and at once I knew I was not magnificent

Untitled by smallcutsensations

Die auf meinem Fensterbrett verwesenden Tulpen und Narzissen bedecken mein komplettes Wohnzimmer mit einem säuerlich abgestandenen Geruch, der irgendwo zwischen Gestank und Merkwürdigkeit angesiedelt ist. Nach einiger Zeit des Wachseins, der Schlaf auf dem harten Sofa war zu unangenehm, wechsle ich den Raum, gehe in mein Schlafzimmer und setze mich auf einen auseinanderbrechenden Holzstuhl, um über mein Ich nachzudenken; das Problem ergibt sich schon nach wenigen Sekunden: ich habe nichts spezielles, über das ich nachdenken muss, vor mir prangert ein weißes, leeres, langweiliges Blatt Papier und während der eine oder andere das vielleicht als Chance sehen kann, ertrage ich den mir selbst auferlegten Druck nicht. Meine Zeitfenster funktionieren nie, in einer Höhle habe ich mich vergraben, nur ein kleines Fenster in einen grauen Innenhof ist mein Ausblick; schließlich kann ich nicht über nichts nachdenken, von nichts erzählen, wenn ich immer nur auf alles schaue und mit niemandem so recht leben kann. In meiner Wohnung gibt es keine laut tickende Uhr, kein permanent laufendes Radio, mein Kühlschrank ist viel zu leise, weil zu neu, die Fenster sind überraschend schalldicht und vor den kleinen Spalt zwischen Wohnungstür und Türschwelle liegt eines dieser furchtbar aussehenden Stofftiere, die den Durchzug verhindern sollen und im Nebengang alle Geräusche von außen abtrennen. Kein Ton, kein Beweis der vergehenden Zeit zwischen dem Nach-Hause-kommen nach der Arbeit und dem absolut überwältigend störenden Muss des zu-Bett-gehens. Oder bin ich einfach nur zu digital, um mich selber noch bemerkbar zu machen?
Ich fahre mit den Fingerspitzen den Schrank neben meinem Schreibtisch entlang und öffne eine der schwergehenden Schubladen: einige Kilo Papier mit Fotografien auf ihnen, durcheinander, manches schon angegilbt, diverses absolut unbrauchbar, Material von Momenten, die ich nicht festhalten konnte; ich schiebe die Lade wieder in ihre ursprüngliche Position und wende mich dem Weiß vor meinen Augen zu, das auch in den letzten Sekunden keine andere Form angenommen hat. Über meinem Kopf poltert irgendwer über die Dielen, schreit eine Runde und schmeißt Schweres auf den Boden, ich störe mich an den Geräuschen und setze Kopfhörer auf, die allerdings keine Musik abspielen werden, so viel weiß ich schon. Das muss die Familie mit den beiden erwachsenen Kindern sein, die, wenn sie mir gelegentlich im Treppenhaus begegnen, pflichtbewusst grüßen und die man im Nachgang über einen reden hören kann. Gedanken an das alte Leben hinter vorgehaltener Hand, die Wut im Gesicht wächst dann manchmal, bricht aber nie nach außen. Hat irgendwer damit angefangen oder war das schon immer so? Dieses sich stören an den Menschen, den anderen, der Mehrheit, die einen nicht annehmen mag oder die man selber als überflüssig erachtet.

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