ablehnen und 50% der Rezipienten mögen.

hungry face

Untitled by smallcutsensations

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Da sind sie alle, in Reihe geschaltet. Hoch, runter, hoch, runter. Es gibt das Herzklopfen gratis dazu, man vermutet sogar schon einen Herzschrittmacher. Sprache reduzieren, einige Hinterköpfe erkenne ich wieder.
Frei bewegen kann man sich hier, die Strecken sind noch nicht einmal groß, eine halbe Stunde benötigt man von der einen Seite des Zentrums zur anderen. Das haben wir uns nicht nur so ausgedacht. Der Ort, der meinen Nachnamen trägt, ein See dann irgendwo in der Nähe. Es bleibt düster, der Nebel legt sich nicht.
Den Frauen hinter den Schaltern mache ich keinen Vorwurf. Sie wissen wahrscheinlich nichts, weil man ihnen die Dinge nicht mitteilt. Alles wissen kann man nicht. Vorbereitet waren wir trotzdem. Seit einiger Zeit war ich nicht mehr in der Universität, heute die Hallen leer und vertrocknet. Mir fehlt schon jetzt der Rollsplitt, der bald Einzug halten wird.
Wenn du es in einer Stadt im trüben Spätherbst und im Winter aushälst, weißt du, dass du in ihr leben kannst, ohne ständig darüber nachzudenken, wegzugehen. Das hätte mal einer früher erwähnen sollen.

Und wie das Grau Einzug gehalten hat, sich hineingefressen hat in die Landschaft – immer dunkler der Wald. Auf einmal leben nirgendwo mehr Menschen, eine Erinnerung an sie sind ihre hell beleuchteten Häuser, die, die der Nebel ebenso schluckt. Große Lagerhallen, in der Nähe die Lichtader: rot und weiß, gelb und weißblau.
Dann gibt es noch bestimmte Winkel, in denen sehen die weißen Lichter aus wie Gazellenbeine, produziert vom Abstand, der zwischen allem steckt.

is this darkness of the dawn

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Wie sie dann immer davon erzählen, man hätte sich sein Leben wohl besser einteilen sollen, eine Art Häppchen für unterwegs – aber das funktioniert doch nie. Gespräche über das Alter, in dem man Kinder in die Welt setzen sollte und mein Weisheitszahn, der schmerzt und drückt und schiebt, dass ich halbschreiend im Badezimmer kauere und mein Mitbewohner mir währenddessen ein paar Anekdoten erzählt. Das muss wohl dieses Alter sein, was man frühes Erwachsenenalter nennt, aber ich wollte nie so schrecklich erwachsen sein und ich wollte nie ohne Perspektive durchs Leben gehen müssen, ich wollte erstmal ein Leben leben, von dem ich auch stolz erzählen kann, ich wollte erstmal gesund werden und meine Psyche kontrollieren können, bevor ich mich auf etwas einlasse, das andere Lebewesen an mich koppelt. Weil ich mir nicht Gedanken darüber machen möchte, wann und ob sie gehen und wie schnell sie das tun, wenn sie wissen, was ich bin, meine Essenz viel mehr. Weil ich nicht möchte, dass sie nur in meiner Dunkelheit leben müssen sondern dass sie auch in meinem Licht baden können. Momentan benötige ich das für mich selbst und gebe das nur ausgewählt weiter. Vielleicht strahlt es ja in das Dunkel hinein, aber das konnte ich ja noch nie so wirklich einschätzen.

