here I go again

Untitled by smallcutsensations

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Vater brachte mir bei, auch bei den einfachsten Worten die verschiedensten Aussprachevarianten durch meinen Mund zu ziehen. Weniger als Perlen auf einer Schnur als als getrocknete Disteln, extra verstärkt mit Nägeln. Er war viel früher real als ich je hätte echt sein oder werden können. Und heute berichtige ich ihn gelegentlich, wenn niemand weiß was das Richtige mehr ist – für irgendwen – und lass Worte aus, die etwas Gutes bedeuten könnten. Da ist schließlich keine Futura mehr, ich nehme meinen Kopf aus der Gleichung heraus; aber egal, was am Ende herauskommen könnte: eventuell werde ich alle Formen der Aussprache lernen, bevor es mich im Inneren verbrennt: Stück für Stück, wie Löcher, die Motten und Zigarettenstummel hinterlassen auf Kleidung und im Schädelknochen.

Denn wem magst du noch erzählen, wie du als Kind durch die Wälder ranntest und es dich danach immer wieder in die entgegengesetzte Richtung von dem trieb, was du früher wolltest? Die Gischt treibt dich an Land, deine Worte treiben mich aufs offene Meer hinaus. Und dann erinnerst du dich doch an die Fenster zum Berg; Horn im Hintergrund und frisch gemähtes Gras vor Regengrund. Als hättest du nicht von einfachen Worten gewusst, als hättest du nicht um ihre Existenz gewusst.

Der Willy Brandt in dir, nicht der Staatsmann, nicht der Kniefall, nein, die Kapitulation vor dem Tieferen, das Festhalten an der Oberfläche. Die Kratzspuren anderer Leben liegen vor der Tür, schlimmer als Nägel, die sich in nackte Fußsohlen bohren. Komm, steh auf und gehe ein Stück mit Ihnen. Sie stecken im Fuß, nur wenn sie eitern, weißt du, dass es nicht die richtigen waren.

Unter den Schächten der Sand, bestimmt nicht nur fein, vielleicht aber doch wie am Meer, das weiß nur noch nicht jeder. Spätsommer, von denen ich dir nichts erzählt habe. Dabei mache ich mich klein, rücke an den Rand der Sitzfläche. Das ist doch noch kein Herbst. Wann ist man denn so geworden, nicht nur eigentlich? Ich warte darauf, dass die schreienden Kinder dieser Erde aufhören, nach dem Glück dieser Welt zu brüllen. Die Angst vor der Menschlichkeit der Menschen, woher die fehlende Einsicht kommt, dass alles in jede Richtung ausschlagen kann? Müssen die Nachrichten schreiben, beantworten, von denen du deinen anderen erzählen kannst. Bis dahin schreibe ich mich hier und albträume mich weiterhin durch die Nächte, erstaunlich gut geht das sogar. Habe ich dir nie davon erzählt, wie ich neben dir gezittert habe? Nur die Falte zwischen meinen Augenbrauen verrät mich (und mein Alter). Von niemand anderem, zumindest niemandem, den ich kenne, hättest du davon hören können.
Der Horror und der Anspruch zu sagen: ich muss ihnen etwas Gutes tun. Früher, im Sommer, oben auf der Leiter sitzend, Sonnenuntergang in neun Quadratmetern, der Geruch von abgerissener Tapete. Abendstimmung, blaue Stunde, einsam.

Aber wann beginnt der Alltag wieder? Hummer- und Krabbenexperimente auf ewig alten Bildschirmen. Mitte des Monats müssen wir uns entscheiden für oder gegen Geschwindigkeit. Wie bei den Autobahnen, mein abstrakt gestaltetes Leben. Meine Nachfragen. Aber verloren habe ich schon. Spätestens nach und wegen der neuen, ganzen, ersten Seiten. Denn man kann nicht mithalten und macht sich das selbst doch immer wieder deutlich. Dann das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster werfen. Wir sind nichts als Lichtfäden. Gut. Nicht bis niemals.

Die Eigenschaft, dass andere Leute es schaffen, sich an einen heranzuschweigen.

Oder was wird das? Die Anwesenheit der Menschen, ich will nur Sonntage verschlafen, ich will durch die Tage gehen, die eigenständige Seiten haben, respektive, deine und meine. Ich möchte, dass du das weißt. Denn ich möchte, dass du von mir weißt. Dass ich nicht nur die Raufasertapete an deiner Wand bin, deren Holzspäne sich in deine Haut bohren, wenn du aus Versehen zu nah an der Begrenzung deines eigentlich viel zu kleinen Zimmers entlangschabst. Will nicht Teile aus deiner Haut herausschnitzen, ich mag ein Pflaster sein. In der Entfernung fahren die letzten U-Bahnen um die Kurven, die ich so mag. Wälder finden. Keine Geheimnisse mehr haben. Müssen.

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