the day nothing happened

Untitled by smallcutsensations

die angewohnheit, meine mutter im krankenhaus zu besuchen, wir essen zusammen ihr abendessen, sie hat mir vom mittag den nachtisch aufgehoben, sogar den yoghurt vom morgen, wir reden viel mehr miteinander als sonst, als überhaupt, als jemals zuvor, die gewohnheit sträubt sich dagegen. ich fotografiere sie, sie sagt nichts dagegen, manchmal lächelt sie sogar dabei. vordenken an eine post-krankenhaus-zeit, alles wieder wie vorher. alles erkaltet, bei allen, mit mir, das gefühl, dass das alles einmal zu ende gehen wird, dass irgendwann der verfall über einen hereinbricht. du, sie, wir, ich, hier temporär wohnhaft.
und dann frisst sich der böse freund traurigkeit wieder in die glieder.
drei; diesmal findet es nicht statt, wie merkwürdig das gefühl, bestellt und nicht abgeholt, im wahrsten sinne des wortes; das licht bricht sich so unangenehm im doppelglas, ich warte mit angeschrägt aufgestellten füßen und den ausgefüllten fragebögen in der tasche, nach einiger zeit kommt bei jedem der im wartezimmer sitzenden der therapeut, manchmal kann man die beginnenden gespräche schon mitverfolgen, ohne dass man es will. am ende ist das bei mir und meiner therapeutin alles ein missverständnis, die hoffnung, dass mir nichts passiert ist (ich höre stunden später erst meine mailbox ab), ich treffe sie durch zufall, als ich gerade meine sachen anziehe und gehen will, sie sagt, gut, dass das heute so gekommen ist, sonst wäre am montag schon die letzte sitzung. ich bekomme kurz panik, frage aber nicht nach. die letzte sitzung? es wird um ihre lebensgeschichte gehen, gut, dass ich da die fragebögen habe. sie entschuldigt sich einige male, ich winke ab, versuche wieder nicht an „die letzte sitzung“ zu denken. ich muss immer noch zum hausarzt wegen des konsiliarberichts. ich habe angst. kann ja noch nichtmal diese tabelle ausfüllen, über der in fetter schrift verhaltensanalyse steht, weiß nicht, wo das alles anfängt, wo es aufhört, weiß nur, dass es immer in wellen kommt, aber der wasserstand nie wirklich sinkt. erinnere mich an worte von p., der sagte du hast sechzig leute im rücken, die dich unterstützen. ich weiß, wie ich mich darüber gefreut habe, ich weiß nur nicht, wie ich ihnen allen gerecht werden kann.
dafür schreibe ich wieder. vielleicht hat man das schon gemerkt, die worte kleben sich durch meine fingerspitzen hindurch auf dieses angenehm glatte papier. manchmal wünschte ich, meine haut wäre so glatt, dann würde sie jeder anfassen wollen. das große im kleinen, die traurigkeit in glücksmomenten.

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