vierunddreißig
Ich hatte ihr ein paar Tage vor der Sitzung eine Nachricht geschickt und sie nickte mich deswegen an, als wir beide Platz genommen hatten. Früher war das das verlorene Sitzen auf dem großen Sofa und meine Wiederholungen, im Nacken die Hausarbeit, ihr Blick, als ich sage, ich habe alles nochmal verworfen und schreibe neu, Abgabe Mittwoch.
Wir reden über Abnabelungsprozesse, die sind wohl wirklich unumkehrbar, der therapeutische Brief an meine Mutter ist immer noch auf keinen Papier, ich erzähle ihr über unsere Art der Kommunikation, ob man das Liebe nennen kann, frage ich, ob man das jemals Liebe nennen konnte, das will ich wissen, aber es wird darauf nie eine Antwort geben. Welche Reaktion hätten Sie sich denn gewünscht? Eine ernstgemeinte Nachfrage, vielleicht eine Frage, wie es mir geht, vielleicht auch mal Interesse, selbst wenn es nur geheuchelt ist, so wie bisher. Und wenn sie das gemacht hätte? Wäre ich misstrauisch gewesen, so wie bei allen, die einfach so auf mich zukommen und freundlich zu mir sind. Wieso bei ihrer Mutter? Weil das bisher immer ein Trick zu sein schien. Weil es mir danach immer schlechter ging als vorher.
Dann ein Reden über eine meiner Phobien. Eine Konfrontationstherapie machen Sie also, das ist gut. Alles in Schritten, alles in meinem persönlichen Tempo. Vor allem bei erlernten Phobien ist das wichtig, aber Sie stellen sich, das ist gut. Die Frage, wie viele es nun eigentlich sind. Wie stark anerlernt sie sind, wie tiefgreifend die Erlebnisse sind, wegen denen sie überhaupt erst entstehen konnten.
Vor dem Fenster heute keine Krähen, es war am Vormittag sonnig, wir sprachen über einen Vogel, der immer merkwürdige Geräusche macht, wie sie deswegen das Flügelfenster schloss. In meinen Augen: Komposition, Lichtspiele in meiner Iris, Jalousien, eigentlich hässlich – hier passend. Wir lachen ein wenig, dann lachen wir viel. Und am Ende komme ich an beim Erzählen über dieses Projekt, das seit mehr als einem Jahr in meinen Venen schwillt. Die Abwesenheit der Dinge also. Ein skizziertes Hören, Sprechen, sie sieht interessiert aus. Ich rekonstruiere ein paar Menschen und ich glaube, meine Mutter dürfte diesen Text, wann auch immer er fertig ist, nie lesen, nie. Wieso? Weil er sich damit beschäftigt, ob erst mit dem Tod eine Art Abwesenheit entsteht oder ob man schon im Leben abwesend sein kann, ob und wann man je da war und wieso man sich entschließt, zu gehen. Ob man jemals eigentlich sein kann. Sie klingt sehr fasziniert, ich bin auch ein bisschen begeistert, rede mich in positive Rage, bekomme Lust, weiterzuschreiben oder besser gesagt, wieder anzufangen. Womöglich kann ich erst richtig abschließen mit zweitausendelf, wenn ich diesen Text fertig habe. Oder aber, ich kann erst mit mir weitermachen, wenn das alles aus mir herausgesprudelt ist.
(Anfangen wäre gut. Oder wieder anfangen.)

Am Ende schütteln wir die Hände, wie jedes Mal, fester Händedruck, gelegentlich weiß ich nicht, wann ich loslassen soll. Wir reden vor der kommenden Sitzung nochmal, vielleicht ist dann gutes Wetter für meine Lichtstudien. Vielleicht.

P.S.: Apropos Blog
Google Reader und Google Friend Connect werden sterben, wie wir wissen. Eine Möglichkeit, auf dem Laufenden zu bleiben ist bloglovin. Folgen könnt ihr dort. (Oder mit einem RSS Reader eurer Wahl.)

I’ll wait
so show my why you’re strong
ignore everybody else
we’re alone now

i talk to the rain

Untitled by smallcutsensations
ich habe mir oft gedanken über ein wieso und ein weshalb gemacht, aber habe keine antworten gefunden. und wenn der krebs doch etwas gutes mit sich gebracht hat? man hört sich im hintergrund weiter gewisse fragen stellen. je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wünsche ich mir, ich wäre am meer aufgewachsen. stattdessen: eingekeilt zwischen zwei tälern, auf der suche nach einem platz fürs rastlose herz. merkwürdig, oder?
mir ist einfach nur danach, mal wieder eine nacht mit jemanden durchzureden. über kunst, politik, schriftsteller und die jeweils eigene sicht auf die welt. über alles dazwischen. vielleicht sogar bei einem glas wein oder einer tasse tee.

hej

Untitled by smallcutsensations
mein name ist anke und ich bastle aus wörtern gern etwas atmosphäre zusammen. nebenbei fotografiere ich.
oft bin ich hier, manchmal aber auch nicht. und bei all dem unvollständigen, all dem halb fertigen: ich komme gerade erst an.

hallo.

(das hier ist ein bisschen ich, vielleicht habt ihr ähnliches schon mal gesehen, gelesen oder gehört. aber trotzdem ist es mein kleines bisschen leben.)

davor. nebenbei.