amazing it seems

Untitled by smallcutsensations

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Meine Erinnerungen an Januar verbaue ich gerade via InDesign in einem Fotobuch, pro Monat wird das eins. Pro Tag eine Sekunde Video. Pro Tag ein Eintrag in meinem Tagebuch, dem digitalen. Irgendwo Worte, mit jemandem reden, der Versuch und noch das weit gestreute Scheitern, jeden Tag mindestens eine Viertelstunde spazieren zu gehen. Morgen. Und dann die Mappe. Jeden Tag eine Sekunde, ein Wort, ein Bild vielleicht, ein Moment. Und ich – vielleicht.
Ich wache auf und mich durchfährt dieser komische Gedanke, dieses Endgültige. Das war wirklich wie bei Rotkäppchen und der böse Wolf.
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gentle impulsion

Untitled by smallcutsensations

Du nimmst eine Biografie aus dem Regal, ein dünnes Bändchen von Suhrkamp, blätterst mit gelangweiltem Blick durch die ersten zehn Seiten, liest hier einen Satz, da einen Abschnitt. Erst dann wird dir bewusst, was für ein Mensch da beschrieben wird. Du stellst das Buch zurück ins Regal, beinahe an den richtigen Platz, und nimmst ein neues Leben in Papierform in die Hand. Als wäre es langweilig, in den Existenzen anderer herumzulesen, wiederholst du dieses Prozedere mehrere Male, bis du schließlich mit einem Gähnen aufgibst und mit wissenshungrigem Blick auf dein Telefon starrst. Du weißt schon, so wie die Leute, die am Morgen ihre Tageszeitung aus dem Briefkasten holen und noch auf der Stufe vor der Haustür anfangen zu lesen.
Und dann ist da dieses dicke Heftchen von Reclam, wie es in deine Hand gelangt ist, weißt du schon gar nicht mehr; das musst du alles intuitiv gemacht haben, im Tran, da vor dem Schullektüreregal. Wikipedia auf einem Bildschirm zu lesen war dann doch etwas anstrengend; immer diese Schmerzen in den Augen, verwischte Wimpern, Tränenflüssigkeit. Vielleicht ist es aber auch nur die Schwere der kleinen Literaturgeschichte in deiner Hand, grün brennt sie sich in deine Handfläche, so wie Hoffnung in manch anderer Menschen Herz, und du fragst dich, was an dieser Geschichte jemals klein war außer den Buchstaben in den Fußnoten und dem, was man sich davon im Kopf behalten wird. Ignoranz, ein kaputterinnertes Langzeitgedächtnis, der Geruch von gegorenem Bratfett vom Schnellimbiss gegenüber: morgen ist auch ein Tag.

//

wir stehen hier schon eine weile, die lichter der autos im dunkler werdenden verkehr rauschen in zeitraffergeschwindigkeit an uns vorbei. du hast die fahrertür leicht geöffnet, etwas abendluft fließt durch den spalt in meine nase, es gibt keinen staub mehr, den ich sehen kann.
und sonst, frage ich, damit ich dir nicht weiter beim weinen zuhören muss, ohne untätig zu sein, und sonst, was hat das leben mit dir gemacht?
als hättest du nur darauf gewartet, dass ich dich so anspreche, deine wangen müssen doch schon fast salzig schmecken, ein blick voller wut und unverständnis. im radio sprechen sie wohl von unwetter, das passt ganz gut, ich kann das donnergrollen, das sich in deinem inneren spiegelt, schon fast greifen. ein dunkles erinnern an die golden glänzenden haare in der untergehenden sonne, ein glanz von vor einer viertelstunde, längst vergessen.
was soll es schon mit mir gemacht haben, alle sind weg und ich bin noch hier und du bist ein anderer mensch, beinahe so, wie du es vermutet haben musst, wir haben zu viel fahrt aufgenommen und darüber sprechen können wir nicht mehr. im ohr ist irgendetwas gekappt, es klackt vor sich hin, ein wenig herzschlag, mein puls in deinen händen. nie gesagt.
zugeschlagene tür, du drehst den schlüssel wieder gen zündung. noch tropft es auf deine beine, du wischst das lenkrad sauber mit einer armbewegung, die so aussieht, als hättest du sie lange eingeübt; ich weiß nicht, was du eigentlich von mir willst.
ein umgelegter schalter, die beklemmung, die sich in die sehnen frisst, leere augen beim blick in den rückspiegel. vielleicht bist du auch schon lange nicht mehr hier.

