get drenched in the neon light

Untitled by smallcutsensations


Als hätten wir nichts anderes gelernt als feinsäuberlich den eigenen Stuck nach außen zu kehren, als hätten wir nichts anderes gelernt als ihn in die Gesichter von Menschen zu werfen, die wir gerne kennengelernt hätten, wenn wir anders gewesen wären. Anders, das Wort, das sich so wunderbar rundgelutscht hat im Mund, das Wort, das wie eine Entschuldigung klingt, das Wort, das ähnlich explosiv ist wie Mentos in Verbindung mit Cola.

Ein Schnitt.

Anders, denke ich und habe den Spiegelsaal von Clärchens Ballhaus vor Augen; Licht, das durch die großen Fenster fällt und angenehm den Staub aufwirbelt. Dann das Glas hinaus Richtung Norden. Ein paar hundert Kilometer weiter die Fassaden, die eingehüllt sind, als wären sie verletzt. Links leuchtet es blau, in Quadraten, so, als hätte man Pappkarton mit riesigen Nadeln malträtiert. Wieder etwas weiter, rechte Seite. Piccadilly Circus, denke ich und bade im Licht der Reklametafel, deren Reklame ich nicht mag. Die bengalischen Feuer und das Hochbeschleunigen im ersten Gang, sie tanzen auf den Straßen. Links leuchtet es blau, mittig rot, rechts flackert es immer noch.
Stuck und Kerzenleuchter, denke ich und dann ist es so, als würde ein paar hundert Kilometer weiter südlich die Essenz aus einem herausgesogen; hier jedoch findet das Licht den Eingang in den Körper, schleicht sich durch die Haut und lässt noch nicht einmal Sonnenbrand zurück. Da unten versucht mein Körper die Löcher mit Leberflecken zu stopfen und die Frage, ob man auch schreckliche Orte schön finden darf. Ein genüssliches Abziehen der Rinde, der Kruste, der Fassade, das geht in Etappen – hier sind die Schichten viel zu hoch aufgehäuft, dort sind sie fingernageltief und erwarten Berührung.
Bass, denke ich und höre es in meinen Ohren klingeln, das sind die Bäume und die Menschen im Hintergrund, das ist ihr Stuck, das ist der Kern, der in den Körpern umherwandert, der an Wände schlägt, der immer größer wird. Die Sirenen und die Blaulichter, Beschleunigung auf der Autobahn. Das Licht, das sich immer neue Stellen sucht, um an den Kern zu kommen.

Wir müssen los.
Ich will hier nicht weg, antworte ich.
Du musst aber.
Ich weiß, sage ich, noch.

Das Licht und die Nacht interessieren sich nicht für Stuck, sie haben den Weg an den Kern schon längst gefunden.

you will find out about all my secrets
and I will find you
if you can bear the pain, it won’t be long

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