self control

Früher erzählten sie oft vom Dickicht zwischen den Laken. Früher war ich oft darin.

Früher haben sie mir gesagt, es sei ein leichtes, sich in den Kerben anderer Menschen zu verrennen, vor allem, wenn sie ähnlich geformt zu sein scheinen wie die eigenen. Sie haben gesagt, dass manches wieder ausbeult mit der Zeit, dass die einen Pflaster und Decken brauchen und die anderen Tieflader und Therapeuten. Generell haben sie das Wort Zeit sehr oft verwendet.

Sie sagten nichts davon, dass manche Krater tiefer werden je länger man wartet oder dass deren Spiegelung Fluchtreflexe streut. Gewarnt haben sie nicht vor Narziss und Demian oder dem lauten Poltern von Versprechungen, die gekoppelt sind ans Gewissen. Ich bin nicht der Fluchtreflex der anderen, ich bin nicht die von ihrer Kerbe ausgelöste Schneise.

Es zieht und zerrt und schiebt und treibt irgendetwas in meinen Venen, vielleicht ist das aufkeimende Indifferenz, vielleicht Müdigkeit. In meiner DNS nur ein Clusterfuck aus den Seelen meiner Vorfahren, kondensiert, begrenzt von meinen Schädelknochen. Manchmal pulsiert er durch meine Erinnerungen in Amöbenform.

Das Wort „früher“ haben sie zu häufig verwendet, Kreise sollte man nicht erst im Alter ziehen. 

Es ist so leicht zu vergessen: du bist in keiner Weise die Menschen, die dich nicht lieben können, du bist kein Altlastenleben. Dann wieder der Pfleger aus der Klinik, der immer wieder sagte: Sie haben eine Verantwortung den Menschen gegenüber, mit denen Sie zu tun haben und die Ihnen wichtig sind. Sie haben die Verantwortung ihnen zu sagen, was sie in Ihnen auslösen. Und die anderen haben dieselbe Verantwortung Ihnen gegenüber. Mein Fluchtinstinkt, trotzdem Aushalten.

Dann, vereinzelt: ich ziehe und schiebe und zerre mich nicht mehr zurecht für die Schneisen in anderen drin. Ich darf hier sein, dafür brauche ich keine Genehmigung.

(Laura Branigan – Self Control)

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