looking for love in a trashcan

so oft hast du gesagt 
du hast es gespürt wenn 
du hast geweint wenn 
du hast es verneint wenn 
der doppelte boden doch nur 
ein einfacher war 
gelegentlich habe ich mir gedacht 
dass du es nie wissen wolltest

welcome home

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lass das mal bitte sein. ich sehe zu, wie eine ära zu ende geht und schäme mich noch nichtmal dabei. ich sehe zu, wie du gegen die wand fährst und weiß kaum, wie ich dir helfen soll, damit du in letzter sekunde doch noch den fallschirm ziehen kannst. stattdessen summst du lieder, die ich irgendwo vor langer zeit schon gehört habe, deine stimme ist dabei angenehm kratzig und durchschneidet den staub in der luft mit einer merkwürdigen selbstverständlichkeit.
es tut schon fast nicht mehr weh, sagst du, obwohl, vielleicht ist das nur ein wenig phantomschmerz. eben so wie man sich den schmerz ausmalt, das ist wie der gedanke an vorbeifahrende u-bahnzüge, noch nie gesehen, aber schon immer so vorgestellt, verschwommen zu einer linie, trägheit der augen, lichtblitze.
ich sehe dich eben wieder vor dieser wand stehen, der imaginären, ich sehe, wie dein fuß mal wieder das gaspedal küsst, aber mehr als ein du fühlst dich an wie die leere in den herzen mancher menschen bringe ich nicht heraus. das muss doch lächerlich sein, mein ständiges gestarre, aber ich schaue dem staub hinterher, sehe zu, wie er um deine haare fliegt, an deinen lidern vorbei, wie du ihn von deiner nase beim ausatmen weiter in den raum katapultierst, in die klimaanlage, irgendwann atme ich ihn dann ein mit meinem steten luft holen. ich sehe nicht, wo du mit mir hinwillst, nur liegt vor uns eine straße, die du so dringend bis zum ende fahren musst, dass ich befürchte, dass wir nirgendwo ankommen werden, vielleicht ist das ja gerade der sinn dahinter, einfach dieses immer voranpreschen, vielleicht, weil du es sonst nie hattest, weil du sonst immer der mensch warst, der einfach stillstand und wartete. 
wie ich mich anfühle, weiß ich nicht, wie du dich anfühlst erst recht nicht, knurrst du mir entgegen, du sprichst gegen die meldung von toten auf der autobahn an, du weißt, dass wir selber nicht davor gefeit sind; du bist das schwarze loch in meiner erinnerung.
ein nichts. das sitzt tief. dabei sehe ich nur zu, wie du gegen die wand fährst, ich mittendrin, kaum anzusehen, aber doch erträglich, ich gewöhne mich schnell an den gedanken, für dich das zu sein, was du entdecken magst, aber nie erreichen kannst. wir reden, gleichzeitig sind wir still.
du weinst so bitterlich, dass du vor lauter tränen an den rand fahren musst, um nicht gegen einen baum zu fahren. ich ertrage es, vorrangig, weil ich dich nicht umerziehen kann. es wäre zu einfach für mich. bestimmt.

https://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F25355552 Radical Face – Welcome Home by necpdalternative

remember what your heart is for

dann schaust du mich wieder mit diesen augen an, in die ich alles und nichts hineinlesen kann. du holst luft, ganz tief, dein zwerchfell muss doch schon schmerzen. und dann geht es los: alles hat sich eigentlich kein stück geändert. nichts, rein gar nichts, hat sich verändert, seit wir uns das letzte mal gesehen hatten. weißt du, ich kriege manchmal panik, wenn ich merke, wie mir die felle von dannen zu schwimmen scheinen, wenn sie alle fünf schritte vor mir herlaufen in siebenmeilenstiefeln, wenn ich merke, dass ich zurückbleibe, obwohl ich ansonsten mit allem zufrieden bin, obwohl ich irgendwie… ich weiß auch nicht. 

du solltest bedächtiger mit dem gas umgehen, sage ich, die bäume, die an uns vorbeiziehen, verschwimmen in der abendlichen sonne. egal wie deine haut auch im licht schimmert, dein unüberhörbarer herzschlag verkompliziert diese fahrt.
die motorbremse. wer sagt mir eigentlich, dass du mich nicht wieder nur zu deinem eigenen vorteil in dein leben lässt, fragst du hysterisch, dass du durch mich wieder gesund wirst und mich krank zurücklässt?
niemand. das war bitter.